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26.06.1998 - 

Neue Informatikstudiengänge

Unis ködern IT-Studenten mit neuem Fächerangebot

Zum kommenden Wintersemester bietet der Fachbereich Informatik der Universität Kaiserslautern erstmals den Diplomstudiengang Angewandte Informatik an. Kennzeichnend für dieses Angebot ist die Ausbildung in Fächern der klassischen Informatik in Kombination mit sogenannten Vertiefungen, technischen Anwendungsrichtungen, die sich an der späteren Berufspraxis orientieren.

Große Softwaresysteme und als Bausteine vielfältig verwendbare Componentware seien dabei ebenso von Bedeutung wie "reaktive Systeme", die auf Ereignisse aus der Umgebung spontan und zeitgerecht reagieren, so Bernd Bunke, Professor an der Fakultät für Informatik. Kaiserslautern bietet hierzu die beiden Vertiefungen "Betriebliche Informationssysteme und "Eingebettete Systeme" an.

Mit ihrem neuen Studienangebot reagiere die Hochschule zwar auf Forderungen aus der Industrie nach "Absolventen eines anwendungsorientierten, interdisziplinären Studiums". Dennoch seien die Ausbildungsinhalte langfristig ausgelegt und folgten nicht nur Modeströmungen innerhalb der prognostizierten Berufsfelder. Gelehrt werden unter anderem die Entwicklung großer und komplexer Softwaresysteme mit modernen Software-Engineering-Methoden sowie aktuelle Trends in den Anwendungen in Kombination mit dauerhaften wissenschaftlichen Grundlagen und Inhalten aus Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften.

Ähnlich strukturiert ist die angewandte Informatik an der Technischen Universität Chemnitz. Allerdings bieten die Chemnitzer vier Vertiefungsrichtungen an:

-Eingebettete Systeme,

-Informations- und Kommunikationssysteme,

-Konstruktions- und Produktionstechnik sowie

-Angewandte Chemie.

Hinzu kommen als nichttechnische Fächer betriebswirtschaftliche Grundlagen und Organisation, soziale Kompetenzen, Kommunikation und Marktorientierung, außerdem ist ein 15wöchiges Betriebspraktikum zu absolvieren.

Nach erfolgreicher Diplomarbeit schließt das neunsemestrige Studium in Chemnitz mit dem akademischen Grad des Diplominformatikers ab. Auch die Chemnitzer betonen den berufsnahen Aspekt ihres Ausbildungsangebots. Produkte wie Fahrzeuge, Maschinen und Anlagen seien ohne integrierte informationsverarbeitende Systeme undenkbar. Margitta Pippig von der Fakultät für Informatik sieht in der "Entwicklung, Vermarktung und Pflege solcher anwendungsorientierter Systeme" ein "bedeutendes Einsatzfeld für Informatiker".

Computervisualistik in Koblenz-Landau

Ob es um Fingerabdrücke für Sicherheitssysteme geht, automatisierte Fahrzeugleitsysteme, die Auswertung von Computertomografien oder Bilder von Wettersatelliten: Studenten, die den an der Universität Koblenz-Landau zum Wintersemester 1998/99 angebotenen Studiengang Computervisualistik absolvieren, werden nach Einschätzung von Lutz Priese, Professor vom Fachbereich Informatik, "ausgezeichnete Berufsperspektiven" haben. Sie würden in den Arbeitsbereichen gefragt sein, in denen es um die Entwicklung, den Aufbau, den Vertrieb und die Benutzung von Softwaresystemen geht.

Neben Koblenz-Landau bietet nur noch die Universität Magdeburg (seit 1996) den interdisziplinär ausgerichteten Studiengang aus dem Bereich der anwendungsorientierten Informatik an. In Magdeburg schließen die Studenten als Diplomingenieur, in Koblenz-Landau als Diplominformatiker ab. Gelehrt wird der "Umgang mit Visuellem" wie Rechnersehen, Computergrafik und Multimedia. Im Mittelpunkt der Ausbildung stehen die Bereiche Bildverarbeitung, grafische Benutzeroberflächen und Darstellungsgrafiken sowie Animationen, automatische Bildanalyse und Interpretation.

Auf diesem zukunftsträchtigen Feld zu arbeiten verlange nicht nur "eine andere Gewichtung und informatikinterne Ausweitung der traditionellen Studieninhalte, sondern die Ergänzung um Themen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften", heißt es aus Koblenz. So gehören zu den Studieninhalten der Visualisten von morgen nicht nur Progammiersprachen, algorithmische Geometrie, mathematische und elektrotechnische Grundlagen, sondern auch "Lernen mit Multimedia-Systemen", "Psychische Prozesse beim Verstehen von Bildern" oder Medienphilosophie. In Magdeburg vermittelt man mit Blick auf die Medizininformatik allgemeinmedizinische Grundkenntnisse.

Medieninformatik in Tübingen und Ulm

Weil der künftige Bedarf an Informatikern bei elektronischen Medien, dem digitalen Fernsehen, Multimedia und Filmindustrie das bisherige Angebot an Arbeitskräften weit übersteigen wird, bietet die Universität Tübingen seit dem Wintersemester 1997/98 im Studiengang Informatik das Vertiefungsfach Medieninformatik an. Das Studienangebot legt den Schwerpunkt auf die Bereiche Grafik und Multimedia-Technik. Hinzu kommen fächerübergreifend Medienwissenschaft und Medienpraxis. Das Nebenfach Medientechnik und -gestaltung in der Informatik gibt es seit einem Jahr auch an der Universität Ulm.

