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22.10.1982 - 

Die DV-Landschaft an den deutschen Universitäten hat sich geändert:

Unis wollen bei DV-lnnovationon mitmischen

Einst war die EDV ein produktionsorientierter Markt. Vom Hersteller vorgegebene Hardware und auch Software bestimmte das Nutzungsausmaß des Anwenders - ein für den Hersteller bequemer Weg. Mit mehr Etablierung der EDV zur Wissenschaft hin wird der Hersteller heute, will er am Ball bleiben, gezwungen, den Neuerungen und Erkenntnissen einer "Außenwelt" mehr denn je Rechnung zu tragen.

Inzwischen können mit wachsender Leistungsfähigkeit Probleme angegangen werden, deren Lösung sich den bis dato vorhandenen Möglichkeiten völlig entzog. Verkehrstechnik, Plasmaphysik, Astronomie, Ingenieurwesen sind einige exponierte Gebiete, wo in den vergangenen Jahren neue wissenschaftliche Aufgabengebiete erschlossen werden konnten. Mit der DV-mäßigen Lösung des Vierfarbenproblems hielt vor kurzem die DV sogar erstmalig Einzug in die mathematische Beweisführung.

Heute ist es gerade 20 Jahre her, da hielt die EDV in Form von Universalrechnern Einzug in den deutschen Universitäten. Es entstanden die ersten zentralen Universitätsrechenzentren. Meist eine Maschine der (damaligen) oberen Leistungsklasse befriedigte die EDV-Bedürfnisse einer ganzen Universität. Neben den ersten verwaltungstechnischen Aufgaben waren es anfangs kaum mehr als Lösungen numerisch-mathematischer Probleme, über die die EDV Einzug in die Universitätslandschaft hielt.

Der Computer war ein etwas exotisch anmutendes interessantes Werkzeug, dessen wissenschaftlicher Aspekt im Sinne von Forschung und Lehre sich auf das Gebiet der Elektrotechnik und Elektronik beschränkte. Innovation und Entwicklung waren Sache der Hersteller, die Hardware bestimmte die Bewertungsskala; für jede Problemlösung "erfand" man sein eigenes neues Programm.

Trotz Integration immer neuer Anwendungsgebiete beschränkte sich der Blick über die Grenzen der eigenen Universität auf einen allgemeinen Erfahrungsaustausch.

Informatik wurde erst spät selbständig

Durch RJE- und Terminalbetrieb hielt die EDV erst langsam Einzug in die einzelnen Institute, sieht man von reinen Prozeßrechneranwendungen einmal ab. Nach anfänglichen Gehversuchen in Form einer Einbettung in das Studium der E-Technik bzw. als Teilmenge der Kybernetik hat sich die Informatik erst sehr spät zu einem eigenen Hochschulstudium entwickelt.

Ende der 70er Jahre erst begann sich dann die EDV-Landschaft an den deutschen Universitäten aufgrund sprunghaft ansteigender quantitativer als auch qualitativer Anforderungen zu wandeln.

Aufgrund des steigenden Resourcenbedarfs vieler Institute, jeweils einhergehend mit den für die einzelnen Fakultäten repräsentativen Anwedungsprofilen, wurden sogenannte Super-Minis als Institutsrechner installiert, um spezifische Aufgaben parallel zum jeweiligen Zentralrechner zu lösen. Dies führte zwangsläufig zur Erschließung neuer Applikationen, so daß auch der denzentrale Bedarf stark wuchs.

Durch diesen Bedarfsanstieg, unterstützt durch den Hardwarepreisverfall, sind aus den anfänglichen Minis zum Teil schon Einstiegsmodelle von Großrechnerserien geworden, deren Leistungsfähigkeit den Zentralrechner von einst schon um ein Vielfaches übersteigt. Dabei ist das Investitionsvolumen für den einzelnen Rechner sogar noch gesunken. Derzeitigen Beschaffungen zufolge werden Institutsrechner innerhalb eines Preisrahmens von 0,5 - 1 Million Mark beantragt.

Ungeachtet der Entlastung durch die Institutsrechner werden zur Deckung des Bedarfs der Universitätsrechenzentren Anlagen der absolut obersten Leistungsklasse benötigt. CPU-Leistungen von über 10 MIPS werden bereits als Minimalkriterien formuliert. Benutzeradreßräume von über 16 Megabyte sind zum K.O.-Kriterium geworden.

Einige technischorientierte Hochschulen liebäugeln bereits mit eigenen Vektorrechnern. Zunächst zwar nur zur Deckung des Bedarfs mehrerer Universitäten werden sogenannte Landesvektorrechner der Größenordnung 80 - 200 Mega-FLOPS eingesetzt.

Mit den wachsenden Möglichkeiten der Datenfernübertragung (HDLC, Datex-P, X.25) wird in immer stärkerem Maße Rechnerkommunikation zwischen einzelnen Universitäten betrieben.

Über Forschungsprojekte versuchen Universitäten und Hersteller Wege zur Realisierung verteilter Netze zu beschreiten. Über Verbindungen zu anderen Universitäten ist der Benutzer wie auch der Betreiber in der Lage, den jeweiligen Leistungsanforderungen dediziert Rechnung zu tragen.

Die Beteiligung an Industriemessen ist nur ein Symptom für das Begehren der heutigen Universitäten, Forschung auch unter dem Aspekt der Zusammenarbeit mit entsprechenden Industrieunternehmen zu verstehen.

Die EDV als Kommunikationsbrücke, gegenseitiger Austausch von technisch-wissenschaftlichen Programmen bis hin zur allgemeinen Vermarktung von Software an die Industrie sind heute keine Seltenheit mehr. Andererseits werden heute Forschungsprojekte zur Entwicklung von Hard- und Software von den Herstellern an die Universitäten vergeben.

Innovation auf dem Feld der EDV ist längst nicht mehr nur noch eine Aufgabe des Herstellers. Es gibt heute kaum noch eine Universität, die nicht auf diesem oder jenem Spezialgebiet der Datenverarbeitung die Entwicklung direkt oder indirekt mitbeeinflußt.

* Werner Maus ist Senior Vertriebsrepräsentant bei der Sperry Univac