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02.02.2001 - 

PC-Geschäft endgültig ad acta gelegt

Unisys: IT-Dienstleister mit Hardwareabteilung

MÜNCHEN (CW) - Obwohl der vor allem als Mainframe-Spezialist bekannte Anbieter Unisys Corp. Umsätze in Milliardenhöhe erzielt, kommt er nicht recht aus seinem Schattendasein heraus. Nach einer Schlankheitskur im vergangenen Jahr wagt die Company nun einen weiteren Vorstoß und präsentiert sich einmal mehr als globale E-Business-Company.

Dass die Umstrukturierung kräftig auf das Geschäftsergebnis drücken würde, war von Marktbeobachtern erwartet worden. So kam es, dass Unisys mit seinem vergangene Woche präsentierten Umsatz und Gewinnrückgang dennoch mit einem blauen Auge an den Finanzmärkten davonkam. Übers Jahr war der Umsatz von 7,54 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 6,89 Milliarden Dollar gesunken, der Nettogewinn schrumpfte von 500,8 Millionen auf 334,3 Millionen Dollar. Konzernchef Lawrence Weinbach gab sich dennoch gelassen. Er rechne zwar auch in den ersten zwei Quartalen 2001 mit einem verhaltenem Wachstum, doch verantwortlich dafür sei nicht die Performance seines Unternehmens, sondern die nachlassende US-Konjunktur. Diese habe sich bereits gegen Jahresende bemerkbar gemacht, unter den Kunden sei eine deutliche Zurückhaltung zu spüren gewesen. Immerhin sei es Unisys gelungen, die letzten drei Monate mit einem Ergebnis abzuschließen, das im Rahmen der Erwartungen blieb. Dennoch musste Unisys auch in der tradionell stärksten Schlussphase des Geschäftsjahres einen Umsatzrückgang um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 1,93 Milliarden Dollar ausweisen. Der Quartalsgewinn sank von 144,4 Millionen auf 128,6 Millionen Dollar.

Hierzulande konnte Unisys noch keine endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2000 vorlegen, doch Deutschland-Chef Ulrich Müller und sein Finanzchef Robert Menk gehen davon aus, dass sich der Umsatz von 248 Millionen Mark im Geschäftsjahr 2000 um mindestens 35 Prozent erhöht hat. Auch der Jahresüberschuss (1999: sieben Millionen Mark) soll "im oberen einstelligen Bereich weiterwachsen". Im Gegensatz zum amerikanischen Mutterhaus bleibt Müller auch für das laufende Jahr optimistisch und glaubt an "ein starkes erstes Halbjahr". Nach seinen Worten liegt das Potenzial von Unisys vor allem darin, Unternehmen bei der Umstellung auf das E-Business zu unterstützen und ihre Legacy-Systeme an die neuen Herausforderungen anzupassen.

Das Traditionsunternehmen, das 1986 aus dem Zusammenschluss der Mainframe-Anbieter Sperry und Burroughs entstanden war, machte zuletzt Anfang der 90er Jahre Schlagzeilen. Der ehemalige Firmenchef und Ex-US-Finanzminister Michael Blumenthal hatte die Firma auf Pump zu einem unüberschaubaren Konzern mit einem administrativen Wasserkopf aufgebläht und hinterließ seinem Nachfolger James Unruh einen Schuldenberg von über zwei Milliarden Dollar. Bis 1997 war Unruh damit beschäftigt, das Unternehmen, das sich einst auf die Fahnen geschrieben hatte, Branchenführer IBM herauszufordern, wieder auf Kurs zu bringen. In dieser Phase schrumpfte die Zahl der Konzernmitarbeiter von über 98000 auf 38000; Unisys wurde hinter vorgehaltener Hand bereits als Übernahmekandidat gehandelt. Doch Unruh gelang die Kehrtwende, unter seiner Regie stieß Unisys verlustträchtige Geschäftsbereiche ab und verschob den Fokus des Unternehmens vom Mainframe weg zum Enterprise-Server- und Dienstleistungs-Spezialisten hin. Als er 1997 seinen Posten für den heutigen Firmenchef Weinbach freimachte, steuerten die Service-Aktivitäten mit 4,2 Milliarden Dollar bereits 63 Prozent zum Umsatz bei.

Die Schilderung der Unisys-Historie ist insofern bedeutsam, als die alten Probleme offenbar auch die neuen sind. Der von CEO Weinbach bereits Ende 1998 verkündete Turnaround ist jedenfalls noch nicht geschafft. Zwar konnte Unisys im vergangenen Geschäftsjahr den Dienstleistungsanteil am Gesamtumsatz noch einmal auf 72 Prozent erhöhen, doch wiederum sorgte das Unternehmen für Gesprächsstoff, indem es weitere zahlreiche Entlassungen und neue Umstrukturierungen ankündigte. Die weltweit rund 2000 Mitarbeiter, die davon betroffen waren und entlassen beziehungsweise in den Vorruhestand geschickt wurden, arbeiteten vorwiegend im Bereich Auslieferung und Hardwaretechnik und sollen nun durch junge Mitarbeiter, vor allem Berater und Vertriebsleute, ersetzt werden.

Gleichzeitig wurde das Produktportfolio heftig ausgedünnt - unter anderem hat sich Unisys nach jahrelangem Hin und Her nun endlich entschlossen, sich von seinem unprofitablen PC-Geschäft zu trennen. Bereits 1998 hatte sich die Firma aus der Herstellung von PCs verabschiedet und ließ diese von HP als Original Equipment Manufacturer (OEM) produzieren. Künftig werde es jedoch keine Rechner mit Unisys-Label mehr geben, hieß es nun.

Erklärtes Ziel ist es, innerhalb der nächsten zwei Jahre 75 Prozent der Einnahmen im Bereich Services zu erzielen. Bereits im vergangenen Jahr zählte die Company zu den zehn größten IT-Dienstleistern weltweit. Die Stärke der Company liegt Experten zufolge neben dem Outsourcing vor allem im Netz-Management und in der Systemintegration.

Gleichzeitig bemüht man sich jedoch weiterhin, dem Ruf als Technikanbieter gerecht zu werden. Das jüngste Produkt, die Server-Serie ES 7000, ausgestattet mit dem 64-Bit-Itanium-Prozessor von Intel, zielt vor allem auf Unternehmen, die ihr traditionelles Geschäft ins E-Business integrieren müssen. Mit HP, Compaq, Hitachi, ICL und Dell hat Unisys bereits fünf Partner gefunden, die den Server unter ihrem Namen vermarkten wollen.

Abb: Mit rund zehn Prozent am Umsatzanteil für Dienstleistungen ist die Verlagsbranche der kleinste Unisys-Geschäftsbereich. Die restlichen 90 Prozent werden zu gleichen Teilen in den anderen Märkten verdient. Quelle: Unisys