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19.07.2002 - 

Open-Source-Trends/Investitionssicherheit für Anwender und Anbieter

United Linux: Die konzertierte Aktion

19.07.2002
Mit United Linux wollen die vier Distributoren Caldera, Conectiva, Suse Linux und Turbolinux im November ein gemeinsames Server-Betriebssystem für den Unternehmenseinsatz auf den Markt bringen. Die technischen Spezifikationen stehen fest. Von Markus Rex*

Mit der zunehmenden Verbreitung von Linux als Server-Betriebssystem in den Unternehmen wurde auch der Ruf nach verbindlichen technischen Vereinbarungen immer lauter. Vor allem internationale Konzerne beklagten die Vielfalt der Linux-Distributionen - und vertagten ihre strategischen Entscheidungen zugunsten des Betriebssystems. Kein Wunder: In den Köpfen der IT-Entscheider ist die Fragmentierung von Unix in inkompatible Derivate noch gegenwärtig.

Einer Wiederholung dieser "historischen" Fehlentwicklung stemmt sich nun die United-Linux-Initiative entgegen. United Linux erfüllt nicht nur die bestehenden Linux-Standards wie Linux Standard Base (LSB) und Li18nux (Internationalisierung und Lokalisierung), sondern geht weit über diese kleinsten gemeinsamen Nenner der Linux-Welt hinaus, indem es ein komplettes Server-Betriebssystem definiert.

Das bringt Vorteile für jedermann: Softwareanbieter bekommen eine einheitliche Plattform, auf die sie ihre Applikationen schnell und effizient portieren können. Ihre Aufwendungen für Kompatibilitätsprüfungen und Zertifizierungen ihrer Produkte werden deutlich verringert. Das dürfte für ein noch breiteres Applikationsangebot sorgen.

Den Kunden soll dies recht sein. Überdies profitieren international tätige Unternehmen mit United Linux vom ersten wirklich "globalen" Linux, welches bei Installation und Desktop-Oberfläche nicht nur die europäischen Sprachen unterstützt, sondern auch in Chinesisch, Japanisch und Koreanisch zu bedienen ist. Zudem empfiehlt sich United Linux auch für den Einsatz in heterogenen IT-Infrastrukturen, da es für die 32- und 64-Bit-Prozessoren von AMD und Intel wie auch für die Z-, I- und P-Series-Rechner der IBM ein einziges Server-Betriebssystem mit einer einheitlichen Linux-Codebasis bereitstellt.

Die Version1.0 von United Linux wird im kommenden November erscheinen, das Release 2.0 ist für das vierte Quartal 2003 geplant. United Linux 1.0 wird den File-Hierarchy-Standard 2.2 unterstützen, welcher die einheitliche Anordnung der Systemdateien in der Verzeichnisstruktur regelt. Die ebenfalls implementierte Linux Standard Base 1.1 stellt eine vereinheitlichte Umgebung für Linux-Anwendungen sicher. Dazu legt der Standard unter anderem eine definierte Verzeichnisstruktur, Standardbibliotheken, den Boot-Prozess und das Dateiformat von Binaries fest. Die LSB-Vorgabe baut ausdrücklich auf älteren Standards wie dem X11-Protokoll und dem Posix-1-Standard auf.

Li18nux 1.0 schließlich erleichtert Applikationsentwicklern die Internationalisierung ihrer Programme. Die Bezeichnung leitet sich aus der gebräuchlichen Abkürzung I18N ab: Zwischen dem "I" und dem "N" von "Internationalization" stehen 18 Buchstaben. Auch Standards wie Extensible Markup Language (XML), Simple Object Access Protocol (Soap) und Web-Based Enterprise Management (WBEM) werden eingehalten.

Sofern der offizielle Linux-Kernel in der Version 2.4 zentrale Funktionen noch nicht enthält, wird das United-Linux-Team die vorhandenen Implementierungen portieren und für United Linux 1.0 bereitstellen. Dazu gehören Memory Expansion Technology (MXT), um den Hauptspeicherinhalt zu komprimieren, ebenso wie Direct-I/O und Multipath-I/O zum Zugriff auf Massenspeicher. Weiterhin sollen PCI-X, USB-Floppy und USB-CD-ROM unterstützt werden.

United Linux wird drei File-Systeme mit Journaling-Funktionalität unterstützen: Ext3, Reiser-FS und IBMs 64-Bit-File-System JFS. Ein Logical Volume Manager zur Verwaltung von Festplatten wird ebenfalls bereitgestellt. Performance-Gewinne dürfen sich Rechenzentren vor allem durch eine effizientere Thread-Unterstützung mit Hilfe von NGPT (Next Generation Posix Threads), schnelleren und ressourcenschonenderen Zugriff auf Festplatten durch asynchrones I/O und Raw-I/O sowie Hyper-Threading-Support erwarten.

