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13.05.1977 - 

Landesregierung will 1390 Stellen streichen:

Universität Karlsruhe kritisiert Sparbeschlüsse

KARLSRUHE - Von den 929 Diplom-Informatikern, die bisher an 14 deutschen Hochschulen ausgebildet wurden, kommen 226 aus Karlsruhe. Die Produktion von Fachleuten auf dem Gebiet der Informationsverarbeitung - nach den Worten des Dekans Professor Dr. Peter Deussen mehr als "Edel-Programmierer" - wird jedoch von den Sparbeschlüssen des Landes getroffen. Die Überbesetzung mit Studenten wird voraussichtlich in den kommenden Jahren noch erheblich zunehmen. An der Fakultät für Informatik sind derzeit etwa 700 Hauptfachstudenten eingeschrieben. Das Verhältnis Studenten pro Lehrperson liegt bei 18:1. Der offizielle Landesdurchschnitt beträgt dagegen laut Kultusministerium 11,5:1 und laut Finanzministerium nur 8,5:1. Wegen der geburtenstarken Jahrgänge wird in Karlsruhe mit einer Steigerung auf rund 21:1 gerechnet. Die offizielle Zahl von Studienplätzen beträgt 122 pro Jahr. Im vergangenen Wintersemester wurden aber 158 Anfänger aufgenommen. Nach den neuesten Zahlen der Dortmunder Zentralstelle zur Vergabe von Studienplätzen (ZVS) ist mit doppelt so vielen Bewerbern zu rechnen als Plätze vorhanden sind. Unter Berücksichtigung der "Reibungsverluste" wird es in Karlsruhe nach dem Wegfall des Numerus clausus in Zukunft permanent 150 bis 180 Studienanfänger geben. Bei einer fünfjährigen Studienzeit sind daher dauernd 750 bis 900 Studenten zu betreuen. Das entspricht 19 bis 23 Studenten pro Lehrperson.

Dozenten sind überlastet

Dabei bereite nicht so sehr die Gesamtzahl der Studenten Sorge, sondern daß typische Engpässe bei Seminaren, Praktika, Studien- und Diplomarbeiten auftreten. Die Qualität eines Studiums und der Erfolg der Ausbildung werden aber gerade durch diese betreuungsintensiven Veranstaltungen bestimmt, so daß es wenig sinnvoll erscheint, ausgerechnet hier Abstriche zu machen.

Dieser Entwicklung stehen die "unverständlichen Sparbeschlüsse" der Landesregierung gegenüber, wonach 1390 Stellen in den Landesuniversitäten zu streichen sind. Die gleichen Universitäten mußten aber in den Jahren 1975 und 1976 bereits 800 Stellen abgeben. Dabei war die "Kerninformatik" mit drei Wissenschaftlerstellen beteiligt. Die neuen Sparbeschlüsse treffen sie mit vier weiteren Stellen.

Finanzierung nicht gesichert

Ein Problem bereitet auch die Finanzierung der laufenden Ausgaben der Karlsruher Informatik. Die Landesausgaben werden innerhalb des Überregionalen Forschungsprojektes Informatik" nur noch bis 1979 vom Bund zu 70 Prozent bezahlt. Nachdem Baden-Württemberg bereits die Personalkosten voll übernommen hat steht ab 1979 auch die volle Übernahme der laufenden Kosten an. Insgesamt werden derzeit 20 Projekte und Teilprojekte aus Drittmitteln finanziert, weitere fünf sind geplant. Der Dekan verweist in diesem Zusammenhang auf eine Problematik: Durch die Einstellung der Drittmittel in den Landeshaushalt unterliegen die daraus finanzierten Mitarbeiter dem öffentlichen Tarifrecht, ihre Stellen sind aber keine Dauerstellungen. "Wir werden uns daher, wenn nicht entsprechende gesetzliche Maßnahmen ergriffen werden, in Zukunft mit der paradoxen Situation konfrontiert sehen, eingearbeiteten Spezialisten nach fünf Jahren kündigen zu müssen, obgleich Mittel für deren Weiterbeschäftigung vorhanden sind", resümiert Deussen.

Industriebetriebe als Projektträger

Projektträger sind in zwei Fällen die Deutsche Forschungsgemeinschaft, in einem anderen die Deutsche Bundesbahn sowie ein Landratsamt. In vierzehn Fällen wird das Projekt gemeinsam mit Industriebetrieben unter Förderung durch das Dritte DV-Programm durchgeführt. Die von Unternehmen in Auftrag gegebenen und bezahlten Projekte füllen zwar etwas die Kassen, doch angesichts der ausgedehnten Lehr- und Forschungsaufgaben bleibe ein erheblicher Finanzierungsbedarf. Für die insgesamt 15 Lehrstühle wurden bisher 9,84 Millionen Mark für Rechner investiert. 5,8 Millionen Mark davon entfallen auf die zentrale Rechnerabteilung.

Gute Berufsaussichten für die Absolventen

Weitaus erfreulicher als die düsteren Ausbildungs-Aussichten sehen die Berufschancen der Absolventen aus: Nach einer Diebold-Studie wird die Nachfrage nach Diplominformatikern nur zu 36 Prozent durch das Ausbildungsangebot gedeckt. Das "elektronische Dienstleistungsgewerbe" werde darüber hinaus in Karlsruhe "besonders praxisnah" gelehrt, so daß die Absolventen derzeit keine Schwierigkeiten haben, einen einschlägigen Arbeitsplatz zu finden. Es gehe jedoch nur ein kleiner Teil von ihnen zum Hersteller. Auch an die Universität kehre nur ein geringer Prozentsatz als Lehrkraft zurück. Die meisten Absolventen - so Deussen - finden ihren Arbeitsplatz in mittleren und kleinen Betrieben, die die zunehmende Ausweitung der rechnergesteuerten Produktion und die damit verbundene Rationalisierung nutzen wollen.