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04.06.1993

Unisys-Systeme werden durch Novell-PC-Netz abgeloest Internetworking beschleunigt den Prozess der Informationsgewinnung

Das A und O fuer jedes Dienstleistungsunternehmen ist heute, flexibel auf die Wuensche der Kunden zu reagieren und Informationen schneller zu beschaffen als der Wettbewerber. Die Kaufring AG als Servicezentrale fuer Kaufhaeuser und Fachgeschaefte versucht, diesen Anspruch durch ein neues Internetworking-Konzept zu realisieren. Reinhard Eschbach* schildert in diesem Beitrag Fallbeispiele.

Die Kaufring Aktiengesellschaft ist die Servicezentrale des groessten Marketing-Verbundes fuer Kaufhaeuser und Fachgeschaefte in Europa. Sie betreibt ein Grosshandels-, Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen fuer ihre Mitglieder und Partner. In der Zentrale stehen 150 000 Quadratmeter Lagergrundflaeche zur Verfuegung. Dazu kommen 10 000 Quadratmeter fuer Warenmusterungshallen und 16 000 Quadratmeter Bueroflaeche. Ueber den eigenen Warenein- und -ausgangsbahnhof werden pro Tag im Durchschnitt 50 Bahnwaggons und 80 LKW abgefertigt.

Das Rechenzentrum der Kaufring AG, ausgestattet mit einer IBM- 3090-kompatiblen Comparex-Anlage, verarbeitet online und im Batch- Betrieb alle fuer das operative Geschaeft notwendigen Daten. Fuer die Logistik wurde ein DEC-VAX-Cluster installiert. Durch die skalierbaren System von DEC ist diese Software auf andere Logistikunternehmen uebertragbar. Die Tochtergesellschaft Planungsring GmbH benutzt ein auf Novell basierendes Netz, in dem sie unter anderem Produkte wie Autocad einsetzt.

Die Werbeabteilung der Kaufring AG erstellt fuer Kunden und die eigenen Warenabteilungen Broschueren und Werbemittel mit Apple- Macintosh. Die hausinterne Druckerei ist ebenfalls mit Apple- Macintosh-Geraeten ausgestattet und kann ueber das Netz mit der Werbeabteilung und den Warenabteilungen kommunizieren. Das gesamte Gelaende ist mit einem FDDI-faehigen Glasfaser-Backbone verkabelt, das sowohl Token-Ring- als auch Ethernet-LANs unterstuetzt.

Das Mitglieder-Rechenzentrum bietet zentrale und dezentrale DV- Dienste an. Zentrale Services sind zum Beispiel Warenwirtschaft, Finanz- und Lohnbuchhaltung. Fuer die Verarbeitung vor Ort werden eigenentwickelte Loesungen auf PC- und Novell-Basis eingesetzt. Darueber hinaus gibt es auch Kunden mit eigenen DV-Systemen, die mit der Kaufring AG kommunizieren.

Der Dienstleister hat das Problem, sich mit einer sehr heterogenen Klientel zu beschaeftigen. Auf der einen Seite haben die Kunden als rechtlich selbstaendige Unternehmen eigene Vorstellungen von ihrer Organisation und damit auch von den DV- Systemen, auf der anderen Seite muss aber eine reibungslose Verbindung mit der Kaufring AG gewaehrleistet sein. Ebenso entsteht durch die Vielzahl der Lieferantenbeziehungen eine sehr komplexe Kommunikation. Deshalb muss das Kaufring-System flexibel auf heterogene Systeme ausgerichtet sein und kann als Muster fuer andere zweistufige Unternehmen angesehen werden.

Da es immer entscheidener wird, die Time lags in der Informationsbeschaffung zu reduzieren, ist die Nutzung von Internetworking-Systemen fuer Handelsunternehmen ueberlebenswichtig. Je frueher mit dem Aufbau solcher Systeme begonnen wird, desto hoeher ist spaeter die Akzeptanz der Anwender und damit der Nutzen.

Bislang sah es so aus, dass der Anwender einen DV-Auftrag an die zentrale Systementwicklung stellte und seinen Service erst sehr spaet und mit hohem Aufwand erhielt.Durch die Einfuehrung von Online-Systemen wie SAP konnte der Aufwand reduziert werden. Es ergaben sich aber damit neue Anforderungen an die Darstellung und Praesentation der Daten. Zwar existierten PCs, die mit einer Terminalemulation sowie einem Tabellenkalkulations- und Textverarbeitungs-System ausgestattet waren, die Daten mussten aber muehsam und manuell uebernommen werden.

