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14.05.1993 - 

Briefe

Unbegrenzte Narrenfreiheit

In Ihrem Leserbrief wird nicht klar, was eigentlich Ihr Anliegen ist. Einerseits die aengstlich-befriedigende Erkenntnis, dass Microsoft (noch) kein Monopol besitzt, auf der anderen Seite die Feststellung, dass sich manche Firmen bedauerlicherweise auf den Irrweg von OS/2 begeben haben und deshalb Windows-Programme verspaetet erscheinen. Eine in ihrer ganzen Logik wirklich bemerkenswerte Argumentations-Akrobatik.

Dass die Firma Microsoft inzwischen eine uebermaechtige Marktstellung besitzt, ist unbestritten. Der Grund ist aber kein Naturgesetz, sondern einzig und allein das merkwuerdige und voellig irrationale Kundenverhalten, welches ihr zu dieser Dominanz verholfen hat.

Diese Firma scheint eine unbegrenzte Narrenfreiheit zu besitzen, denn wie sonst waere es zu erklaeren, dass ihr jedes - auch noch so fehlerhafte - Programm foermlich aus den Haenden gerissen wird. Und seit DOS 4.0 ist MS unbestrittener Marktfuehrer bei fehlertraechtigen Programmen. Keine andere Firma, egal in welcher Branche, koennte sich erlauben, was Microsoft goennerhaft und laechelnd nachgesehen wird. Nichtsdestotrotz wird die Tatsache zunehmend ignoriert, dass es zu fast jedem MS-Programm mindestens ein Konkurrenzprodukt gibt, meist weder schlechter noch teurer. Im Gegenteil, aber leider muss eben Microsoft draufstehen, dann wird auch das letzte und unbedeutendste Icon als grosser Fortschritt verkauft.

An der Qualitaet der Produkte kann es also wirklich nicht liegen. Mag sein, dass Microsoft als Lieferant des Betriebssystems MS-DOS eine gewisse Sonderstellung einnimmt. Aber gerade hier gibt es ja das Konkurrenzprodukt OS/2 2.0, das die Relationen etwas geraderuecken koennte. Es ist auf dem Markt, und wie Sie (zaehneknirschend?) selbst zugeben, weit besser als das zweifelhafte MS-Windows. Man braucht OS/2 also nur zu kaufen und einzusetzen, dank der Windowsmania ist ja mittlerweile fast jeder Rechner OS/2- tauglich, und die geliebten altmodischen Programme laufen auch alle bestens. Wem waere damit also geschadet? Dem Benutzer ganz bestimmt nicht! Statt dessen bedauern Sie noch, wenn Programme fuer das bessere Betriebssystem entwickelt werden. Sind nicht die fehlenden OS/2-Anwendungen immer ein Hauptkritikpunkt gewesen? Warten wir also alle lieber auf das fabelhafte Windows NT, auf welches alle jemals gegen OS/2 vorgebrachten Einwaende ebenfalls zutreffen werden (was aber ignoriert werden wird). Wie gesagt, alles voellig irrational.

Mit dem starren Blick auf MS wie das Kaninchen auf die Schlange laesst sich das "Problem" jedenfalls nicht loesen. Allerdings bin ich kein Geschaeftsfuehrer und kenne deshalb auch die tieferen Gruende dieser verwirrten Haltung nicht.

Oder sind es einfach nur die bunteren (NT-)Luftballons und besseren Blendgranaten der Firma MS, die pausenlos auf die Anwender abgefeuert werden und diese in freudige Trance versetzen, jede aufkommende Vernunft sofort paralysierend?

Dann braucht man sich ueber die nicht-vorhandene Bedeutung der deutschen Softwareindustrie im Weltmassstab nicht mehr zu wundern.

PS: Ich bin weder bei Microsoft noch IBM beschaeftigt oder anderweitig mit diesen Firmen verbunden.

H. Steeg, Muenchen