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Positive Bilanz eineinhalb Jahre nach der Integrata-Übernahme


10.12.1999 - 

Unilog strebt in die Topliga der IT-Dienstleister

MÜNCHEN (CW) - Ehrgeizige Ziele Ziele hat sich die Unilog S.A. gesteckt: Der französische IT-Consulting-Konzern, der vor eineinhalb Jahren das deutsche Schulungs- und Beratungsunternehmen Integrata AG mehrheitlich übernahm, möchte sich mittelfristig unter den Top Ten der Branche etablieren. Realisiert werden soll dies durch eigenes Wachstum sowie die weitere Internationalisierung.

Daß entgegen landläufiger Meinung deutsch-französische Partnerschaften in der Wirtschaft doch funktionieren, ist eine der Botschaften, die Gérard Gallen, Vorstandsmitglied der Unilog S.A., gerne unter die Leute bringt. Oft sei es, so der Unilog-Manager im Gespräch mit der CW, immer noch einfacher, das in den Köpfen vieler Zeitgenossen verankerte "Klischee von der deutsch-französischen Feindschaft" zu bemühen. Trotz negativer Beispiele, durch die besagte Kritiker bestätigt wurden, ist sein Unternehmen jedenfalls vor 18 Monaten angetreten, die IT-Branche vom Gegenteil zu überzeugen. Im Juli 1998 hat Unilog rund 90 Prozent der Integrata AG, Tübingen, übernommen - ein Deal, der seinerzeit für Aufsehen gesorgt hatte.

Vorausgegangen waren unruhige Zeiten bei Integrata - insbesondere aufgrund der jahrelang schwächelnden Consulting-Division der Schwaben, die weit hinter das erfolgreiche, bei der Integrata Training AG angesiedelte Schulungsgeschäft zurückgefallen war. In einer turbulenten Hauptversammlung hatte sich dann die Mehrheit der Aktionäre (Mitarbeiter sowie die Gründer des Unternehmens) für den vom Management favorisierten Verkauf an Unilog ausgeprochen. Durch die Internationalisierung im IT-Consulting sowie die zunehmende Komplexität entsprechender Projekte war ein Anforderungsprofil entstanden, das die Integrata Unternehmensberatung GmbH mangels kritischer Masse immer häufiger nicht mehr erfüllen konnte, hieß es damals unverblümt.

Heute, eineinhalb Jahre später, sind die Schwachstellen nach Angaben von Geschäftsführer Martin Löchner allerdings weitgehend ausgemerzt. "Wir haben uns für die Integration in die Unilog-Gruppe gegenseitig viel Zeit genommen", pflichtet der Integrata-Verantwortliche seinem Vorgesetzten bei. Oft seien die "Franzosen dabei sogar gründlicher und damit deutscher als die Deutschen gewesen". Die Gründe für die erfolgreiche Restrukturierung liegen Löchner zufolge auf der Hand: Die zum Zeitpunkt des Unilog-Einstiegs bei der Integrata Unternehmensberatung eingeleitete Umstellung des Vertriebs von einer regionalen auf eine branchenorientierte Ausrichtung (Industrie, Handel, öffentliche Verwaltung sowie Finanzdienstleister) trägt Früchte. Zudem sei man von der Konzernmutter bei der Stärkung des "umfassenden Projektgeschäfts" unterstützt worden.

Integrata verstehe sich mehr denn je als Generalunternehmer, der den Kunden die gesamte Servicepalette von der Beratung, Implementierung bis hin zur Wartung und (durch die Schwestergesellschaft Integrata Training) Schulungen anbietet. Themenschwerpunkte der Integrata Unternehmensberatung seien nach wie vor die Bereiche SAP, Software-Integration und Application-Maintenance. Vor allem die letztgenannten Aktivitäten, die derzeit nur rund zehn Prozent zum Umsatz beitragen, sollen um ein Vielfaches erweitert werden. "Wartung ist mehr als nur ein Abfallgeschäft", betont Löchner mit Blick auf die in vielen Fällen lukrativen Folgeprojekte. Behilflich bei dieser Strategie soll den Schwaben auch ein von der Konzernmutter entwickeltes Modul namens "Temprato" sein - eine Art Rahmenvertrag, mit dem man in Zukunft große Maintenance-Projekte an Land ziehen möchte. "Temprato" sieht dabei ein Vorgehen in vier Phasen vor: Audit und Diagnose, kontrollierte Wartungsübergabe an Integrata, Wartung und Pflege der jeweiligen Anwendung sowie zu einem späteren Zeitpunkt gegebenenfalls die Rückübertragung der Anwendungswartung an das betreffende Unternehmen.

Die jüngsten Geschäftszahlen scheinen den Managern recht zu geben. Nach rund 91 Millionen Mark Umsatz im vergangenen Jahr und einem, wie es vor Jahresfrist hieß, deutlich positiven Ergebnis ist auch im laufenden Fiskaljahr bei der Integrata Unternehmensberatung ein ordentliches Plus zu erwarten. Der Umsatz werde sich allerdings, so Löchner, in etwa auf Vorjahresniveau bewegen. Man habe aufgrund der in den zurückliegenden Jahren meist rot gefärbten Bilanz "mehr Wert auf ein verhaltenes, aber dafür profitables Wachstum gelegt".

Das könnte sich aber, nachdem jetzt die internen Hausaufgaben erledigt sind, nachhaltig ändern. Man wolle, so Löchner, in Zukunft mindestens so stark wie der Markt insgesamt zulegen - also jährlich zwischen zehn und zwölf Prozent. Unilog-Vorstand Gallen deutet zudem an, daß sein Konzern in absehbarer Zeit mit einem weiteren spektakulären Deal für Schlagzeilen sorgen könnte. Erklärtes Ziel sei es, Unilog binnen der kommenden fünf bis acht Jahre unter den Top Ten der IT-Service- und Beratungshäuser zu etablieren. Das bedeutet, daß neben dem Standbein Integrata eine weitere erfolgreiche Dependance beziehungsweise Tochter im Ausland entstehen muß.

Ähnlich wie die Deutschen haben sich auch die Franzosen von der individuellen Projektarbeit zum Re-Engineering ganzer Geschäftsprozesse hochgearbeitet. Im Geschäftsjahr 1998 haben sie einen Umsatz von 559 Millionen Mark erzielt; konkurrieren in ihrem Heimatmarkt vor allem mit Cap Gemini und der Sema Group. Auch aus den Ländern, in denen man sich nach interessanten Übernahmeobjekten umschaue, machte Gallen kein Geheimnis: England und vielleicht noch einmal Deutschland. Die Finanzierung eines weiteren Mergers sei jedenfalls - egal ob bar oder per Aktientausch - "kein Problem".