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01.03.1991 - 

Sparc-Clones und CD-ROMS in Dallas\

Uniforum: Produktvielfalt löst den Unix Dauerstreit ab

Vom 22. bis 24. Januar 1991 öffnete im texanischen Dallas die diesjährige Uniforum ihre Tore. Mit spektakulären Ereignissen konnte die Branche nicht aufwerten. Dafür bestätigten sich eine Reihe von Trends, die sich in den Vorjahren abgezeichnet haben. Technologien, die gestern noch als exotisch galten, finden sich mittlerweile mit großer Selbstverständlichkeit in Produkten wieder. Eitel Dignatz* hat sich in Dallas für die COMPUTERWOCHE umgesehen.

Etwa 300 Aussteller, 50 mehr als auf der letzjährigen Veranstaltung in Washington, zeigten in Dallas mit ihren Exponaten, daß Unix mittlerweile nicht mehr als Außenseiter-Betriebssystem abgetan werden kann. Verstummt sind auch die"Unixis-nix"-Kommentatoren, die an eine kommerzielle Zukunft dieses Systems lange Zeit nicht so recht glauben mochten. Statt dessen, so scheint es, haben sie schon immer gewußt, daß Unix im speziellen und offene Systeme im allgemeinen das Rennen machen werden.

Der Krieg im Irak und arabische Terrordrohungen gegen Fluggesellschaften haben Aussteller und Besucher offensichtlich nicht davon abgehalten, den Flug nach Dallas anzutreten. Nur einige wenige Aussteller hatten kurzfristig die Teilnahme abgesagt, darunter ein britisches Unternehmen und die kalifornische Frame Technology, Hersteller des DTP-Produktes "Framemaker".

Wie auch in den vergangenen zwei Jahren setzte sich auf Herstellerseite die Tendenz fort, sowohl Präsentationen als auch die Exponate eher marketingmäßig aufzupeppen, als technische Fakten in den Vordergrund zu stellen. Der positive Aspekt dieser Entwicklung liegt fraglos darin, daß der potentielle Unix-Erstanwender auf seinem Streifzug durch die Ausstellung nicht mehr wie früher mit technischem Kauderwelsch bombardiert wurde. Wer aber vom Standpersonal Auskünfte über technische Details erwartete, war an vielen Ständen bei den gestalten Herren vom Vertrieb eher an der falschen Adresse. Nur Hersteller, die ihre Wurzeln im technisch-wissenschaftlichen Bereich haben, leisteten sich geschultes Standpersonal, das allerdings manchmal nur mit Mühe ausfindig zu machen war.

Brandneue, bis dato völlig unerwartete Trends gibt es zwar nicht zu vermeiden. Das reichhaltige Produktangebot in den Bereichen X-Terminals, grafische Benutzerschnittstellen, CD-ROMS, Multimedia-fähige Hard- und Software sowie bei den Sparcstation-Clones bestätigte eher die bestehenden Trends.

Die grafikfähigen X-Terminals waren - ähnlich wie im letzten Jahr - nicht nur allerorten zu sehen, sondern sie bestachen auch durch eine schier unglaubliche Modellvielfalt und durch deutlich niedrigere Preise im Vergleich zum Vorjahr. Zum Preisverfall hat jedoch nicht nur die zunehmende Anzahl der Anbieter und Modellvarianten beigetragen, sondern vor allem auch die stark gesunkenen Preise im Low-end-Workstation-Markt.

Anwender, die einen Arbeitsplatz mit schneller, hochauflösender Grafik brauchen, haben die Wahl zwischen einem X-Terminal und dem Kauf einer Workstation, die obendrein Applikationen selbst abarbeiten kann. Das X-Terminal ist zwar in der Anschaffung günstiger, verfügt jedoch über keine eigene Rechenleistung. Es verbraucht deshalb - irgendwo im Netz - Rechenleistung auf einem Applikationsserver und belastet zusätzlich das LAN.

Der Preisvergleich zwischen einer Sparcstation IPC, die in den USA samt Platte und Farbgrafik für weniger als 10 000 Dollar zu haben ist, und einer X-Terminal-Lösung wird so manchen DV-Planer erkennen lassen, daß letztere oft nur auf den ersten Blick als die preiswertere Lösung erscheint.

Wenngleich grafische Benutzeroberflächen (GUls) wie Motif oder Open Look in diesem Jahr als Selbstverständlichkeit galten, war die Palette der Anwenderpakete, die unter diesen GUls lief, bei weitem nicht so breit, wie man nach dem Marketing-Getrommel der Hersteller eigentlich vermuten müßte. Gegenwärtig scheint jedoch Suns Sparc-Plattform mit Open Look über die meisten Anwendungen zu verfügen - obwohl auch hier noch Wünsche offen bleiben.

Kein Thema indes war die Frage "Motif oder Open Look". Wer die Benutzeroberfläche nicht mag, die ihm "sein" Hersteller liefert, der kann im Regelfall das jeweils andere GUI-Produkt zu einem Spottpreis kaufen. Wie nicht anders zu erwarten war, versuchen sowohl das OSF-, als auch das Unix-International-Lager, die eigene Benutzeroberfläche auch den Anwendern der Gegenseite schmackhaft zu machen und die eigene GUI dadurch möglichst stark zu verbreiten.

Softwarehersteller portieren ihre Produkte typischerweise auf beide Benutzeroberflächen. Schließlich wollen sie nicht auf das falsche Pferd setzen. Außerdem wissen sie zu schätzen, daß sich der Markt für ihr Produkt unter beiden GUls verdoppelt.