Teilweise liessen sich Daten vom Grossrechner mittels File-Transfer uebertragen und dadurch der manuelle Aufwand reduzieren. Der Anwender musste sich jedoch sehr genau in den technischen Ablaeufen auskennen und verbrauchte viel Zeit mit der technischen Problemloesung und der Erstellung von Anwendungen mittels Tabellenkalkulations-Programmen. Zur Erhoehung der Produktivitaet war es daher notwendig, eine neue Systemstrategie zu entwickeln.

Zunaechst mussten die heterogenen Systeme vernetzt und eine Client- Server-Struktur aufgebaut werden, die mit Standardprodukten realisiert werden konnte. Sodann wurde die Aufbauorganisation veraendert. Die Bereiche Benutzerservice, Netzwerk-Management, Datenbankadministration, dezentrale Systementwicklung und Flaechen- Management wurden in einer Abteilung fuer Informations-Management und Systemstrategien zusammengefasst. Ziel war, durch diese technischen und organisatorischen Veraenderungen bereits nach kurzer Zeit deutliche Verbesserungen in den Arbeitsablaeufen und der Arbeitsorganisation zu erreichen und somit eine hohe Akzeptanz und Motivation bei den Mitarbeitern herbeizufuehren.

Eine Untersuchung der vorhandenen PCs zeigte, dass viele Geraete bereits abgeschrieben waren oder technisch aufgeruestet werden mussten. Somit konnte die Kaufring AG frei zwischen den Betriebssystemen Windows, OS/2 oder Apple Macintosh waehlen. Als Server dienten bereits die im Einsatz befindlichen Novell-Netze und DEC-Anlagen. Als Datenbanken setzt die Kaufring AG Adabas, RdB und Oracle ein.

Die Entscheidung fiel zugunsten der Apple-Macintosh-Rechner als Clients, die auch die PCs des Controllings ersetzten. In der ersten Stufe wurden die Systeme mit Hilfe der Phonenet-Verkabelung verbunden. Diese besteht im wesentlichen aus zwei verdrillten Kabeln. Fuer den Zugriff zum Host sorgte ein

Gateway zwischen Token Ring und Phonenet. Alle Macintosh-Clients wurden mit Microsoft Word und Excel ausgestattet. Zusaetzlich kam fuer den Aufbau von Executive-Information-Services (EIS) - Anwendungen das Produkt Mac Control zum Einsatz.

Schon nach kurzer Zeit war die Produktivitaet im Taetigkeitsfeld der Macintosh-Umgebung gegenueber den frueheren DOS-Anwendern ohne zusaetzlichen Schulungsaufwand um 25 bis 30 Prozent gestiegen. Ausserdem wurde untersucht, inwieweit ein Macintosh-Client zukuenftige Anforderungen erfuellen kann. Das Ziel einer Systemstrategie, ein vorsichtiges Downsizing bis hin zum mobilen Computing in einem Zeitraum von zwei Jahren zu realisieren, wurde bereits nach eineinhalb Jahren erreicht. Mit dem Powerbook ist beispielsweise von unterwegs das Versenden und Empfangen von Faxen moeglich. Kaufring-Zentraleinkaeufer in Fernost erfassen ihre Daten direkt vor Ort auf einem Powerbook und uebermitteln sie ueber das E- Mail-System von AT&T in Hongkong direkt zur Zentrale nach Duesseldorf.

Die nachfolgenden Beispiele zeigen, dass nur durch Interworking die komplexe Kommunikationsstruktur des Unternehmens transparent gemacht werden konnte.

Zur Verbesserung und Verkuerzung der Produktentwicklungs-Zyklen haben sich die Planer der Kaufring AG fuer den Einsatz einer Oracle-CASE-Umgebung entschieden. Fuer die Systementwicklung wurden statt der 3270-Terminals Apple-Macintosh-Clients eingesetzt. Alle Systeme sind vernetzt (vgl. Abbildung 1). Mit Hilfe des Filesharings koennen die einzelnen Teams Daten austauschen. Fuer die Projektleitung ist es damit einfach, zentral abgelegte Informationen ueber den Stand der Vorhaben abzurufen.

Alle Systeme sind mit einer 3270-Emulation ausgestattet und haben damit direkten Zugriff auf den Host. Die Adabas-Datenbank auf der IBM-kompatiblen 3090 kann mit Hilfe von Natural Connection ueber das

Netz abgerufen werden. Die Verbindung zum Host ist ueber ein Channel Attached Gateway realisiert. Als Backup-Loesung ist ein Netway 2000 von Avatar ueber Ethernet und Token Ring mit dem Host verbunden. Damit wird sichergestellt, dass es auch bei Ausfall des Gateways nicht zu einem Absturz in der Systementwicklung kommt.

