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17.05.1991 - 

Stimmen zur Übernahmen von NCR durch AT&T

Unisys: AT&T plus NCR sind soviel wie NCR allem

MÜNCHEN (gfh) - Nach langem Tauziehen ist der Merger von AT&T und NCR nun unter Dach und Fach. Wird sich der Konzernneuzugang für den bisher im DV-Bereich nicht sehr erfolgreichen Telefonriesen auszahlen? Sind überhaupt Auswirkungen auf den DV-Markt zu erwarten? Zu diesen Fragen hat die COMPUTERWOCHE Stimmen von Marktbeobachtern, Mitbewerbern und Unix-Organisationen eingeholt.

Mitbewerber:

Sowohl die Sprecher von der IBM als auch von der Siemens-Nixdorf Informationsysteme AG wollten sich nicht zu dem Thema äußern. Ihre Begründung: Wir sprechen nicht über Mitbewerber.

Unisys Deutschland GmbH, Edmund Hain, Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit:

Im DV-Markt war AT&T in Deutschland praktisch nicht präsent. Deshalb stellt sich für Unisys die Situation nach der Übernahme in Deutschland wie folgt dar: AT&T plus NCR ergibt soviel wie vorher NCR allein.

Wir erwarten allerdings, daß die Produktlinien beider Unternehmen gestrafft und aufeinander abgestimmt werden. " Da NCR sich schon vor der Übernahme auf Unix ausgerichtet hat, verfügen AT&T und NCR, jetzt über eine ausgezeichnete Produktpalette für das Unix von AT&T. Diese Tatsache könnte durchaus auf einen Wettbewerbsvorteil in Sachen Unix hinauslaufen. Parallelfälle sehe ich bei Microsoft und Intel, die in ihrem jeweiligen Segment eine quasi marktbeherrschende Stellung einnehmen.

Marktbeobachter:

Gerhard Adler, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Diebold Deutschland GmbH:

Die Übernahme von NCR durch AT&T läßt sich aus mehreren Perspektiven betrachten:

Aus der Sicht von AT&T ist es nach mehreren nicht ganz erfolgreich verlaufenen eigenen Versuchen sicher eine der letzten Chancen, im Computermarkt präsent zu sein. Mit NCR hat AT&T einen kompetenten Hersteller mit langjähriger internationaler Erfahrung erworben.

Aus der Sicht von NCR bedeutet die Übernahme einerseits eine Einschränkung der Handlungsfreiheit, andererseits erhält das Unternehmen einen kapitalstarken Hauptaktionär, der ein langfristiges Überleben wahrscheinlicher macht. Auf alle Fälle haben die NCR-Aktionäre von der Fusion profitiert.

Für die europäische Computerindustrie ist diese Entwicklung bedauerlich, weil nun keine Hoffnung mehr besteht, über die Achse NCR eine europäisch-amerikanische Allianz zu schaffen.

Die europäischen Anwender werden von der Übernahme zu, nächst nur wenig spüren, weil AT&T in Europa bisher kaum präsent war. langfristig können aus der neuen Verbindung interessante Produktinnovationen erwachsen.

Erik Hargesheimer,

Geschäftsführender Gesellschafter der Beratungsgesellschaft Management Services, Bad Homburg:

Angesichts der Untergangsstimmung in der amerikanischen und europäischen Computer AT&T zu bewundern, sich einen solch großen Brocken mitten aus der krisengeschüttelten DV-Szene einzuverleiben. Doch die "Telecom-Amerikaner" sind schon seit langem vom Ehrgeiz getrieben, sich eine Plattform im DV-Markt gegen den Erzrivalen IBM zu verschaffen. Allerdings waren außer dem Unix-Engagement alle bisherigen Versuche nicht gerade von Erfolg gekrönt.

Der AT&T-Konzern wird trotz oder gerade wegen seiner Größe erst noch beweisen müssen, daß er die Spielregeln der DV-Zunft beherrscht. Der Rat, dem NCR-Management auch nach der Übernahme das Geschäft zu überlassen scheint angebracht. Auch " sollte sich der Telecom-Riese von seiner IBM- Rivalität nicht den Blick für die japanischen Aktivitäten verstellen lassen. Dort liegt die eigentliche Gefahr, aber auch die größere Herausforderung.

Das derzeitige Hauptproblem scheint mir "hausgemacht". Frühere Fusionen haben gezeigt: Feindliche Übernahmen hinterlassen schwer heilende Wunden. Wie AT&T den hierfür notwendigen Heilungsprozeß bewältigt, entscheidet wesentlich Über Erfolg oder Mißerfolg dieses "Deals des Jahres". Geschäfte werden letztlich von Menschen gemacht. Das sollte auch im Wildwest-Szenario der amerikanischen Börsenwelt nicht in Vergessenheit geraten.

Frank-Michael Fischer,

freier Unternehmensberater in Gauting bei München:

NCR zeichnet sich im Vergleich zu anderen großen Herstellern durch einen sehr hohen Anteil sowohl im internationalen Geschäft als auch beim Service aus. Auf diesen beiden Feldern gibt es kaum einen gegensätzlicheren als AT&T. Computeranbieter als AT&T. Somit wird AT&T wohl endlich Somit wird einen deutlichen Schritt in Richtung internationaler Anbieter tun aber wohl nicht mehr als AT&T am Welt-computermarkt entscheinen. Dort bietet der Name NCR weit bessere Chancen. Ob das aber auch im Hauptquartier von AT&T, einer bis aufs Mark amerikanischen Firma, so gesehen wird, bleibt fraglich.

Unix-Organisationen:

Unix International,

Scott Hansen, Managing Direktor:

Wir freuen uns sehr über diesen Schritt. Beide Unternehmen sind Principal Members von Unix International und setzen sich intensiv für offene Systeme ein. Von dem Merger erwarten wir vor allem einen Schub zugunsten von Unix System V.4. NCR wird AT&T wahrscheinlich einige Türen im Markt für offene Systeme Öffnen, während umgekehrt NCR von den Erfahrungen des Telefonkonzerns im Bereich Kommunikation profitieren kann.

Einen konkreten Einfluß auf die Unix-Entwicklung sehen wir nicht, da sich die Betriebssystem-Entwickler von der USL durch den Verkauf von Firmenanteilen zunehmend von AT&T abnabeln.

Open Software Foundation (OSF),

Hans Josef Jeanrond, OSF-Regionaldirektor European Operations:

NCR ist nicht nur Mitglied bei Unix International, sondern auch bei uns. Bisher zeigte das Unternehmen großes Interesse all den OSF-Technologien wie Motif- und DCE. Wir gehen erst einmal davon aus, daß das so bleibt. Es wäre Pure Spekulation zu erwarten, daß die Übernahme durch AT&T daran etwas ändert (siehe auch Seiten 9 und 86).