Vor ein oder zwei Jahren wurde hierzulande noch als Phantast belächelt, wer voraussagte, daß CD-ROM-Laufwerke sich bei Unix-Workstations ebenso rasch verbreiten würden wie Festplattenlaufwerke bei PCs. Doch das blasierte Lächeln weicht mittlerweile der Erkenntnis, daß CD-ROM-Laufwerke besonders im Workstation-Markt kräftig auf dem Vormarsch sind.

Einer der Hersteller, die sich besonders für den Einsatz von CD-ROM-Laufwerken stark machen, ist Sun Microsystems. Bereits vor rund einem Jahr erklärte President und Geschäftsführer Scott McNealy auf einer

Konferenz von Sun-Anwender-Gruppen, man werde in naher Zukunft sowohl Betriebssystem als auch Dokumentation nur noch auf CD ausliefern. Doch längst nicht alle Sun-Anwender, deren Rechner den Anschluß von CD-ROM-Laufwerken unterstützen, mochten umsteigen.

Die Skepsis gegen diese Distributionsform, die man auch hierzulande beim Sun-Administratoren-Meeting im Frühjahr 1990 deutlich spürte, konterte Ludwig Bezold, Abteilungsleiter Zentrale Unterstützung bei Sun, seinerzeit mit der Bemerkung: "Wenn Sie wirklich, kein CDROM-Laufwerk kaufen wollen, dann werden wir Ihnen eben ein unwiderstehliches Angebot machen!" In der Zwischenzeit ist dieses Versprechen eingelöst worden, denn zumindest Wartungsvertragskunden können ein derartiges Laufwerk für weniger als 1000 Mark erwerben.

Nicht nur Sun versucht, seine Kunden für CD-ROM-Laufwerke zu begeistern. Auch Interactive Systems, neuerdings Hauptvermarkter von Unix V.4 (SVR4) für Intels 386er- und 486er-Plattformen, ließ erkennen, daß sie diese Technologie mit Macht verbreiten wollen. Die Kostenvorteile dieser Distributionsform seien so überzeugend, daß man Anfang 1992 bei Interactive das Betriebssystem auf CD-ROM und möglicherweise zusammen mit einem Laufwerk sozusagen im Zweierpack verkaufen wird.

Auch die Vermarkter von Unix-Anwendersoftware haben die Zeichen der Zeit erkannt. So liefert Highland Software aus dem kalifornischen Palo Alto an ausgewählte Anwender gratis eine "Software-Store"-CD, die sowohl interaktive Demos von Softwarepaketen enthält, als auch die Software selbst samt zugehöriger Dokumentation. Die Software ist allerdings verschlüsselt und kann vom Anwender erst nach dem Kauf genutzt werden.

Wer beim Ausprobieren der Demos Appetit auf ein bestimmtes Softwarepaket bekommt, kann telefonisch kaufen: Der Käufer ruft den nächsten Händler an, nennt ihm seine Kreditkartennummer, und der Händler teilt ihm dafür im Gegenzug das Kennwort zum Entschlüsseln der Software mit, die der Anwender sofort nutzen kann.

Software-Store-CDs sollen ab März für DEC-, HP- und Sun-Rechner ausgeliefert werden, wobei vierteljährliche Updates vorgesehen sind. Auf DEC- und HP-Systemen wird Motif als grafische Benutzerschnittstelle verwendet, während der Anwender auf Sun-Workstations die Wahl zwischen Motif und Open Look hat.

Ein weiterer Schritt auf dem Weg zu Low-cost-Multimedia-Applikationen auf Workstations ist Videopix, eine S-Bus-Karte für Sparcstations und Kompatible, die PAL- oder NTSC,-Videobilder digitalisiert. Die so erzeugten Farbbilder werden in einem Fenster auf dem Workstation-Bildschirm dargestellt. Als (Farb-) Bildquelle dienen Videokameras, Camcorder, Videorecorder, Fernsehgeräte oder Satelliten-Tuner.

Der Digitizer erzeugt 30 Bilder pro Sekunde. Je nach Rechnerleistung und Größe des Video-Fensters auf dem Bildschirm können aber nur drei bis fünf Bilder pro Sekunde dargestellt werden. Diese Einschränkung ergibt sich daraus, daß die Wandlung vom Videosignal zur Bitmap auf der S-Bus-Karte hardwaremäßig erfolgt, die Darstellung auf dem Bildschirm aber per Software.

Der Clou: Hard- und Software für 895 Dollar

Mit der Anwendersoftware, die unter Open -Windows 2.0 läuft, kann der Anwender die Bilder in verschiedenen Formaten als Datei ablegen. Derzeit lassen sich Dateien im Sun-Raster-, TIFF-, Postscript- und Encapsulated-Postscript-Format erzeugen, die wiederum von Desktop-Publishing- oder Spreadsheet-Paketen importiert werden können.

Der Clou dieser Lösung besteht darin, daß Hard- und Software zusammen nur 895 Dollar kosten und gleichzeitig von bis zu vier Anwendern im Netz genutzt werden können. Das Produkt soll ab Februar weltweit ausgeliefert werden.

Nicht zu übersehen war die Vielzahl der Sparc-Rechner. Nachdem Sparc-Chips von fünf Halbleiterherstellern produziert werden (Fujitsu, BIT, Cypress, LSI Logic und Matra), tauchen nun immer mehr Clones auf. Neben Sparc-Oldtimer Solbourne und ICL stellten auch Opus, Solarix und Tatung Sparc-Produkte vor.