Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.06.1991 - 

Schuldenabbau läuft - Analysten bewerten Maßnahme als Notverkauf

Unisys macht Timeplex zu Geld - bislang größter Asset-Verkauf

BLUE BELL (CW) - Ihrem Ziel, im laufenden Geschäftsjahr 600 Millionen Dollar Schulden abzubauen, ist die Unisys Corp. ein Stück näher gekommen: Der Verkauf der Netz-Division Timeplex Inc. bedeutet aber auch die Trennung von einem Juwel des krisengeschüttelten DV- und Rüstungsherstellers, meinen Analysten.

Unisys' Deal mit einem Konsortium, bestehend aus der Schweizer TK-Holding Ascom und der südafrikanischen Mercedes Information Technology, erhöht den Pegel der Konzernkasse um 207 Millionen Dollar in bar. Vor drei Jahren hatte Unisys Timeplex-Aktien im damaligen Börsenwert von 330 Millionen Dollar gekauft. Dennoch, so die Darstellung eines Unternehmenssprechers, verursache der Verkauf keinen Verlust, weil der Buchwert der Division seit der Übernahme 1988 von 125 auf zirka 200 Millionen Dollar angewachsen sei. Die Transaktion soll Ende August 1991 abgeschlossen sein.

Timeplex mit Sitz in Woodcliff Lake/New Jersey stellt LAN-Systeme zur Übertragung von Sprache, Daten und Videobildern her. Der letzte Jahresumsatz der Division betrug rund eine Viertel Milliarde Dollar. Eine Marketing-Vereinbarung mit Timeplex, so James A. Unruh, Chairman und Chief Executive Officer von Unisys, werde das verlustgeplagte Unternehmen jedoch auch künftig in die Lage versetzen, den Kunden die gleichen Netzprodukte und -dienste wie bisher anzubieten.

Mit dem Timeplex-Ertrag würden sich die Erträge aus Aktiva-Verkäufen der Unisys Corp. im Geschäftsjahr 1991 auf über eine halbe Milliarde Dollar summieren.

Vor drei Wochen brachte der Verkauf von Forderungen der Finanzierungstochter Unisys Credit Corp. (UCC) aus laufenden Leasingverträgen 131 Millionen Dollar ein, nachdem der Konzern bereits zuvor verschiedene Immobilien für insgesamt zirka 170 Millionen Dollar veräußert hatte.

Zusätzliche Forderungsverkäufe aus Leasingverträgen könnten laut Unruh folgen.

Im Rahmen des Programms zum Schuldenabbau sind Unisys zufolge Verhandlungen über die Veräußerung weiterer Immobilien im Gange. Außerdem hatte der Computer- und Rüstungsgüter-Hersteller im Mai angekündigt, einen begrenzten Anteil seiner japanischen Aktivitäten abzustoßen und spricht von laufenden "Initiativen, die Aktiva der Unisys Finance Corporation zu verkaufen und deren Beitrag zum gesamten Schuldenaufkommen des Konzerns zu reduzieren." Über die 100-Prozent-Tochter UFC hält Unisys den Gesamtbesitz an ihrer Leasing-Division UCC.

Ob die Trennung von Timeplex als glückliche Entscheidung anzusehen ist, wollen Analysten im Gegensatz zu Äußerungen Unruhs nicht unbezweifelt lassen. Bekräftigt der Unisys-Chef, die Maßnahme sei im Rahmen der Konzentration seiner Company auf "existenzkritische Lösungen für offene Netze in transaktionsintensiven Umgebungen" zu verstehen, argwöhnen Analysten, die Verkaufsentscheidung sei aus der Not geboren, unbedingt Bargeld hereinbringen zu müssen. Das "Wall Street Journal" zitiert den Analysten Steve Milunovich von Solomon Brothers wie folgt: "Ich bezweifle, daß Timeplex ihre erste Wahl war. Im Grunde standen sie mit dem Rücken zur Wand und waren gezwungen, eine ihrer Kronjuwelen zu verkaufen."

Außer der Notwendigkeit zur Schuldenreduzierung hat Unisys seit geraumer Zeit auch Ärger in Form des sogenannten "Ill-Wind-Case" am Hals. Der Rüstungslieferant wird beschuldigt, sich widerrechtlich einen Großauftrag des US-Verteidigungsministeriums erschlichen zu haben. Jetzt wurden Meldungen laut, nach denen Unisys im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung dem Pentagon 190 Millionen Dollar zahlen würde. Diese Version wird von Unisys zwar nicht bestätigt, jedoch heißt es laut "Computerworld" in einem Statement des Unternehmens, man verhandele mit dem Pentagon über eine finanzielle Beilegung des Ill-Wind-Falles in den kommenden fünf Jahren. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt hatte Unisys bekanntgegeben, Gewinne aus einem anderen Rüstungskontrakt würden vom Pentagon eingezogen werden, ebenso wie Ertragskontingente aus künftigen Aktiva-Verkäufen und etwaigen Gewinnen nach der Rückkehr zu schwarzen Ergebniszahlen.

In jedem Fall verfügt Unisys über ein finanzielles Polster für eine zu erwartende Strafe: Bereits im dritten Quartal 1989 bildete man außerordentliche Rücklagen in Höhe von 150 Millionen Dollar, wovon der größte Teil nach Konzernangaben für eine Einigung mit dem Pentagon vorgesehen ist. Eine solche, meinen Analysten, würde die Voraussetzung schaffen für die Erreichung eines strategischen Zieles: den Verkauf der Verteidigungsaktivitäten.