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IT-Weiterbildung erobert festen Platz an den Hochschulen


12.09.2003 - 

Universitäten öffnen ihre Türen für Praktiker

MÜNCHEN (iw) - Ob Java-Kurs, IT-Kompaktprogramm, technischer MBA oder ein maßgeschneidertes Qualifizierungsprogramm - die Universitäten engagieren sich schon heute im Weiterbildungsmarkt.

"Wir wollen unser Engagement verstärken, wir bauen unser Programm weiter aus", ist von vielen Hochschulen in Sachen Weiterbildung zu hören. Dazu gründen Fachhochschulen und Universitäten fleißig eigene Institute oder Akademien. Weiterbildung gehört neben der Erstausbildung von Studierenden zu den Aufgaben der Hochschulen. Seit einigen Jahren bauen sie ihr Angebot aus. "Außerdem eröffnet es für die Hochschulen eine zusätzliche Einnahmequelle", erklärt Susanne Schilden, Pressesprecherin der Hochschulrektorenkonferenz. Von Norden bis Süden bieten Fachhochschulen und Universitäten schon heute ein buntes Bildungsspektrum an, das vom Hackerkurs bis zum virtuellen Bachelor-Studium reicht.

In Bayern gehört seit der Hochschulreform von 1998 Weiterbildung neben Forschung, Lehre und Studium als vierte Säule zum Aufgabenspektrum der Universitäten. "IT-Weiterbildungsangebote bieten acht von neun Universitäten und zwölf von 17 Fachhochschulen in Bayern bereits an," verkündete Hans Zehetmair, bayrischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst zur Systems im letzten Jahr.

Die wenigsten Hochschulen rechnen mit großen Umsätzen, langfristig sollen die Einnahmen allerdings die klamme Finanzlage der Bildungseinrichtungen aufbessern. Mussten die bayrischen Hochschulen in der Vergangenheit 20 Prozent der Kursgebühren an den Staatshaushalt abführen, können sie heute die gesamten Einnahmen aus Weiterbildungskursen selbständig verwalten. Bisher wandeln die Hochschulen ihr Expertenwissen kaum in bare Münze um. Mit einem stärkeren Engagement soll sich das ändern. Akademiker und Berufstätige sollen auch nach ihrer Erstausbildung die Hochschule als Weiterbildungseinrichtung wahrnehmen, die ihnen einiges zu bieten hat.

Nicht alle Kurse sind ausgebucht

Doch auch die Hochschulen spüren die Sparwut der Unternehmen. Längst nicht alle Kurse sind ausgebucht. "Unser Angebot ist kostendeckend. Allerdings lief es im Frühjahr sehr schleppend", ist beispielsweise aus Karlsruhe zu hören. Seit zwei Jahren bietet dort ein eigenes Institut IT-Seminare an. Das "kww - Die wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Karlsruhe (TH)", hat vom Java-Kurs über Netzwerktechnik, Projekt-Management und IT-Sicherheit ein breites Angebotsspektrum. Beliebt sind dort Kurse, deren Dauer zwischen zwei bis drei Tagen liegt, für längere Qualifizierungen können sich Firmen momentan weniger begeistern. Der Weiterbildungseinrichtung der Technischen Universität München, TUM-Tech, erging es ähnlich. Sie musste in diesem Jahr schon einige Kurse absagen, da sich nicht genug Teilnehmer angemeldet hatten.

Die zusätzlichen Bildungsaufgaben bestreiten die Hochschulen mit internen Mitarbeitern und externen Trainern. "Ich halte die Weiterbildung prinzipiell für eine wichtige Aufgabe der Hochschule. In Anbetracht der völligen Überlastung in unserer Hauptaufgabe bleiben allerdings kaum freie Zeitscheiben für andere Tätigkeiten", äußert sich Peter Mertens, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Erlangen-Nürnberg, zurückhaltend über die neuen Aufgaben.

