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09.09.1994

Umweltsuender und die Datenautobahn

Sage noch einer etwas Kritisches zum Thema Datenautobahnen und Multimedia! Wenn jetzt auch noch der brasilianische Regenwald von der neuen Informationsgesellschaft profitiert, kann man sich doch kaum noch mit so profanen Nebensaechlichkeiten wie dem glaesernen Buerger oder den Inhalten von mehr als 500 Fernsehprogrammen auseinandersetzen - von der nach wie vor kaum gestellten Frage, wer das alles bezahlen soll, ganz zu schweigen.

Um kein Missverstaendnis aufkommen zu lassen: Die Botschaft, die vom 13. Weltcomputerkongress ausging, ist als Vision durchaus legitim und zulaessig. Globales Multimedia-Networking als Instrument einer Art "Oeko-Informatik", warum nicht? Telematik statt unnuetzer Verschwendung von Ressourcen, gut so. Und wenn sich die Software- Elite aller Laender auf die grossen Themen der Telekommunikation besinnt, auch recht. Bevor man sich aber mit Hilfe moderner Technik an die Menschheitsprobleme unserer Zeit macht, muss diese vorhanden, im Einsatz erprobt und vor allem akzeptiert sein. Mit anderen Worten: Es geht um die profanen Nebensaechlichkeiten, von denen vorhin schon die Rede war.

Zurueck zu den Fakten also, zumindest fuer einen Augenblick. Noch warten wir beispielsweise alle gespannt auf die Wachstumslokomotive Telekommunikation, die zwar kraeftig raucht, den Bahnhof aber immer noch nicht verlassen hat. Oder nehmen wir den Aktionsplan der EU-Kommission, dessen Ziel der Bau der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts ist. Die zehn Pilotprojekte, die Bruessel hier als erste Trasse kuenftiger Datenautobahnen foerdern will, bedeuten noch keinen Multimedia- Fruehling; abgesehen von den Lippenbekenntnissen in Sachen neuer Forschungspolitik - frei nach dem Motto: Bruessel schaut auf die Industrie, die Industrie auf lukrative Maerkte, und beide zusammen auf den Steuerzahler, der das Risiko beim Abenteuer Multimedia tragen soll.

Apropos Steuerzahler oder Konsumenten: Mag sich Herr Bangemann noch so fuer Teleworking und Telelearning ins Zeug legen; wenn auf Europas Information-Highways demnaechst die Post abgeht, dann wohl zuerst bei Kirch, Bertelsmann, Quelle und Konsorten. Teleshopping und Video on demand heissen die neuen Heilsbringer - professionelle Anwendungen bis auf weiteres Fehlanzeige. Beim Nachdenken darueber, warum dies so sein wird, hilft vielleicht auch der Werbespruch "Its a Sony". Josef Brauner, Deutschland-Chef des japanischen Elektronik-Giganten, weiss jedenfalls, worauf er sich bei Multimedia einlaesst: "Ich kann den Arbeitsplatz nicht einfach nach Hause verlegen und sagen, das funktioniert sofort. Technik ist die eine Seite, Unternehmenskultur die andere. Wir muessen in den Koepfen etwas veraendern, wenn wir wirklich Teleworking haben wollen." Der Mann hat wohl recht, und damit zurueck zu den Visionen.