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11.09.1998 - 

Spam bedroht das Vertrauen in die elektronische Post

Unerwünschte E-Mails verursachen hohe Kosten

Werbebroschüren verstopfen den Briefkasten, ihr elektronisches Pendant belegt Speicherplatz, verringert die Bandbreite und reduziert die Effizienz der Mitarbeiter. Der Ausdruck Spam - ein Markenname für Dosenfleisch - wird inzwischen als Synonym für den Mißbrauch des elektronischen Postkanals verwendet. Neben der unerwünschten kommerziellen E-Mail (UCE = Unsolicited Commercial E-Mail) umfaßt der Begriff auch die unerwünschten Massensendungen (UBE = Unsolicited Bulk E-Mail).

Elektronische Werbung läßt für Versender einen Traum wahrwerden, tragen doch ahnungslose Empfänger den Löwenanteil der Kosten. Der Spammer selbst muß in der Regel nur für die Telefonverbindung und die Adreßdatenbanken aufkommen. Er wählt sich über Test-Accounts ins Internet ein und verschickt seine Botschaft gleichzeitig an mehrere tausend Opfer.

Gesicherte Erkenntnisse darüber, was Spam die Unternehmen kostet, sind schwer erhältlich. Genauer quantifizieren lassen sich die Aufwendungen für seine Bekämpfung. Hierzulande tun jedoch viele Firmen das Problem als typisch amerikanisch ab, weil es in Deutschland Gesetze gegen diese Art der Werbung gebe. Ein offensichtlicher Trugschluß, denn auch in Europa ist Spam auf dem Vormarsch, und manche Werbe-Mails erreichen deutsche Internet-Benutzer aus den verschiedenen Regionen der Welt.

Allein für britische und irische Firmen entstünden jährliche Kosten in Höhe von fünf Milliarden Pfund durch unverlangt zugestellte E-Mails, wenn alle Beschäftigten elektronische Post empfangen könnten. Diese Summe errechnete die britische Novell-Niederlassung in einer Studie vom April 1998. Schon jetzt erhielten immerhin 75 Prozent der Onliner bis zu fünf Spam-Mails täglich. Rund 15 Minuten bringe ein jeder von ihnen durchschnittlich pro Tag damit zu, die elektronische Post auszusortieren.

Für ein Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern, die alle über einen Internet-Zugang verfügen, läßt sich so ein täglicher Arbeitszeitausfall von maximal 250 Stunden errechnen. Folglich wären acht Mitarbeiter nur damit beschäftigt, den elektronischen Müll zu trennen. Hinzu kommen die Ausgaben für zusätzlichen Speicherplatz auf dem Mail-Server sowie längere Ladezeiten bei teuren Online-Verbindungen, von der Frustration der Angestellten ganz zu schweigen.

Daß die Novell-Zahlen nicht aus der Luft gegriffen sind, belegt eine Untersuchung der amerikanischen Universität Georgia Tech. In einer Online-Umfrage gaben 70 Prozent der teilnehmenden E-Mail-Anwender zu Protokoll, bereits mit Spam konfrontiert worden zu sein. Europäische User lagen hier gleichauf mit ihren amerikanischen Leidensgenossen.

Auch wenn Anwender noch nicht von Spams belästigt wurden, ist es meist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Briefe eintrudeln. Sogenannte Erntemaschinen durchforsten Newsgroups, Chat-Foren und Web-Sites nach E-Mail-Adressen. Die Datensammlungen werden im Internet angeboten, 10000 Adressen kosten zumeist weniger als 100 Dollar.

Spammer-Tools wie "Floodgate", "Goldrush", "Rapid Fire" oder "Lightning Bolt" verfügen häufig über Adreßsammlungen auf der Installations-CD-ROM. Wer einmal in die Maschinerie geraten ist, findet keine Ruhe mehr. Bieten Spammer die Möglichkeit an, elektronische Anschriften aus der Versandliste zu streichen, ist der gutgläubige Surfer wiederum der Dumme. Die Adresse wird nicht etwa entfernt, sondern gilt lediglich als verifiziert und damit als doppelt so wertvoll.

Häufig gelingt es nicht einmal, den Urheber der Spams ausfindig zu machen. Gefälschte Kopfeinträge in der E-Mail und die Versendung über diverse Relay-Stationen hinweg verschleiern den wahren Absender. Schickt ein aufgebrachter Surfer dann die E-Mail an den vermeintlichen Sender zurück, trifft er meist den Falschen. Der Spammer ist schon längst über alle Berge.

