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02.05.1975 - 

Französische Regierung entscheidet über Fusion Compagnie Internationale pour l'InformatiqueHoneywell Bull

Unidata ohne C.I.I.?

PARIS - In der französischen Regierung herrscht Uneinigkeit über die Zukunft der französischen und damit auch der europäischen Datenverarbeitungs-Industrie.

Nach monatelangen Gerüchten sind in diesen Tagen im Kabinett Entscheidungen zu fällen, die auch Auswirkungen auf die Bundesrepublik, insbesondere auf das Haus Siemens haben. Die entscheidende Frage: Verbleibt die Compagnie Internationale pour l' Informatique in der Unidata oder fusioniert sie mit Honeywell Bull?

Ministerpräsident Valery Giscard d'Estaing und Industrieminister Michel d'Ornano gelten als Befürworter eines Fusionsplanes, der in erster Linie von der Compagnie Generale d'Electricite, einem der beiden Aktionäre der C.I.I. betrieben wird. Danach ist vorgesehen, daß zunächst die Compagnie Honeywell Bull "französisch" wird (zuständig für den Honeywell-Vertrieb in Europa - ohne England und Italien - und Südamerika, mit Produktionsstätten in Frankreich).

Zur Zeit haben die amerikanische Honeywell Information Systems 66 Prozent und die französische Compagnie des Machines Bull 34 Prozent Anteile. Honeywell ist jedoch bereit, 17 Prozent des Aktienkapitals für 50 Millionen Dollar an die Compagnie des Machines Bull abzutreten, womit diese 51 Prozent erhielte. Die dafür erforderlichen 210 Millionen Francs sollen durch den französischen Staat und die CGE aufgebracht werden, die beide auch direkte und indirekte Geldgeber der C.I.I. sind.

Politique francaise

Die Absichtserklärung einer Fusion zwischen CHB und C.I.I. ist laut "Le Monde" bereits von CGE und Honeywell Inc. unterzeichnet worden. Es fragt sich nur, ob der französische Staat mitmacht.

Denn der Fusionsplan sieht zudem vor: das Personal der C.I.I. soll bis 1978 um 1000 Personen auf 4000 Mitarbeiter reduziert werden. Der Staat soll bis 1978 Subventionen in Höhe von 1,2 Milliarden Francs gewähren und außerdem bis 1978 Staatsaufträge in der beträchtlichen Höhe von 3,73 Milliarden Francs garantieren.

Der Präsident und sein Industrieminister sollen sich gegen die endgültige Unterzeichnung des Unidata-Vertrages ausgesprochen haben mit der Begründung, daß die beiden Partner Siemens und Philips ein zu starkes technisches und produktives Übergewicht hätten. Sie wollen die "französische Lösung" einer nationalen Industrie. Aber politisch rechts stehende Kreise um Premierminister Jacques Chirac warnen vor diesem Weg, weil sie eine Kolonialisierung des französischen Computer-Sektors durch die Amerikaner wahrscheinlich macht. Sachverständige weisen darauf hin, daß Honeywell-Produkte den Vertrieb einer solchen Fusions-Gesellschaft beherrschen würde. Die C.I.I.-Iris-Anlagen seien passe, die für die Unidata neu entwickelten Großrechner (Oberklasse der Unidata-7000-Serie) sind noch nicht in Produktion und würden gegen starke Honeywell-Großsysteme konkurrieren.

Sanierung auf Staatskosten?

Aus Sicht der Gesner dieses Planes, - die unterstellen, hier werde Politik um der Gloire francaise willen und ohne Sachverstand gemacht, - sieht der Plan dann auch aus, als ob Honeywell Bull sich auf diese Weise durch erhebliche staatliche Subventionen und Abnahmen-Garantien gesundstoßen wolle, denn vorher hat die Firma ja keinerlei staatliche Unterstützung erhalten.

Zu den exponierten Vertretern der europäischen Lösung eines Verbleibens der C.I.I. im Unidata-Verbund werden Außenminister Sauvagnarques und Finanzminister Jean-Pierre Foucarde gezählt. Foucarde warnt vor den finanziellen Konsequenzen des C.I.I./CHB-Plans. Die Gesamtkosten für den Staat könnten sich innerhalb von vier Jahren leicht auf 2,5 Milliarden Francs belaufen. Außerdem müsse mit Schadenersatz-Ansprüchen der Unidata-Partner gerechnet werden. Der Außenminister warnt aus politischen Gründen. Ein solcher französischer Affront gegen die BRD und die Niederlande hätte katastrophale Auswirkungen auf die Europa-Politik.

Vor einer endgültigen Entscheidung will Staatspräsident Giscard d'Estaing erneut Emmissäre in Bonn und Den Haag yorstellig werden lassen, die die Regierungen jetzt davon überzeugen sollen, daß eine Fusion C.I.I./Honeywell Bull mit einem Verbleiben der Gruppe in der Unidata verträglich sein werde.