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08.08.1980 - 

Auch andere Leute haben schöne Kurse:

Unbundling Politik verführt zum Vagabundieren

Eigentlich ist die Sache ganz einfach: "Wer uns Maschinen liefert, weiß auch, wie man sie bedient. Also soll er uns auch schulen!" Aus dieser berechtigten Erwartungshaltung entwickelten sich die anfangs kostenlosen Schulungsaktivitäten der Hersteller. Mit reiner Maschinenbedienung und Programmierung kam man als Anwender aber bald schon nicht mehr aus. Komplexe Betriebssysteme, Datenbanken, TP-Monitore und andere Softwareprodukte forderten ihren Tribut an Kenntnissen - und damit an Ausbildung. So ist für die DV-Hersteller ein stetig wachsender Trainingsmarkt entstanden. Und aus der früher wenig geliebten Verpflichtung entstand ein gutes Geschäft.

Durch das "Unbundling" der Preise wurde dem Anwender schließlich sichtbar, daß auch Wissen Geld kostet und vor allem wieviel. Für die Kurse beim Hersteller wurde Geld gesondert berechnet, und diese Kosten erhöhten das EDV-Budget entsprechend.

Sicherlich sind damit einige unnötige Seminarbesuche gebremst worden. Aber der Ausbildungsbedarf als solcher hat in den letzten Jahren ständig zugenommen: Die DV-Lösungen wurden anspruchsvoller und die Software komplizierter. So steigerte sich der Trainingsumsatz der Hersteller mit schöner Automatik.

Heimliche Pfründe

Und die Preise sind nicht gerade bescheiden. So kostet beispielsweise bei IBM ein Tag IMS-Kurs zwischen 360 und rund 500 Mark, was einer Wochengebühr von 1800 bis 2500 Mark entspricht. Im Vergleich dazu: Unabhängige Trainingsunternehmen verlangen heute meistens 300 bis 350 Mark pro Tag. So ergibt sich zum Hardwareumsatz sicherlich noch ein nettes Zubrot.

Ein Anwender kann natürlich die reinen Kursgebühren mit den Ausbildungskosten gleichsetzen. Die Abwesenheit eines teuren Mitarbeiters bedeutet zugleich auch Produktionsausfall. So setzen sich die Gesamtkosten einer Ausbildung zusammen aus:

- Lehrgangsgebühr,

- Reisekosten

- Spesen und Übernachtungskosten,

- Arbeitszeitausfall.

Die Abbildung 1 zeigt die entsprechende Kostenformel. Man erkennt daran, daß ein wesentlicher Kostenfaktor der Arbeitszeitausfall ist, der mit steigenden Personalkosten einen immer größeren Anteil übernehmen wird.

Was Ausbildung kostet

Eine Woche Kurs kostet also zwischen 5000 und 6000 Mark. Aber was ist schon eine Woche bei den heutigen Softwareprodukten und den modernen DV-Verfahren!

Die Ausbildungsdauer wird durch das entsprechende Trainingsprogramm des Herstellers bestimmt. So sind beispielsweise für die IMS-Ausbildung bei IBM pro Mitarbeiter je nach seiner Funktion zwischen drei und sechs Wochen zu veranschlagen grundlegende Kurse nicht mitgerechnet. (Für eine genaue Aufstellung siehe CW vom 11. September 76 "Vergessen Sie die Schulungskosten nicht!") Das ergibt pro Nase zwischen 18 000 und 36 000 Mark an Ausbildungskosten.

Mit der Einführung eines DB/DC-Systems kann ein Unternehmen also recht schnell eine halbe Million Mark nur alleine für die notwendige Ausbildung ausgeben - eine Zahl, die sicher zum Nachdenken anregt.

Die Folgekosten einer einmal gefällten Hardware- oder Software-Entscheidung - und dazu gehören auch die Ausbildungskosten - kann der Anwender kaum beeinflussen, denn die jeweilige produktspezifische Ausbildung ist das Monopol der Hersteller. Gibt es aber nicht auch noch die unabhängigen Trainingsunternehmen? Das ist richtig, doch diese decken meist andere Ausbildungsbereiche ab:

- grundlegendes, neutrales Wissen (Programmiersprachen, DÜ-Technik, Datenorganisation etc.),

- herstellerübergreifende, vergleichende Informationen (Vergleich von Datenbanksystemen, TP-Monitoren etc.),

- DV-Methodik und Verfahrenstechnik.