Weitere zentrale Funktionen zur Verwaltung großer Netzwerke sind die Unterstützung von Storage Area Networks (SAN), Simple Network Management Protocol (SNMP) und LDAP (Lightweight Directory Access Protocol v3). Dank Large-Memory-Support arbeitet der United-Linux-x86-Kernel auch mit bis zu 64 GB RAM.

Als Installations- und Administrations-Tool wird das Suse-Werkzeug Yast 2 (Yet another Setup Tool) zum Einsatz kommen. United Linux wird durch eine vollautomatische Installation mit Yast 2 ein rationelles Konfigurations-Management in Unternehmensnetzwerken erlauben. Die Installation wird von CD-ROM, lokaler Festplatte oder über das Netzwerk möglich sein.

United Linux umfasst neben der hinsichtlich Stabilität und Sicherheit optimierten Betriebssystem-Basis alle unter Linux relevanten Server-Dienste. Damit lassen sich Internet-Dienste wie WWW und FTP ebenso realisieren wie Proxy-, Mail- und News-Server. Auch zur United-Linux-Standardausstattung gehören selbstverständlich bewährte Helfer im Internet wie DHCP, Domain Name Service (DNS) und Time Service (NTP). Ferner sind alle Funktionalitäten für Datei- und Druckdienste in heterogenen Netzen (Unix, Windows 9x/NT/2000/XP, Novell Netware, Mac OS) enthalten.

Zur umfangreichen Sicherheitsausstattung gehören neben zahlreichen Firewall-Komponenten, zum Beispiel die ipchains-Paketfiltereinstellung, auch Verschlüsselungsmechanismen wie Gnu PG und Secure Sockets Layer. United Linux unterstützt die weit verbreiteten Authentifizierungs-Tools Kerberos 5 und PAM und kann zur verschlüsselten Kommunikation innerhalb eines Virtual Privat Network (VPN) eingesetzt werden. Als Verzeichnisdienst dient Open LDAP. An grafischen Benutzeroberflächen umfasst das Einheits-Linux sowohl KDE 3 wie auch Gnome 2.

Eine der Kernaufgaben des Integrationsteams wird in den nächsten Wochen die Vereinheitlichung der Schnittstellen für die Hard- und Softwareanbieter sein, die auch die nachträgliche Installation von neuen Hardwaretreibern einschließen wird. Um den Anwendungsentwicklern die schnelle Portierung ihrer Produkte zu erleichtern, werden frühzeitig Entwicklerversionen von United Linux bereitgestellt, die neben Compilern, Libraries und Entwicklungswerkzeugen auch Binaries und Quellcode des Betriebssystems umfassen.

Stabile Infrastruktur

Professionelle Linux-Anwender erwarten die Gewährleistung seitens des Herstellers, dass sie ihre IT-Infrastruktur dauerhaft auf der Grundlage eines sicheren, performanten und stabilen Betriebssystems betreiben können. Die Systempflege für United Linux garantiert eine langfristige Investitionssicherheit, da die Zertifizierungen durch führende Hard- und Softwareanbieter insbesondere auch nach einem Update erhalten bleiben. Denn schließlich stellt der Produktintegrator Suse im Rahmen dieser Systempflege alle relevanten Patches, Fixes und Updates qualitätsgesichert und dokumentiert zur Verfügung. (ls)

*Markus Rex leitet als Vice President Development die Entwicklungsaktivitäten der Suse Linux AG in Nürnberg. Er steht dem Technical Steering Team für die Entwicklung von United Linux vor.

Angeklickt

United Linux beseitigt die bisherigen technischen Unterschiede zwischen vier Distributionen. Die in diesem Beitrag beschriebenen vorgesehenen technischen Details des Einheitsbetriebssystems dürften den Prozess der Standardisierung des Open-Source-Betriebssystems vorantreiben.

Links

Informationen über den Stand der Arbeiten und Downloads von United Linux gibt es unter

www.unitedlinux.com.

Ein 28-seitiges White Paper über die technischen Ziele von United Linux findet sich dort unter der Adresse

www.unitedlinux.com/en/whitepapers/misc/whitepaper_ul.pdf.

Abb: United-Linux-Architektur

United Linux bringt für bisher vier Distributionen und für andere Softwareanbieter eine gemeinsame Basis, die anders als bei Unix ein komplettes Betriebssystem statt einer Sammlung von standardisierten Schnittstellen ist. Quelle: United Linux/Suse