Jörg Eberspächer von der Technischen Universität München pflichtet ihm bei. An bayerischen Hochschulen werde weiter wissenschaftliches Personal abgebaut, trotz steigender Studentenzahlen. Zusätzliche Aufgaben können Professoren und Assistenten nur in begrenztem Umfang übernehmen. Eberspächer bietet immer wieder Kurse über die TUM-Tech an. Der Professor für Kommunikationsnetze muss deshalb immer abwägen: Ein Mitarbeiter, der eine Weiterbildung vorbereitet, kann in dieser Zeit weder Studierende unterrichten noch Forschungsanträge ausarbeiten, die dem Lehrstuhl Projekte und damit Drittmittel sichern könnten.

Wissenstransfer steht im Vordergrund

Eberspächer plädiert für ein moderates Engagement der Hochschulen in Sachen Weiterbildung. Nach Ansicht des Elektrotechnik-Professors sollte der Wissenstransfer im Vordergrund der universitären Weiterbildung stehen. Vor allem wenn es darum geht, mit den Unternehmen ins Gespräch zu kommen und neue Forschungsergebnisse in die Praxis zu transportieren. Tagungen und Seminare eignen sich besonders für den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis. "Praktiker fragen einen Löcher in den Bauch", weiß Eberspächer aus eigener Erfahrung. Anhand der Diskussion mit Praktikern schließen die universitären Tüftler möglicherweise Lücken in ihrem Projekt oder können sie gezielt ergänzen.

Uni Bruchsal bildet Roche-Mitarbeiter weiter

Mit maßgeschneiderten Kursen stellen Universitäten ihre Kompetenzen besonders unter Beweis. Die Internationale Universität in Bruchsal entwickelte in enger Absprache mit der Roche Diagnostics GmbH in Mannheim ein individuelles IT-Weiterbildungsprogramm für deren Mitarbeiter. "Wir hatten Mühe, genügend Fachleute für unsere IT-Abteilungen zu finden. Anderseits gab es bei uns im Haus viele Self-made-Informatiker, die an den Aufgaben interessiert waren, denen aber bestimmte Grundlagen fehlen", erklärt Erich Gaulke, der die Fachabteilung Instandhaltung und Fachplanung bei Roche Diagnostics leitet.

Die Teilnehmer sollen sich vor allem mit den Grundlagen der Informatik vertraut machen. Nach der einjährigen Planungsphase suchte das Unternehmen betriebsintern Mitarbeiter, die sich weiterbilden wollten. Das anspruchsvolle Programm dauert zwei Jahre und umfasst 460 Unterrichtsstunden. In dieser Zeit verbringen die Teilnehmer jeweils den ganzen Freitag und den Samstagvormittag an der Hochschule in Bruchsal. Roche Diagnostics übernimmt die Seminarkosten und stellt die Mitarbeiter am Freitag für den Unterricht frei, die Weiterbildung am Samstag zwacken die Angestellten von ihrer Freizeit ab. "Die Resonanz war geringer als wir erwartet hatten", räumt Gaulke ein. Den ein oder anderen schreckte vermutlich das Stundenpensum ab. Immerhin verschlingt die IT-Qualifizierung 46 Wochenenden, Hausaufgaben, sowie einige Stunden für die Unterrichtsvor- und Nachbereitung kommen hinzu.

Im März 2003 startete der Kurs mit 13 Teilnehmern. Die Gruppe setzt sich aus Personen mit unterschiedlichen Berufsqualifikationen zusammen. Neben einem diplomierten Chemiker sitzen auch Meister aus der Fertigung im Hörsaal. Nach zwei Jahren als Teilzeitstudent und zahlreichen Klausuren, in denen die Teilnehmer beweisen müssen, dass sie jetzt die Grundlagen der Informatik beherrschen, können sie sich über ein Universitäts-Zertifikat freuen.

"Mit der Qualifizierung wollen wir unseren IT-Praktikern ein theoretisches Grundgerüst vermitteln. Dazu gehören vor allem die Themen Software-Engineering, Data-Mining und Qualitätskontrolle", erläutert Gaulke. Bisher zeigt sich der Projektleiter zufrieden mit den ersten Erfolgen der Mitarbeiter. Allerdings räumt er ein, dass die Vor- und Nachbereitung der Kursinhalte mehr Zeit in Anspruch nimmt als ursprünglich in der Planung vorgesehen.