So ergeben sich zwischen dem Angebot der Hersteller und dem der unabhängigen Institute nicht viele Überschneidungen; es herrscht eher eine friedliche Koexistenz.

Doch in den letzten Jahren haben unabhängige Trainingsunternehmen angefangen, vermehrt auch produktspezifische Ausbildung anzubieten die man bisher nur beim Hersteller erhalten konnte. Woran liegt das?

Der Grund ist darin zu suchen, daß der Ausbildungsbedarf und die Ausbildungsdauer gewaltig gewachsen sind. Entscheidend ist dabei, daß hier nicht einfach die Schulung der Hersteller kopiert wird, sondern daß andere attraktive Ausbildungsgänge angeboten werden, die für die Anwender verlockend sein können.

Natürlich entwickeln sich dort der artige Ausbildungskonzepte, wo es sich um besonders trainingsintensive Produkte handelt. Beispiele hierfür sind:

- IMS/VS,

- VSAM,

- Verfahrenstechnik (IPT).

Hierbei geht es darum, durch eine neue Konzeption des Lehrstoffes, durch Trennung von Wesentlichem und Unwichtigem und durch entsprechende didaktische Aufbereitung einen Ausbildungsgang zu entwickeln, der in kürzerer Zeit zur praktischen Einsatzfähigkeit der Mitarbeiter führt. Und das bedeutet Kosteneinsparung!

Wie kann eine Kostenersparnis erzielt werden? Aus der bereits aufgeführten Formel für Ausbildungskosten (Abbildung 1) läßt sich erkennen, daß ihre Faktoren wenig variabel sind. So ist es beispielsweise recht unerheblich, ob ein Kurstag 300, 350 oder 400 Mark an Lehrgangsgebühr kostet. Die Einsparungsmöglichkeiten umfassen nur wenige hundert Mark.

Der einzige stark kostenwirksame Faktor dagegen ist die Ausbildungsdauer: Wenn es beispielsweise möglich ist, die gleiche Ausbildung in vier statt in sechs Wochen durchzuführen, so beträgt die Einsparungsmöglichkeit rund 12 000 Mark. Nicht eingerechnet sind dabei die Vorteile des schnelleren Einsatzes der neuen Kenntnisse. Es ist also sinnvoller, statt auf die direkten Kosten eines Lehrganges auf das promptere Lernergebnis zu achten.

Als Beispiel für ein solches alternatives Trainingskonzept 5011 hier das IMS/VS-Training (DB/DC)" der GES in Allensbach aufgeführt werden. In einem zweiwöchigen Ausbildungsgang wird das notwendige Wissen über IMS für Datenbank- und Online-Einsatz vermittelt, das ein Systemanalytiker, DV-Organisator oder Organisationsprogrammierer für die tägliche Praxis braucht (Abbildung 2 zeigt die Kursstruktur).

Mit dieser Trainingsalternative werden etwa vier Wochen Herstellerkurse abgedeckt; also eine Reduzierung des Zeitbedarfs auf 50 Prozent. Ein IMS-Trainingstag bei der GES kostet 350 Mark.

Neben Kostenvorteilen durch alternative Konzepte können unabhängige Trainingsunternehmen den Anwendern noch weitere Vorteile bieten:

- Objektivität

Da unabhängige Institute nicht mit dem Produktverkauf liiert sind, können sie objektiver ausbilden. Die Teilnehmer lernen nicht nur die Sonnenseite eines Produktes kennen und können sich so einige Fehler ersparen.

- Selbst erarbeiteter Stoff

Die meisten Referenten stehen mit beiden Beinen in der Praxis und lehren nur zeitweise. Sie beherrschen dadurch den Stoff, den sie vermitteln, und beten nicht das nach, was andere für sie ausgearbeitet haben.

- Praxisorientierung

Aus dem oben genannten Grund ergibt sich, daß die Teilnehmer zusätzlich Tips und "Rezepte" aus der Praxis mitnehmen können.

Sicherlich wird die DV-Ausbildung - speziell die produktbezogene - weiterhin in großem Umfang von den DV-Herstellern, betrieben. Alternative Ausbildungskonzepte aber, die jetzt vermehrt angeboten werden, bieten den Anwendern erwägenswerte Varianten. Vielleicht regen sie auch zum Überdenken ausgefahrener Ausbildungsgänge an: Konkurrenz belebt bekanntlich fast jedes Geschäft.

* Michael Bauer ist Leiter des Bereichs DV-Beratung bei der GES in Allensbach.