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09.04.2004 - 

Mainframes mit neuem Kostenmodell vorgestellt

Unisys bietet Anwendern mehr Power

MÜNCHEN (ls) - Unisys bietet Anwendern des proprietären Betriebssystems "MCP" neue Großrechner in der oberen und mittleren Leistungsklasse an. Dabei führt der Anbieter ein nutzungsbezogenes Abrechnungsmodell ein.

Drei neue Server bilden dem Namen nach die Produktfamilie "Clearpath Plus Libra 500", nämlich die Modelle 590, 580 und 520. In Wirklichkeit aber sind die ersten beiden in der Hardware identisch. Der Libra 590 unterscheidet sich vom Typ 580 nur durch seine Software.

Vier Prozessoren im Block

Der Libra 580 ist ein Rack-Modul mit 4U Normbauhöhe, was 17,6 Zentimetern entspricht. Auf dem Board arbeiten immer vier CMOS-Prozessoren des Typs "SSA27 Pegasus", den Unisys entwickelt hat und IBM herstellt. Der Hauptspeicher ist von 4 auf 96 GB ausbaubar. Zwei solcher CPU-Blöcke lassen sich direkt zu einer einzigen Acht-Wege-Maschine miteinander verbinden. Der Anschluss weiterer CPU-Module ist nur in Form eines Clusters möglich. Neun PCI-Slots stehen zur Verfügung, wobei die externe Kommunikation über die "Clearpath Network Appliance" läuft. Man kann das System auch mit optionalen Modulen erweitern, die mit Intels Xeon- oder Itanium-2-Prozessoren ausgestattet sind und mit den Enterprise- oder Datacenter-Varianten von Windows Server 2003 arbeiten.

Bruno Billeter, Clearpath-Program-Manager bei Unisys, klassifiziert die Libra 580 als "Highend-Server". Denn immerhin kommt ein CPU-Block auf eine Leistung von 1400 Mips. Zwei gekoppelte Module bringen es auf 2000 Mips. Damit arbeiten die MCP-Systeme etwa in der Klasse der Server "Clearpath CS 7xxx", die mit 32 Prozessoren 2400 Mips erreichen, aber für das Betriebssystem "OS2200" konzipiert sind.

Die vier CPUs sind nicht zwangsläufig alle zugeschaltet. Minimum ist eine CPU, deren Leistung sich schrittweise auf 385 Mips erhöhen lässt, bevor der nächste Schritt in der Freischaltung weiterer Prozessoren eines Blocks erfolgt. Bei der Libra 580 bestimmt die vorher per Software-Key freigeschaltete Leistung die monatlichen Systemkosten. Dieses Modell ist von der "Libra 185" bekannt als "Metered Performance Provisioning". Dies hat den Nachteil, dass eine für einen bestimmten Zeitraum freigeschaltete Leistung auch dann zu bezahlen ist, wenn sie nicht ausgeschöpft wird.

Anders ist es bei der Libra 590: In ihr arbeitet eine neue "Utilization Sentinel Software". Über eine im Basiskontrakt eingeschlossene Größe hinaus gibt sie sofort so viel Leistung frei, wie gerade gebraucht wird. Dabei lässt sich dieser "Boost" auch limitieren, um beispielsweise zu verhindern, dass ein nächtlicher Batch-Job in drei Stunden abläuft, obwohl man dafür sechs Stunden Zeit hat. Die Messung der bezogenen Leistung ist die Grundlage für das neue Lizenzierungsmodell "Pay for Use". Unisys wirbt, mit diesem Modell werde die Libra 590 um 20 bis 30 Prozent kostengünstiger arbeiten.

Noch vor Ende dieses Jahres soll es die Utilization Sentinel Software und die Pay-for-Use-Lizenz auch für das neue Midrange-Modell Libra 520 geben. Dieser ebenfalls 4U hohe Rack-Server arbeitet auch mit vier CPUs. Allerdings handelt es sich dabei um Intels Pentium 4 Xeon MP, die das Modul auf eine Gesamtleistung von 300 Mips bringen. Das verwendete Betriebssystem ist "Virtual MCP", bei dem MCP auf einen Windows-Kernel aufgesetzt ist. Gegenüber den Anwendungen verhält es sich wie ein natives MCP.

Damit haben sich seit geraumer Zeit kursierende Spekulationen, Unisys könnte ein zumindest in Partitionen Linux-fähiges System herausbringen, wieder einmal nicht bestätigt. Theoretisch könnte das quelloffene Betriebssystem auf den Intel-basierenden Modulen laufen, sie wären dann aber separate Rechner. Doch Clearpath-Manager Billeter winkt ab: "Unsere Kunden beschäftigen sich mit MCP und nicht mit Linux."

Open-Source-Flirt

Allerdings redet der Microsoft-treue Anbieter neuerdings immerhin von "offener" und "OpenSource-Software". Gemeint ist damit allerdings der J2EE-Applikations-Server "Jboss", der bis Ende dieses Jahres auf den Libra 500 laufen soll. Möglich wird dieses dadurch, dass Unisys J2EE auf das MCP-Betriebssystem gebracht hat. Damit lassen sich mit Java geschriebene Programme nativ auf den MCP-Maschinen ausführen. Billeter: "Wir möchten den Vorteil anbieten, dass neue Java-Applikationen auf bestehende Datenbanken zugreifen und Services von Cobol-Anwendungen nutzen können."

Exakte Preise bestimmter Libra-500-Konfigurationen sind noch nicht bekannt. Die Maschinen sollen 300000 bis 1,8 Millionen Dollar kosten. Auch eine Beispielrechnung für das Pay-for-Use-Modell hat Unisys noch nicht auf den Tisch gelegt. (ls)