Auch Gesetze bieten nur wenig Unterstützung im Kampf gegen die elektronische Werbeflut. Zwar haben Gerichte in Deutschland, beispielsweise in Traunstein und Berlin, mit einstweiligen Verfügungen auf einheimische Spams reagiert. Kommt der Täter jedoch aus dem Ausland, sind den Rechtsvertretern die Hände gebunden. Eine globale Reglementierung des Internet ist nicht absehbar.

Unternehmen können nicht auf Hilfe von außen hoffen, sie müssen das Spam-Problem selber lösen. Ihnen steht dazu eine gut gefüllte Werkzeugkiste zur Verfügung, mit der die meisten Spams wirkungsvoll abgeblockt werden. Der Markt hält Hard- und Softwarelösungen bereit, ferner verfügen viele E-Mail-Clients über interne Filtermechanismen. Ein Allround-Tool ist allerdings nicht in Sicht, die Entscheidung für eine Lösung hängt jeweils vom Einzelfall ab (siehe Kasten "Erste Hilfe für Spam-Opfer").

Die Hamburger Software-Firma Star Division setzt im Kampf gegen Spams auf eine schwarze Liste. In ihr werden die Absenderadressen von Spammern archiviert, die das Unternehmen mit unerwünschter Post überflutet haben. Die Lösung erfordert regelmäßige Pflege und technische Fertigkeiten. Seit sie jedoch in Betrieb gegangen ist, erreichen laut Star-Division-Sprecher Frank Loehmann kaum noch Spams die Mitarbeiter.

Auch die Internet-Service-Provider (ISPs) gehen massiv gegen E-Mail-Werbung vor. Schließlich sind sie es, die den dadurch gestiegenen Datenverkehr in erster Linie bewältigen müssen. Schätzungen zufolge sind zwischen fünf und 30 Prozent aller übertragenen E-Mails als Spam einzuordnen. Knapp vier Mark sollen die Anti-Spam-Bemühungen pro Kunde im Monat betragen - doch das wahre Ausmaß des Schadens für die Netzgemeinde läßt sich nur schwer in Zahlen fassen.

Das Kommunikationsmedium E-Mail läuft Gefahr, das Vertrauen und die Akzeptanz der Nutzer zu verlieren. Je mehr Datenmüll die elektronischen Briefkästen verstopft, desto weniger sind die Surfer bereit, das neue Medium einzusetzen. Negative Auswirkungen auf die Entwicklung des E-Commerce werden befürchtet. Barbara Dooley, Chefin der amerikanischen ISP-Organisation Commercial Internet Exchange Association (CIX), berichtet von einer Studie, nach der 94 Prozent der Onliner von Spam genervt sind.

So gravierend das Problem auch ist, noch ist die Anzahl der Täter überschaubar. Insider schätzen, daß gegenwärtig weltweit nur einige hundert Menschen hauptberuflich als Spammer arbeiten. Doch am Horizont taucht eine neue Bedrohung für E-Mail-Adressaten auf. Die amerikanische COMPUTERWOCHE-Schwesterpublikation "Network World" berichtet von einer modernen Untergruppe der Massen-Mails, genannt "Propagandaware". Pseudoreligiöse Sekten begeben sich auf virtuelle Kreuzzüge und warnen angesichts des kommenden Jahrtausendwechsels vor dem sicheren Weltuntergang.

Erste Hilfe für Spam-Opfer

Der alte Spruch "Viel Feind, viel Ehr'" gilt nicht für Spammer. Feinde haben sie genug, sie zählen zu den meistgehaßten Menschen im Internet. Spam-geplagte Surfer finden eine Vielzahl von Web-Adressen, die Linderung versprechen. Als erste Anlaufstellen empfehlen sich folgende Sites:

Infos und Links

- Die "Coalition against unsolicited E-Mails": http://www.cauce.org/.

- Weitere Informationen zum Thema: http://spam.abuse.net/.

- Ein Überblick in deutscher Sprache: http://www.uni-siegen.de/security/internet/spam.html.

- Anregungen für ISPs im Kampf gegen Spammer: http://members. xoom.com/sktf/.

- "Das dreckige Dutzend" der geläufigsten Massen-Mails: http://www.ftc.gov/opa/9807/dozen.htm.

- Archiv der unerwünschten Mails: http://www.spam-archive.org/. Dort finden sich auch Links zu Schwarzen Listen.

- Deutsche Gerichtsentscheidungen zu Spam: http://www.netlaw.de/.

Abwehrwaffen

- Der "Spamkiller": http://www.spamkiller.com/.

- Der "E-Mail-Chomper": http://www.sarum.com/.

- Der "Spam Exterminator": http://www.unisyn.com/.

- Der "Cybersitter": http://www.solidoak.com/.

- Der "Interceptor": http://www.grok.co.uk/.

- Der "Spammerslammer": http://www.spammerslammer.com/