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10.12.1982 - 

Nixdorf-System erfüllt erstmals den "1. Collega-Anforderungskatalog":

Ungereimtheiten und Fußangeln im Datenschutz

MÜNCHEN (je) - "Mir wird bange vor dem Begriff des Informationsrechts", meint Professor Dr. Franz-Josef Brenneis vor den über 100 Zuhörern des zwölften Collega-Tags in München. Brenneis setzte sich kritisch mit den Entwicklungen auf dem Gebiet des Datenschutzes auseinander. Collega, die als Interessengemeinschaft zur Förderung der Tätigkeit von Angehörigen der steuer- und rechtsberatenden sowie wirtschaftprüfenden Berufe firmiert, beschloß unter dem Eindruck von Brenneis' Ausführungen und auf Anregung ihres Vorsitzenden Günter Hässel hin, ein spezielles Seminar über die berufsspezifische Datenschutzproblematik zu veranstalten.

Unklarheit kennzeichnet die Situation an der Datenschutzfront, erläuterte Brenneis; gegenüber Vorschriften wie der Zivil- oder der Strafprozeßordnung oder auch berufsständischen Schweigepflichten habe das Datenschutzrecht nur subsidiären Charakter. Zudem fehlten in den Datenschutzbestimmungen des Bundes und der Länder - mit Ausnahme Hamburgs - eindeutige Rechtswegezuweisungen, so daß es immer wieder von neuem zu klären gelte, ob im jeweiligen Fall ein Zivil- oder ein Verwaltungsgericht anzurufen sei. Kritisiert wurde ferner, daß die existierenden Bestimmungen nur beschränkten Schutz böten und nicht nur öffentlichen Stellen, sondern auch einigen privaten Institutionen zu große Freiräume beließen.

Richterscheu vor EDV

Besonders bedauerte Brenneis - und er berief sich dabei auf seine große Erfahrung aus der Mitwirkung in über 200 einschlägigen Prozessen - daß die deutschen Richter ihre Urteile stets nur an Streitpunkten juristischer Qualität aufhängten und DV-technischen Aspekten konsequent auswichen. In Verfahren, die andere Techniken zum Gegenstand hätten - Brenneis nannte hier beispielhaft den Hochbau-, trauten sich die Richter demgegenüber durchweg eine Urteilsfähigkeit zu.

Schlechte Noten gab Brenneis dem geltenden Datenschutzrecht im Hinblick auf seine Benutzerfreundlichkeit. Kanzleien und deren Mandanten hätten es ausgesprochen schwer die für sie relevanten Vorschriften überhaupt erst zu ermitteln. Zwar könnten die Steuerberater derzeit noch weitgehend der Weisheit vertrauen "Wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter"; wenn aber ein Verfahren erst einmal anhängig sei, gehe es in aller Regel um unangenehm hohe Steitwerte und Strafmaße.

Bevor Klaus E. Ruggaber - er ist für das Fraunhofer-Institut und das Rationalisierungskuratorium der Wirtschaft (RKW) tätig - als zweiter Gastreferent den Zuhörern einige Richtlinien für den Erwerb von Kanzlei- und MDT-Systemen an die Hand gab, stellte Präsident Erwin Stein von der Steuerberaterkammer München klar, daß dieses Referat nicht etwa gegen die Datev gerichtet sei. Der Rückgriff auf die Datev-Leistungen sei für den Steuerberater schon deshalb unverzichtbar, weil eine - so Stein - "totale Datenverarbeitung" für ihn aus technischen wie aus preislichen Gründen ein Unding sei. Einleitend meinte Ruggaber, seine Ausführungen seien für die anwesenden Freiberufler nicht nur wegen eines etwaigen Eigenbedarfs Interessant, sondern auch weil die Berater damit rechnen müßten, von vielen der immer noch rund 300 000 potentiellen MDT-Benutzer bei einer Systemauswahl hinzugezogen zu werden.

Drei Kernthesen stellte Ruggaber auf:

- "Das Wichtigste an einer Installation ist die Software."

- "Ein Anwendungspaket, das in drei Stunden geschult ist, kann nichts taugen."

- "Nach Vertragsabschluß werden Sie niemanden finden, der für Sie noch etwas unentgeltlich macht."

Nachdrücklich empfahl Ruggaber den Erwerb von Standardsoftware, auch wenn eine Kanzlei sich in gewisser Form an ein solches Produkt anpassen müsse. Individualsoftware sei nämlich in Erstellung und Änderung um rund das Zehnfache teurer; und die Sicherheit, daß die Programme die an sie zu stellenden Anforderungen erfüllten, sei bei Standardsoftware eher gegeben.

Gallopierende Kosten

Zwischen 30 000 und 80 000 Mark können die Hardwarekosten für ein Kanzleisystem liegen, führte Ruggaber aus; auf Softwareseite seien die Preisunterschiede erheblich geringer. Er rechnete vor, wie der Käufer einer 50 000-Mark-Maschine unversehens mit weiteren 40 000 Mark Folgekosten im ersten Jahr konfrontiert werden kann und auf diese Weise schnell eine Einstiegsinvestition in Höhe von 90 000 Mark erreicht. Solche bösen Erfahrungen, meinte Ruggaber, ließen sich vermeiden, beispielsweise wenn man sich - siehe oben - für Standardsoftware entscheide und Unachtsamkeiten bei der Vertragsschließung vermeide.

Für eine rationale Systemauswahl bedarf es nach Darstellung Ruggabers nicht nur eines umfassenden Anforderungskatalogs und einer Auflistung der quantifizierbaren und nicht quantifizierbaren Nutzeffekte, sondern auch und vor allem der sorgfältig vorbereiteten Visite bei Referenzinstallationen. Um sich über die derzeit rund 100 Modelle - angeboten von 80 Herstellern - am Markt ein Bild machen zu können, ohne zuviel Aufwand dabei zu investieren, regte Ruggaber eine Hilfslösung an:

Eines von jeder Sorte

Man prüfe je ein System aus der Gruppe der Marktführer (Ruggaber: IBM oder Nixdorf, der "klassischen" MDT (Ruggaber: Kienzle, Olivetti, Philips etc.), der Newcomer-MDT (Ruggaber: etwa Fortune oder Onyx, vielleicht auch Burroughs oder Hewlett-Packard), der Personal Computer (Ruggaber: Multiusing-Schwäche dieser Geräte ist zu beachten) und der Turnkey-Systeme (Ruggaber: Positiv ist hier zu vermerken, daß eine Zahlungspflicht erst dann entsteht, wenn das System auch wirklich läuft).

Große Aufmerksamkeit fand die Vorstellung eines Kanzleiorganisationsprogramms auf einem Nixdorf-System 8870/Ungerade. Damit, so wurde auf Seiten der Collega hervorgehoben, seien erstmals die (schon seit langem) im "1. Collega-Anforderungskatalog" aufgeführten Merkmale eines kompletten Kanzleisystems gegeben. Andere Systeme, auf die eine solche Aussage zuträfe, seien der Collega nicht bekannt.