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20.11.1992 - 

Gartner-Analyst liest den Europäern die Leviten

Ungewisse Zukunft für IT-Anbieter aus Europa

MONTE CARLO (ciw) - Die Überlebenschancen der europäischen IT-Hersteller Siemens-Nixdorf, Bull und Olivetti stehen schlecht. Zu hohe Kosten, mangelnde strategische Fokussierung und fehlendes Marketing veranlassen Gartner-Group-Analyst Chuck White zu der Mutmaßung, daß nur einer, bestenfalls zwei Europäer in den nächsten fünf Jahren zu den zehn umsatzstärksten DV-Unternehmen in Europa gehören werden.

In seinem Vortrag auf dem von der Gärtner Group veranstalteten "European Symposium" betonte White, Gärtner Vice-President -Industry Service Group, daß die Kostenstrukturen und die bisherigen strategischen Planungen der europäischen IT-Hersteller eine starke Wettbewerbsposition nicht gerade förderten. Selbst die zunehmende weltweite Schwäche der IBM und ihr Verlust von Marktanteilen in Europa werde wahrscheinlich nicht zu höheren Anteilen der heimischen Lieferanten führen.

"Der heutige Marktanteil der 15 fahrenden Anbieter (zu denen auch Siemens, Olivetti und Group Bull gerechnet werden, d. Red.) wird von 70 Prozent auf unter 60 Prozent fallen. Wir erwarten, daß einige dieser Produzenten durch andere Player ersetzt werden. Wenn nicht radikale Anstrengungen unternommen werden, haben die Europäer am meisten zu leiden." White geht davon aus, daß die drei größten Japanischen IT-Anbieter Fujitsu, Hitachi und NEC die besten Chancen haben, auf dem insgesamt wachsenden europäischen Markt am meisten zuzulegen.

Das Überleben der Europäer hänge laut White nicht nur von der Notwendigkeit zur Kostenreduktion ab.

Wichtig sei auch, wie sie die gewählten Strategien, die alle mehr oder weniger auf offenen Systemen basieren, umsetzen und die resultierenden Produkte ihrer Klientel schmackhaft machen können. "Bull befindet sich auf einer schwierigen Reise", sagte White. Der Restrukturierungsplan stelle den Versuch dar, die Kosten in den Griff zu bekommen und sich gleichzeitig technisch neu auszurichten.

"Die Auswirkungen der Einsparungen werden wahrscheinlich bis 1994 reichen, danach hängt die Verbesserung der Finanzen davon ab, wie erfolgreich Bull sein Distributed Computing Modell und die damit zusammenhängenden Branchenlösungen vermerkten kann." Die, Beteiligung des französischen Staates ist dem Analysten zufolge ein "zweischneidiges Schwert". Auf der einen Seite könne der Konzern durch die Gelder sowohl technische als auch marktpolitische Risiken abdecken. Andererseits könne sich die staatliche Beteiligung bei angestrebten Allianzen oder Fusionen störend auswirken.

Siemens-Nixdorf geht schweren Zeiten entgegen, vermutet White. Die nach der Fusion verfolgte Strategie "Es bleibt alles beim alten" sei nicht dazu angetan, die Probleme zu lösen, die Nixdorf in finanzielle Schwierigkeiten gestürzt haben. "Wir gehen davon aus, daß SNI langsamer wachsen wird als der Markt", prophezeite er. Da das Siemens-Management nicht mehr sehr lange bereit sei, die Finanzsituation der SNI zu tolerieren, glaubt der Gartner-Mann, daß Fujitsu sich gegen Ende der Dekade die Mehrheit an SNI sichern wird.

Die ICL ist der einzige europäische Player, den die Gartner-Group bereits heute für die Zukunft gut gerüstet sieht: "Wir glauben, daß ICL zusammen mit Fujitsu durch die Konzentration auf Systeme aus Standardkomponenten und eine serviceorientierte Business-Strategie wieder wachsen kann." Allerdings müßten die Briten ihre Open-Framework-Strategie konzentrierter verfolgen, damit sie zu neuen Plänen von Fujitsu paßt.

Olivetti hingegen, so White, werde auf absehbare Zeit nicht in die Gewinnzone gelangen. Die Gründe dafür sieht er einerseits in den weiter dramatisch sinkenden Margen für PCs und andererseits in den "konfusen Botschaften", die die Italiener an ihre Kunden senden. Die Gartner-Group rechnet damit, daß die De-Benedetti-Company sich in den nächsten zwei Jahren auf das Geschäft mit Commodity-PCs und Office-Equipment konzentrieren wird. "In diesem Geschäft sind die Margen nur hauchdünn, und Erfolg wird sich für Olivetti nur dann einstellen, wenn das Unternehmen das Vertrauen seiner Händler und Distributoren wiedererlangt", meinte der Analyst.