Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

13.02.1981 - 

Nachfragedruck erlaubt Polymedia aggressives Marktverhalten auf dem Bildungssektor:

Unbundling und Kundenbindung als Erfolgsrezept

DÜSSELDORF - Die Hamburger Polymedia "mißt dem dramatisch wachsenden Markt des videounterstützten DV-Trainings eine hohe Bedeutung bei". Nils H. Jörgensen, Direktor der Polymedia International und Geschäftsführer der deutschen Tochter-GmbH, erklärte dies anläßlich der diesjährigen "Trainingskonferenz" in Düsseldorf. Polymedia präsentierte rund 180 Teilnehmern - mehrheitlich Anwendervertretern - Referate und Workshops unter dem Generalthema "Argumente für das Mögliche". Außerdem gab es einige Neuigkeiten aus der Polymedia-Produkt- und -Geschäftspolitik.

Die Hamburger Lehrmittelhändler, deren Umsatz im vergangenen Jahr die Zehn-Millionen-Mark-Grenze überschritt, schätzen den in Deutschland in den nächsten Jahren möglichen Markt auf über 100 Millionen (weltweit über 300 Millionen) Mark ein. So ist denn nicht das Erspähen neuer Marktlücken, sondern ein wachstumsgerechter Ausbau der Personalkapazität nach eigenem Eingeständnis eine Hauptsorge der Hamburger.

Partner McGraw-Hill

Aus eben diesem Grunde ist nach ihre Darstellung auch das in Düsseldorf bekanntgegebene Kooperationsabkommen zwischen Polymedia und Edutronics, einer Tochter des New Yorker McGraw-Hill-Konzerns, kurzfristig nicht so sehr auf eine Umsatzausweitung angelegt als vielmehr auf eine Verbreiterung der Geschäftsbasis. Die beiden Vertragspartner bieten durch die Zusammenlegung ihres Vertriebsprogramms jetzt über 2000 Titel für innerbetriebliche DV-Schulung und Verhaltenstraining an.

Auf Produktseite kommt Polymedia ab Herbst '81 mit dem Hard-/Softwaresystem "Edutainer", das den Teachware-Mietern einen ständigen Zugriff auf das gesamte Programmangebot gestatten soll. Diese "Inhouse-Library" besteht aus einem umgebauten VHS-Videokassettengerät, das von einem Videoprozessor gesteuert wird. Die codierten, nur auf dem dedi.... Polymedia-Gerät abspielbaren Kassetten enthalten pro Stück bis zu 99 "Videosequenzen" (kleinste mietbare Unterrichtseinheiten), die direkt angesteuert werden können.

Die Abrechnung nach genutzten Sequenzen erfolgt über eine Mini-Kassette, die allmonatlich an das Polymedia-RZ übersandt und dort ausgewertet wird. Zum Edutainer-Equipment gehört auch ein Bildschirmtext-(BTX-) fähiger Fernseher, der nach der allgemeinen Einführung von BTX als Bestell- und Informationsmedium des Kunden fungieren soll.

Einstweilen beteiligt Polymedia sich an den BTX-Tests in Berlin und Düsseldorf. Aber auch der Nachfolger des Edutainers ist schon bekannt. Es ist eine Kombination aus einem BTX-Gerät mit einer Bildschirmplattenanlage, die von 1984 an den Edutainer ersetzen soll. Arbeitsweise: Nachdem der Kunde per BTX einen Fragenkatalog beantwortet hat, wird über Telefonleitung auf eine Diskette ein seinen Antworten entsprechendes Softwarepaket überspielt, das zum Ansteuern der benötigten Sequenzen auf der Bildplatte dient und danach automatisch gelöscht wird.

Mit diesem Verfahren glaubt Polymedia "Piraterie" verhindern zu können. Synchronisationsproblemen geht Polymedia mit dem in Düsseldorf erstmals vorgestellten PIVT (Polymedia International Video Track) aus dem Weg: PIVT soll die Produktion audiovisuellen Trainingsmaterials in beliebig vielen Sprachversionen ermöglichen. Dafür muß der Lernwillige auf lebendige Bilder verzichten und sich mit tonunterlegten zeichentrickähnlichen Grafiken begnügen.

Um bei der Entwicklung von verhaltenstrainingsprogrammen nicht ohne Know-how dazustehen, hat Polymedia ein Subskriptionsmodell entwickelt, E das die Mithilfe von Unternehmen der Großindustrie (für Probleme mittelgroßer Betriebe auch die von Tochtergesellschaften) sichert. Neben- den beiden (indirekten) Polymedia-Müttern Siemens und Philips gehören beispielsweise AEG, MBB und SEL dazu. Jörgensen merkt in diesem Zusammenhang an daß Polymedia auf Lehrinhalte universitären Ursprungs deshalb nicht zurückgreife, weil die Hochschulverwaltungen hier zu langsam agierten.

Polymedia will im Jahre 1981 den bereits bestehenden über 900 Trainingsbausteinen mehr als 100 neue Bausteine hinzufügen. Sie sollen Bereiche abdecken wie Projektmanagement beim Anlagenbau, Business Computer Graphics oder Verkäufertraining im Versicherungswesen. Neu ist auch die Produktionsplanung und -steuerung mit einem kompletten Curriculum für alle Ebenen. Eine von Polymedia eingerichtete "Trainerakademie" soll betrieblichen Führungskräften pädagogische Fähigkeiten vermitteln.

Über die zu Beginn der Trainigskonferenz abgehaltene Vortragsreihe mit anschließender Podiumsdiskussion unter Moderation von Professor Dr. Ulrich Lohmar wird CW gesondert berichten.