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Schulden sollen bis 2000 drastisch reduziert werden


12.12.1997 - 

Unisys: Mit NT auf dem Weg zum IT-Dienstleister

Optimistisch zeigte sich der neue Unisys-CEO, was den Status quo seiner Company angeht. Man sei auf dem Weg, eine "neue Unisys Corp. zu bauen, ein gutes Stück weitergekommen". Weinbach bezog sich bei seiner Einschätzung auf zwei Faktoren: Zum einen sei die von seinem Vorgänger James Unruh im Januar 1996 umgesetzte Dreiteilung des Konzerns in eine Hardware-, Wartungs- und Service-Division "absolut richtig" gewesen. Mehr als 60 Prozent des Unisys-Umsatzes kämen bereits heute aus den Bereichen Systemintegration und Netzwerk-Management. Andererseits profitiere man, so Weinbach, vom derzeit zu beobachtenden Trend zur Rezentralisierung der DV in den Unternehmen.

Als früherer Mainframe-Spezialist wolle man aber nicht dem Großrechner das Wort reden, sondern entsprechende Integrationslösungen und darauf aufsetzende spezifische Anwendungen wie beispielsweise Voice-Mail anbieten. Weinbach: "Die Großrechner sind nicht vom Markt verschwunden, sondern werden zu offenen Plattformen weiterentwickelt." Einen Seitenhieb auf das populäre Client-Server-Computing konnte sich der Unisys-Chef bei seiner branchenbezogenen Nabelschau allerdings nicht verkneifen. Unter dem Aspekt des "Total Cost of Ownership" (TCO) würden es sich die Anwender mehr denn je überlegen, ob "der Einsatz dezentraler Systeme Sinn macht".

Auch deshalb will sich das Unternehmen Weinbach zufolge an der "Nahtstelle moderner Client-Server-Architekturen zu Legacy-Systemen" positionieren. Nebem dem weiteren Ausbau reiner Serviceleistungen wolle man dabei aber auch das Produktgeschäft nicht vernachlässigen. So soll die bisher traditionelle Kompetenz im Bereich Unix-Server, auf denen von Unisys entwickelte branchenspezifische Lösungen etwa für Verlage, Banken, das Transportwesen und die Telekommunikation aufsetzen, gefestigt werden. Dies geschehe unter anderem, indem diverse Produktfamilien wie die High-end-Server "Clearpath" und die Midrange-Systeme "Aquanta" als Plattform für Windows NT weiterentwickelt werden. Einen Einstieg in das Geschäft mit NT-basierten Low-end-Servern, wie es beispielsweise Compaq vormacht, schloß der Unisys-Chef allerdings aus.

Stichwort NT: Der Ende Oktober vertraglich vereinbarten Kooperation mit Microsoft im Back-Office- und Enterprise-Computing-Bereich mißt man bei Unsisys große Bedeutung zu. Beide Partner hätten, so Weinbach, "Geld investiert". Dies dokumentiere, daß "eine Partnerschaft gelebt wird" - im Gegensatz zu den meisten übrigen strategischen Allianzen in der IT-Branche. Das Abkommen mit der Gates-Company sieht vor, daß neben gemeinsamen Entwicklungsarbeiten sowie Marketing- und Vertriebsaktionen mehr als 2000 Unisys-Mitarbeiter explizit für das NT-Business geschult werden.

Der Unisys-Chef sprach in diesem Zusammenhang von einer "Win-win-Situation" für beide Unternehmen. Microsoft profitiere vom Unisys-Know-how in Sachen branchenspezifisches Enterprise Computing; seine eigene Company könne unter Beweis stellen, daß sie bei der "Skalierbarkeit von NT für unternehmenskritische Anwendungen das Zeug zum Technologieführer hat". Daß man sich dabei im Wettbewerb mit IT-Größen wie Digital und Compaq (Tandem) befindet, betrachte man als Chance und Herausforderung zugleich. "Unsere Zukunft hängt davon ab, wie wir diese Märkte vertikal bedienen können", gab Weinbach als Devise aus.

Abgesehen von der jetzt weitgehend abgeschlossenen Neuorientierung habe, wie Weinbach im weiteren ausführte, das Unternehmen "seine Schwierigkeiten überwunden". So sei es gelungen, die zum Großteil noch aus den 80er Jahren stammenden Verbindlichkeiten aus dem seinerzeit massiv eingebrochenen Großrechnergeschäft von insgesamt rund 2,3 Milliarden Dollar um gut 600000 Dollar zu reduzieren. Insgesamt bleibe es bei dem Ziel, bis 2000 den Schuldenberg auf etwa eine Milliarde Dollar zu drücken. Dazu soll bis auf weiteres an dem strikten Sparkurs, der im vergangenen Jahr unter anderem zur Entlassung von 4000 Mitarbeitern geführt hatte, festgehalten werden.

Erste Erfolge der Reorganisation zeichnen sich bereits ab. So schreibt Unsiys seit vier aufeinanderfolgenden Quartalen wieder schwarze Zahlen. Im dritten Quartal 1997 wies die Bilanz bei einem Umsatz von 1,62 Milliarden Dollar einen operativen Gewinn von 50,9 Millionen Dollar aus. Das laufende Geschäftsjahr werde, wie der Unisys-Chef andeutete, "erfolgreich verlaufen". Mit anderen Worten: Der Umsatz des vergangenen Geschäftsjahres von rund 6,4 Milliarden Dollar dürfte deutlich überschritten werden. Als CEO einer börsennotierten Company vermied Weinbach jedoch jede weitere Festlegung und verwies auf die Prognosen der Analysten: "44 bis 45 Cent Gewinn pro Aktie könnten realistisch sein.".

Neuer Mann

Der 57jährige Lawrence Weinbach, zuvor acht Jahre lang Chef der Wirtschaftsprüfungs- und Consulting-Gruppe Andersen Worldwide, wird nur als Übergangslösung gehandelt. Schon aufgrund seines Alters dürfte Weinbach, der aus eben diesem Grund eine dritte vierjährige Amtsperiode bei seinem früheren Brötchengeber nicht mehr antreten wollte, kein Mann für die Zukunft sein. Insider stellten darüber hinaus die Fähigkeiten des renommierten Beraters im tagtäglich harten Produktgeschäft in Frage. Andererseits gilt es als unstrittig, daß der frühere Andersen-Worldwide-Chef dem angeschlagenen Unternehmen die Tür zu lukrativen Aufträgen öffnen kann - ging er doch bekanntlich bei den wichtigen und potentiellen Unisys-Kunden ein und aus. Und er weiß offensichtlich, wie man Verträge abschließt. Der noch vor Beginn seiner Tätigkeit bei Unisys eingefädelte Deal mit Microsoft trägt jedenfalls bereits seine Handschrift - da "bin ich ein Mann alter Schule", deutet Weinbach selbst vielsagend an. Weinbachs Aufgabe dürfte, so die Mutmaßungen, bereits dann gelöst sein, wenn er die Company in ein sicheres Fahrwasser manövriert und ein qualifiziertes Management-Team aufgebaut hat.