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23.02.2001 - 

Neuer Fokus auf fünf Geschäftsfelder

United Internet erzielt ein durchwachsenes Ergebnis

FRANKFURT/M. (ajf) - Die United Internet AG, Montabaur, hat die vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2000 präsentiert. Vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern (Ebitda) konnte erstmals ein Gewinn von einer Million Euro erwirtschaftet werden. Trotzdem stiegen die Verluste, das operative Ergebnis lag mit 34,8 Millionen Euro im Minus.

Nach Aussage von Vorstandschef und Gründer Ralph Dommermuth hat sich die United Internet AG im Jahr 2000 - einer "Bewährungsphase der New Economy" - gut behauptet. Auch für das Unternehmen seien die Auswirkungen der Internet-Krise "spürbar" gewesen, was sich nicht zuletzt am stark gefallenen Aktienkurs gezeigt habe. Wo früher Euphorie herrschte, dominiere heute eben Skepsis. Mit einem Strategiewandel und einem Fokus auf Profitabilität will Dommermuth jetzt verlorenes Vertrauen zurückgewinnen: "Wir haben schon einmal 1997 richtige Gewinne gemacht", so der Gründer. Das wolle man wieder schaffen.

Weit scheint United Internet, eine Holding mit rund 20 Internet-fokussierten Beteiligungen, davon nicht mehr entfernt zu sein, zieht man allein das Ebitda-Ergebnis zu Rate. Eine Million Euro Gewinn konnte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2000 erzielen, so die vorläufigen Zahlen. Im Jahr zuvor lag das Ebitda noch 5,4 Millionen Euro im Minus. Das aktuelle Ergebnis enthält Verluste der Tochtergesellschaft GMX in Höhe von rund zehn Millionen Euro. Andererseits hat sich der Einbruch der Aktien positiv auf die Bilanz ausgewirkt, denn dadurch konnten Kosten von 4,4 Millionen Euro im Beteiligungsprogramm der Mitarbeiter eingespart werden. Mehr als 3000 Angestellte stehen gegenwärtig auf den Gehaltslisten der Mehrheitsbeteiligungen.

Mit Goodwill- (10,8 Millionen Euro) und weiteren Abschreibungen (24,8 Millionen Euro) summierte sich das operative Ergebnis allerdings auf ein Minus von 34,8 Millionen Euro. Im Jahr zuvor lag es noch bei 14,4 Millionen Euro. Ähnlich entwickelte sich auch der Jahresfehlbetrag, nämlich von 8,7 auf 49,4 Millionen Euro. Der gesamte Umsatz des Firmennetzes belief sich auf 243,7 Millionen Euro, der konsolidierte Umsatz der United Internet AG und ihrer Mehrheitsbeteiligungen legte um 60 Prozent auf 194,3 Millionen Euro zu.

Aufgrund der gesunkenen Bewertungen von Internet-Unternehmen hat sich die Holding dazu entschlossen, einige Minderheitsbeteiligungen in der Bilanz neu zu fassen. Um welche Kandidaten es sich dabei handelt, wurde nicht mitgeteilt. Im Einzelabschluss der United Internet AG schlage sich dies mit einem Minus von 15,1 Millionen Euro nieder, darin enthalten ist eine komplette Sonderabschreibung der jüngst Pleite gegangenen Firma Immonline AG: "Man muss auch den Mut haben, sich zu trennen", so der United-Gründer.

Laut Dommermuth hat sich das Unternehmen im vergangenen Jahr an die veränderten Rahmenbedingungen der New Economy angepasst. So wurde im zweiten Halbjahr das Tempo des Beteiligungsgeschäfts gedrosselt, was sich vorerst auch fortsetzen soll. Stillstand erwartet Dommermuth allerdings nicht: "Wir werden uns 2001 von Beteiligungen trennen, aber auch neue dazukaufen." United Internet verfolge allerdings keine Exit-, sondern eine Integrationsstrategie. Man sei schließlich kein Risikokapitalgeber oder Inkubator.

Weitere Börsengänge werdenbis auf weiteres verschoben

Auch bei Börsengängen der Töchter reagiert man in Montabaur wegen der schlechten Rahmenbedingungen vorerst abwartend. "Wir haben bei 1&1 sowie 24help nicht den Druck, dass sofort etwas passieren muss", argumentierte Dommermuth. Wenn das Marktumfeld besser wird, wären die IPOs denkbar, ein genauer Termin stehe aber noch nicht fest. Auch Spekulationen über eine Liaision mit T-Online erteilte der Chef eine Absage. Auf der Holding-Ebene gebe es keine Kontakte, lediglich bei gemeinsamen Projekten der Beteiligungsgesellschaften.

Allerdings biete die angespannte Marktlage im Internet-Umfeld laut Dommermuth auch viele Chancen. Dumping-Preise und kostenlose Angebote werde es künftig seltener geben, dadurch würden die Margen dicker. Zudem habe der Wettbewerbsdruck im Beteiligungsgeschäft nachgelassen, und in neuen Finanzierungsrunden könnten die Anteile an den eigenen Beteiligungen vergrößert werden. Außerdem rechnet Dommermuth stark mit der so genannten Old Economy, deren Internet-Eintritt ein "Wachstumsschub für den Markt" sei.

Wachstum und Profitein fünf Kerngeschäften

Das Jahresmotto 2001 für United Internet lautet jedenfalls "Fokussierung". Im Mittelpunkt steht der Versuch, Profitabilität und Wachstum im Kerngeschäft zu erzielen: "Wir wollen zeigen, dass wir unser Geschäft im Griff haben", so Dommermuth. Das Beteiligungsgeschäft soll gezielt erweitert und die operativen Gesellschaften stärker vernetzt werden. Zudem will man sich auf fünf Zielmärkte konzentrieren: Online-Communities, Application-Providing, virtuelle Märkte, Finanzservices und Dienstleistungen für Großkunden - Letzteres wurde früher einmal B-to-B genannt.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen einen konsolidierten Umsatz von mehr als 300 Millionen Euro. Das Ebitda-Ergebnis soll mehr als 20 Millionen Euro betragen, der operative Gewinn erstmals im Plus liegen. Vor Steuern werde man allerdings auch in diesem Jahr noch im Minus abschließen, der Sprung über die Gewinnschwelle komme wohl erst 2002. Die Finanzierung der laufenden Aktivitäten sei jedenfalls sichergestellt.

Abb: United Internet - Geschäftsentwicklung

Das operative Ergebnis von United Internet verschlechterte sich trotz steigender Umsätze. (Quelle: United Internet)