Auf einer DEC-VAX/VMS-Maschine ist die Oracle-CASE-Umgebung installiert. Der Zugriff erfolgt mit Hilfe einer X- Terminalemulation. Da beide Emulationen gleichzeitig gestartet werden koennen, ist es fuer die Software-Entwickler moeglich, mit Hilfe von Mac Flow ein Flussdiagramm zu produzieren, Programme auf dem IBM-Host unter Cobol zu erstellen und in der Oracle-CASE- Umgebung auf der DEC-VAX das ER-Modell zu bearbeiten.

Entscheidend ist, dass alle Taetigkeiten mit einer einheitlichen Oberflaeche und einem System zu bearbeiten sind. Durch die Vernetzung wird gewaehrleistet, dass Arbeitsgruppen jetzt via Groupworking trotz raeumlicher Trennung an einem gemeinsamen Entwicklungsprozess teilnehmen koennen.

Die an die Kaufring AG angeschlossen Haeuser verfuegen zu einem grossen Teil ueber DV-Systeme, die sie vor Ort betreiben. Insgesamt sind ueber tausend solcher Loesungen im Einsatz, deren Software von einer eigenen Mannschaft weiterentwickelt und gepflegt wird. Zur Betreuung der Kunden ist eine Hotline eingerichtet, die die Kundenprobleme erfasst und auf elektronischem Wege an die richtigen Personen weiterleitet. Die Hotline wurde mit einer Applikation auf der Basis von Lotus Notes entwickelt. Da das gesamte Unternehmen vernetzt ist, ist es relativ einfach, dieses System in die organisatorischen Ablaeufe zu integrieren. Dadurch liess sich die Qualitaet der Hotline ohne zusaetzliches Personal wesentlich verbessern.

Ein weiteres Fallbeispiel: Bei der Verarbeitung von Reklamationen ist es erforderlich, auf verschiedene Belege zurueckzugreifen. Reklamiert zum Beispiel ein Kunde einen Artikel, der falsch geliefert wurde, so muessen Lieferschein, Lieferantenrechnung und andere Papiere aus verschiedenen Aktenordnern herausgesucht werden. Erst dann kann der Vorgang bearbeitet werden. Zur schnelleren Abwicklung von Reklamationen wird im Juni 1993 ein System installiert, mit dem die Sachbearbeiter die erforderlichen Unterlagen auf elektronischem Wege zusammentragen koennen. Die Belege werden eingescannt und auf einer Optical Disk abgelegt.

Zur Identifizierung lassen sich wichtige Daten in einer Datenbank speichern. Von Macintosh-Clients koennen diese Daten abgefragt und die dazugehoerigen Images am Bildschirm angezeigt werden. Gleichzeitig sind im Online-Zugriff in der SAP-RF-Buchhaltung wichtige Daten

einsehbar, die zur Identifizierung der Belege dienen. Sollte diese Pilotanwendung den gewuenschten Erfolg mit sich bringen, wird die Applikation auch fuer andere Anwendungen eingesetzt.

Eine weitere Loesung, die nur durch das Internetworking moeglich war, ist der Aufbau eines EIS, mit dem das Management bis hin zum Vorstand Informationen aus dem gesamten Firmenverbund abrufen, analysieren und darstellen kann. Diese Loesung basiert auf Mac Control von der Firma Breitschwert. Mac Control ist eine Entwicklungsumgebung, mit der sich EIS-Anwendungen sehr schnell aufbauen lassen, beispielsweise Tabellen, die Informationen in bis zu 64 Dimensionen miteinander verknuepfen. Dimensionen sind zum Beispiel: Umsatz, Ertrag, Mitarbeiter, ueber Zeiteinheiten hinweg, aufgeschluesselt auf Filialen etc.

Mac Control gibt es mittlerweile in zwei Versionen. Der wesentliche Unterschied zwischen ihnen ist, dass mit Mac Control I alle Daten auf dem Macintosh verarbeitet und gehalten werden. Bei Mac Control II geschieht dies in einer relationalen Datenbank, wie Oracle, DB2, Ingres, Sybase, RdB etc. auf einem beliebigen Rechner. Die Kommunikation erfolgt mittels DAL (Data Access Language), einer Client-Server- Verbindung zwischen Arbeitsplatz- Systemen und Datenbank-Servern, die auf der Datenbank- Abfragesprache SQL basiert.

DAL ist inzwischen fuer die wichtigsten Hardwareplattformen und Datenbanksysteme verfuegbar. Angefangen bei einer Version, die unter Novell und der dort angebotenen Datenbank Btrieve laeuft bis hin zu Mainframe-Datenbanken wie DB2. Die Software AG hat auf der CeBIT angekuendigt, dass es wahrscheinlich noch in diesem Jahr eine Version fuer Adabas geben wird.