Einen neuen Vorstoß wagt die Technische Universität Dresden seit einem Jahr mit dem internationalen Magisterstudienprogramm Computational Logic, das vom Bundesbildungsministerium (BMBF) gefördert wird. Bewerben können sich Studierende mit einem Bachelor's degree in Computer Science oder Informatiker mit einem Vordiplom nach dem sechsten Semester. Absolventen des viersemestrigen Studiengangs erhalten zum deutschen akademischen Grad des Diplominformatikers auch den internationalen Master of Science in Computational Logic. Unterrichtssprache ist Englisch.

Aufbauend auf einem soliden Wissen in mathematischer Logik, Computerwissenschaften und künstlicher Intelligenz lernen die Studierenden in Dresden insbesondere die technischen Aspekte rechnerischer Logik. Sie erfahren zum Beispiel, wie ein deduktives System funktioniert, welche logikbasierte Grammatik verwendet werden kann, um eine natürliche Sprache in Gang zu bringen, und wie Techniken zur Verifizierung von Soft- und Hardware in der Industrie angewendet werden können.

Auch in Dresden werden als wichtiger Grund für das neue Studienangebot die zu erwartenden guten Jobperspektiven genannt. Die Industrie suche rege nach Experten auf diesem Gebiet. Die enorme Komplexität heutiger Soft- und Hardwaresysteme erfordere dringend formale Methoden, wie sie die Computerlinguistik liefern kann, um diese Systeme zu managen, ist sich Steffen Hölldobler, Professor an der Informatikfakultät, sicher.

Bioinformatik in Tübingen und Bielefeld

Bereits an der Universität Bielefeld erprobt, gibt es nun auch an der Fakultät für Informatik der Universität Tübingen zum Wintersemester 1998/99 den neuen Studiengang Bioinformatik. Auch hier werden gute Berufsaussichten prognostiziert. Große pharmazeutische und gentechnische Firmen bauen zur Zeit ihre Bioinformatikabteilungen auf. Moderne Forschung in Biologie, Chemie und Pharmazie findet in immer höherem Maße unter Einsatz von Computern statt, wie etwa bei der Simulation chemischer Prozesse, Visualisierung von Strukturen oder Untersuchung der Struktur von Gensequenzen.

Künftige Diplominformatiker können sich in Tübingen auf die vier Anwendungsschwerpunkte Molekularbiologie, Neurobiologie, Chemie oder Pharmazie spezialisieren. Außerdem sind einige Vorlesungen aus Informatik und Mathematik im Hinblick auf die besonderen Erfordernisse der Bioinformatik neu konzipiert worden. Fragen der ethischen Haltung künftiger Wissenschaftler stehen ebenfalls auf dem Studienplan.

Informationswirtschaft heißt der seit dem Wintersemester 1997/98 erprobte Studiengang, den die Fakultäten für Informatik und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Karlsruhe gemeinsam anbieten. Die Studierenden lernen, Informationsflüsse und -produkte zu erkennen, gestalten und bewerten sowie wirtschaftlich zu nutzen. Künftige Informationswirte verfügen über Kenntnisse aus den Gebieten Informatik, Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften. Ein Bedarf an Absolventen des neuen Studiengangs besteht in Unternehmen jeglicher Art und öffentlichen Verwaltungen, wo sie beispielsweise als Informa- tionsmakler agieren.

Kontakte

Universität Bielefeld, Universitätsstraße 25, 33615 Bielefeld, Prof. Dr. Robert Giegerich, Telefax 05 21/106 64 11, E-Mail: robert techfak.uni-bielefeld.de

Technische Universität Chemnitz, Fakultät für Informatik, Margitta Pippig, 09107 Chemnitz, Straße der Nationen 62, Telefon 03 71/ 531-13 63, margitta.pippiginformatik.tu-chemnitz.de

Technische Universität Dresden, Fakultät Informatik, Dr. G. Eichler Hans-Grundig-Straße 25, 01307 Dresden, Telefon 03 51/463 83 17, Telefax 03 51/463 83 73, E-Mail: ge3irz.inf.tu-dresden.de

Universität Kaiserslautern, Fachbereich Informatik, Postfach 3049, 67653 Kaiserslautern, Telefon 06 31/205 25 54, Telefax 06 31/ 205 26 45, E-Mail: fbinforminformatik.uni-kl.de, Internet: http://www.informatik.uni-kl.de

Universität Karlsruhe, Zentrum für Information und Beratung, Karlstraße 40, 76133 Karlsruhe, Telefon 07 21/608 49 30, E-Mail: zibzib.uni-karlsruhe.de

Universität Koblenz-Landau, Prof. Dr. Lutz Priese, Isaac-Fulda-Allee 3, 55124 Mainz, Telefon 06131/ 374 60-34, E-Mail: prieseuni-koblenz.de.

Universität Magdeburg, Dr. Jörg Schirra, Postfach 4120, 39016 Magdeburg, Telefon 0391/ 67-11431, E-Mail: Joergisg.cs. uni-magdeburg.de

Universität Tübingen, R. Klein, 72076 Tübingen, Auf der Mor- genstelle 10, Telefon 07071/ 29-7 54 62, E-Mail: reinhardgris.uni-tuebingen.de

Fakultät für Informatik, Dekanat, Sand 13, 72076 Tübingen, Tele- fon 070 71/29 7 70 46, E-Mail: dekanatinformatik.uni-tuebingen.de

Universität Ulm, Prof. Michael Weber, Albert-Einstein-Ring, 89073 Ulm, Telefon 0731/502 41 43, Telefax 0731/502 41 42, E-Mail: weberinformatik.uni-ulm.de.

Angelika Fritsche und Veronika Renkes sind freie Journalistinnen in Bonn.