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15.04.1988 - 

Karlsruhe integriert DOS, VMSP und VMS in schnellem LAN:

Uni-Netz verbindet IBM- und DEC-Rechnerwelt

KARLSRUHE (bi) - Der Prototyp eines "heterogenen" Campus-Netzwerkes samt 70 darauf basierenden Anwendungen wurde jetzt von der Universität Karlsruhe und der IBM anläßlich des Abschlusses des gemeinsamen Forschungsprojekts "Hector" (heterogenous computer together) vorgestellt.

Heterogen in Hector bedeutet konkret: IBM-PCs unter DOS, VAX-Rechner unter VMS und Hosts der /370-Reihe unter VM/SP.

Das bislang größte Forschungsprojekt, das die Universität Karlsruhe gemeinsam mit einem Industrieunternehmen durchführte, wie Rektor Professor Heinz Kuhnle hervorhob lief über vier Jahre, wurde vom Land Baden-Württemberg mit 3 Millionen und von IBM, wie die Projektleitung durchblicken ließ, mit zirka 30 Million Mark gefördert. Die Hochschule brachte neben ihrer Infrastruktur DE-Equipment und kontinuierlich weiter ausgebaute Glasfaserstrecken mit ein. Technologische Basisprojekte und Anwendungsentwicklung wurden parallel durchgezogen mit dem Ergebnis, daß, aufsetzend auf einem schnellen, heterogenen LAN (Token Ring und Ethernet), jetzt innerhalb eines Gebäudes 70 neue Anwendungen aus 12 Fakultäten einem Kongreßpublikum von 600 Teilnehmern demonstriert werden konnten.

Herausragende Ergebnisse im Hinblick auf künftige Standards dürften jedoch in erster Linie die Grundlagenprojekte erbracht haben. Wie die IBMer versicherten, sind die Forschungsergebnisse, die zunächst einmal nur das und VM/SP sowie die DEC-Welt integrieren, auch auf andere Hersteller- respektive Betriebssystem-Umgebungen übertragbar. Die Karlsruher Professoren berichteten über Nachfragen von Nixdorf und Siemens, die ebenfalls Hector-Testbett-Installationen auf dem Karlsruher Campus vornehmen wollten. Interesse hätten insgesamt bereits 15 Besuchergruppen bekundet.

Anders als beim US-amerikanischen Parallelprojekt Athena, das am M.I.T. durchgeführt wird, war das Ziel der europäischen Hector-Forscher, die "Herstellerindividualität" des Einzelsystems zu erhalten - unter anderem wegen der Möglichkeit der weiteren Nutzung von Betriebs- und deren jeweiliger Anwendungssoftware.

Diese Vorgaben soll der in Karlsruhe bereits für PC DOS, VM/CMS und Vax VMS realisierte Prototyp des Netzbetriebssystems "Dacnos" (Distributed Academic Computing Network Operating System) erfüllen; Anpassungen an BS/2 und Unix hätten bereits begonnen. Von besonderem Interesse dürfte das Dacnos-Interface RSC (Remote Service Call) für den einheitlichen Fernzugriff auf unterschiedliche Systeme beziehungsweise Netzknoten sein. Ferner sollten international anerkannte oder in der Normierung befindliche Standards verwendet werden.

Die erwähnte Karlsruher Betriebssystem-Umgebung (DOS, VM/SP und VMS)

- sowie die unterschiedlichen Netztechnologien mit diversen Übertragungsgeschwindigkeiten für Ethernet (10 Mbits/s), IBM Token Ring (4 Mbit/s) und Datex-P (9,6 kbit/s)

- einschließlich der unterschiedlichen Übertragungsmedien, wie Kupfer- und Koaxialkabel und Lichtwellenleiter, sollte einen auf OSI basierenden Datentransportdienst erhalten. Hierfür waren die beteiligten Rechner um zahlreiche Funktionen zu erweitern. Entwickelt wurden rechnergestützte Koppelsysteme (InterWorking Units = IWU). Ziel war eine universelle Lösung.

Zwei Tools, das Testsystem "Kate" (Karlsruher Testsystem) und "Netmon" (Network Monitor) waren zum Beweis für die geleisteten "erheblichen Forschungsanstrengungen" in Karlsruhe aufgebaut. Gezeigt wurde Protokollverträglichkeit sowohl zwischen den beiden Implementierungen auf der IBM 4361 und dem PC als auch mit dem DEC-Produkt "Vots" ( = Vax OSI).

Ein anwendungsübergreifendes Informations- und Orientierungssystem, das BFS (Benutzerführungssystem), soll eventuelle Beratungslücken schließen helfen. BFS wurde auf einer 4381 implementiert und soll von allen Rechnernetzen der Universität aus abrufbar sein. Es entspricht, so die Demonstratoren, der Projektanforderung nach einem wissensbasierten System.

Außerdem sollte ein Datenbankverwaltungssystem entwickelt werden, das objektorientierte DB-Leistungen in integrierten "Computer Aided Manufacturing (CAM)"-Anwendungen übernimmt. Gezeigt wurde R²D²: ein relationales Robotik-Datenbanksystem.

Geleitet wurde das Gesamtprojekt von den Karlsruher Professoren Gerhard Krüger und A. Schreiner sowie auf Seiten der IBM von Bernd Krause. Krüger, der der IBM "auch schon eine gute Heterogenität" einräumte, faßte als ein zentrales Ziel von Hector - neben seiner Ausbildungskomponente - zusammen: "Ziel von Hector war es, die Heterogenität mit systemtechnischen Mitteln und einheitlichen Architekturkonzepten so beherrschbar zu machen, daß der einzelne Benutzer mit Rechner-, Software- und Netzkomponenten unterschiedlicher Art arbeiten kann, ohne sich die technologiespezifischen Kenntnisse der jeweils benutzten Systeme aneignen zu müssen." Schreiner, verantwortlich für den Anwendungsteil, betonte, Ziel von Forschungsprojekten könne nur sein, Lösungsprinzipien herauszuarbeiten und Prototypen zu entwickeln, die die prinzipielle Funktionsfähigkeit beweisen.