Die Kaufring AG setzt DAL auf DEC-VAX-Rechner unter dem Betriebssystem VMS und unter Novell mit der Datenbank

Btrieve ein. Die EIS-Applikationen senden DAL-Abfragen ueber die Netzverbindung zu den unterschiedlichen Datenquellen und erhalten von dort die ausgewaehlten Daten. Zur Verdeutlichung der Moeglichkeiten, die durch dieses System gegeben sind, sollen folgende Beispiele dienen.

Zur Zeit wird ein Projekt umgesetzt, bei dem die Daten aus der SAP-RK-Applikation fuer die Mac-Control-Anwender zur Verfuegung gestellt werden. Damit laesst sich der heute auf Papier verteilte Bericht elektronisch an die Verantwortlichen der Kostenstellen weiterleiten.

Mit dem Zukauf der Horten-Extra-Haeuser werden von der Zentrale der Kaufring AG aus auch Einzelhandelsgeschaefte getaetigt. Beteiligt sind eine Zentrale der Rupprecht GmbH und weitere zehn angeschlossene Haeuser. Kaufring bearbeitet auf einer IBM-3090- kompatiblen Comparex die Warenwirtschaft, Finanz- und Lohnbuchhaltung. Die DV-Systeme vor Ort basieren noch auf Unisys- BTOS-Maschinen, die in Kuerze durch Novell-PC-Loesungen abgeloest werden. Die Zentrale ist bereits mit PCs ausgestattet.

Kriterium fuer die Installation ist, dass der Vorstand taeglich ueber die Umsatzzahlen der einzelnen Abteilungen innerhalb der Haeuser informiert werden moechte. Weiterhin muessen Daten, die sich auf dem Host befinden, in geeigneter Form aufbereitet werden und in das Informationssystem einfliessen. Gleichzeitig moechte aber das Management der Rupprecht GmbH auch auf bestimmte Informationen zugreifen koennen (vgl. Abbildung 2).

Die operativen Daten werden auf den Unisys-Maschinen erzeugt und ueber Modem entweder an den IBM-Host geschickt oder in der Zentrale auf einem Novell-Fileserver abgelegt. Dieser ist mit Ethernet- und Appletalk-Anschluss ausgestattet. Ferner ist DAL fuer Btrieve installiert. Das Management kann somit auf der Basis einer Mac- Control-Anwendung auf die Daten des Novell-Servers zugreifen.

Die fuer das operative Geschaeft notwendigen Informationen werden vom Mitglieder-Rechenzentrum ueber ISDN in die operativen Systeme uebertragen. Aus diesen Comparex-Systemen werden Daten zu einer DEC VAX in eine Oracle-Datenbank uebertragen. Auf der VAX ist ebenfalls DAL installiert. Ueber die ISDN-Strecke zwischen dem Novell-System der Rupprecht GmbH und dem RZ wird ein WAN aufgebaut. Damit hat das Management der Rupprecht GmbH Zugriff auf die Informationen, die sich auf der DEC VAX befinden.

Mit Hilfe von Mac Control kann der Vorstand der Kaufring AG auf die Daten, die sich auf dem Novell-Server und auf der DEC-VAX befinden, in gleicher Weise zugreifen. Die Kaufring AG verfuegt darueber hinaus noch ueber einen Zugang ueber Appletalk Remote Access.

Mit Appletalk Remote Access werden die Appletalk-Protokolle ueber Telefonleitung oder Funk weitergeleitet. Ein entfernt angeschlossenes System kann damit alle Dienste nutzen, die im Netz auch lokal verfuegbar sind: Mail-Dienste, Datenbankanbindungen, Ablagedienste etc. Somit ist auch ein Zugang zu den Daten von unterwegs moeglich.

Die Planung sieht fuer das Management der Kaufring AG weitere Mac- Control-Anwendungen vor. Ziel ist, die Flut an Papierberichten weiter einzudaemmen und statt ihrer die elektronischen Moeglichkeiten von Informationsaustausch und -darstellung besser zu nutzen. Die technischen Voraussetzungen sind dafuer heute bereits gegeben; erforderlich ist jedoch auch ein Umdenken des Benutzers.

*Diplomingenieur Reinhard Eschbach ist Leiter der Abteilung Informations-Management und Systemstrategien bei der Kaufring AG, Duesseldorf.

Abb. 1: Netzstruktur der Kaufring AG

Abb. 2: Kaufring- und Rupprecht-Management koennen gleichermassen auf die gespeicherten Daten zugreifen.