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07.08.1992 - 

Erfolgreich bei Schuldenabbau und Kostenreduzierung

Unisys: Zur Komplettsanierung noch einige Schritte notwendig

FRANKFURT (see) - Eine konservative Finanzpolitik, Konzentration auf das Kerngeschäft und gleichzeitige Wahrung der Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen: Das sind die Elemente des bislang erfolgreichen, aber noch nicht abgeschlossenen Turnaround der Unisys Corp. Diese Einschätzung vertritt Götz Siebrecht, Geschäftsführer der Unisys Deutschland GmbH, Frankfurt.

Der noch vor einem Jahr vielfach als Übernahme- oder Pleitekandidat gehandelte Anbieter von proprietären Großrechnern, offenen Plattformen sowie Software und Services erzielte im zweiten Quartal 1992 einen Nettogewinn von 105 Millionen Dollar und enttäuschte damit auch die Anleger nicht.

Hatten sie im Vorjahres-Quartal bei einem Nettoverlust von 1,3 Milliarden Dollar (einschließlich - 1,2 Milliarden für Sonderbelastungen) mehr als acht Dollar pro Aktie drauflegen müssen, schauten nunmehr 46 Cent pro Anteilschein für die Investoren heraus.

Schuldenreduzierung bisher größter Erfolg

Eine Wandelanleihe aus dem zweiten Quartal 1992 über 200 Millionen Dollar, berichtet Siebrecht, hätten die Anleger bis 345 Millionen Dollar überzeichnet, so daß weitere Papiere emittiert worden sein. Überdies bewerte die Börsenagentur Moody's Investor Services mittlerweile Unisys' Kreditwürdigkeit deutlich höher als noch im letzten Jahr.

Die Umsatzentwicklung des Konzerns illustriert den Prozeß des Gesundschrumpfens: Auf vergleichbarer Basis, also ohne Einrechnung der zu Jahresbeginn 1992 verkauften Netzkomponenten-Tochter Timeplex, ging das Geschäftsvolumen um etwas mehr als zwei Prozent auf 2,09 Milliarden Dollar zurück, es ergab sich jedoch eine Netto-Umsatzrendite von gut fünf Prozent.

Im Halbjahr erwirtschaftete das Unternehmen bei 4,1 Milliarden Dollar Umsatz einen Nettogewinn von 154 Millionen Dollar (Vergleichszeitraum 1991: 1,4 Milliarden Verlust). Als größten Erfolg jedoch, feiert man bei Unisys den Abbau von Schulden und Betriebskosten: Die Nettoverschuldung sank Unternehmensangaben zufolge auf mittlerweile 2,1 Milliarden Dollar, nachdem schon 1991 das Entschuldungsziel von 600 Millionen Dollar um 150 Millionen übertroffen worden war.

Die deutsche Gesellschaft steigerte ihren Halbjahresumsatz um ein Drittel auf 246 Millionen Mark und erzielte einen Bruttogewinn von 16 Millionen Mark nach 41 Millionen Verlust im Jahr 1991. Der Mitarbeiterstand der Frankfurter wurde seit Anfang 1991 um 350 auf 865 reduziert; im bisherigen Verlauf dieses Jahres konnten laut Siebrecht die Kosten der Infrastruktur um 17 Prozent gesenkt werden, nachdem schon 1991 eine Reduktion um 15 Prozent erreicht worden war.

Der erste Teil des, Turnaround sei damit geschafft, meint Siebrecht. Den verbleibenden Rest indes schätzt er als schwierig genug ein: die Verbesserung der Produkt- und Servicequalität und der Kundenzufriedenheit. "Turn-around-Teams" aus dem Konzern, die unter Leitung externer Berater auch den ersten Teil der Sanierung, das Sparprogramm, erledigt hätten seien jetzt mit "Qualitätsverbesserungen" beschäftigt.

Zu verzögern scheint sich bei Unisys indes noch die Wandlung von der Hardware-Company zum Systemintegrator, die seit Beginn der Restrukturierung vor zwei Jahren auf der Tagesordnung steht. Noch immer, so Siebrecht gegenüber der COMPUTERWOCHE, wird weniger als die Hälfte des Gesamtumsatzes mit weicher Ware und Dienstleistungen erzielt. Der Hardware-Umsatz entsteht überdies noch immer zum größere Teil (55 Prozent) aus proprietärem Equipment; 45 Prozent entfallen auf Unix-Systeme.

Im Unterschied zu früher will man jetzt - unter James Unruh als Konzernchef - nicht mehr alles für jeden anbieten, was seinerzeit die Vision von Michael Blumenthal an der Unisys-Spitze gewesen war. Urteilt Siebrecht: "Dem Unternehmen hat es gutgetan, daß Unruh ein Finanzmann und kein Visionär ist." Die adressierten Marktsegmente reduzierten sich auf Finanzdienstleister, Fluggesellschaften, TK-Dienstleister und die öffentliche Hand. Laut Siebrecht war man in Deutschland besonders im TK-Markt erfolgreich: Im ersten Halbjahr 1992 habe man 140 große Unix-Systeme bei der Telekom installiert.