Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

28.11.1986 - 

Für Sie gelesen im Softwaremarkt der IDC Deutschland GmbH:

Unix-Akzeptanz hängt von Rechnerklassen ab

ESCHBORN (CW) - Der überwiegende Teil der Unix-Aktivitäten ist bislang im Bereich der kleinen Mehrplatzsysteme zu verzeichnen. Bei den Großrechnern ist das Angebot derzeit noch vergleichsweise dann gesät. Bis 1990 dürfte sich die Situation jedoch geringfügig ändern: Die Marktforscher der IDC Deutschland GmbH, Eschborn, rechnen mit einer steigenden Verbreitung des Betriebssystems auch im Mainframe-Geschäft.

Unix gehört zu den Themen, über die vorwiegend emotional diskutiert wird. Das liegt nicht zuletzt daran, daß abgesehen von technischen Details recht wenige Informationen, wie beispielsweise Marktdaten, über Unix verfügbar sind. Die Bedeutung von Unix (wie von jedem anderen Betriebssystem auch) läßt sich aber in erster Linie an der installierten Basis und dem Auslieferungsvolumen von Unix-Rechnern ableiten.

Die Akzeptanz von Unix ist in den verschiedenen Größenklassen Large Scale (Großrechner), Medium Scale (kleine Großrechner und Minis/Superminis), Small Scale (kleine Mehrplatzsysteme) und PC (Einplatzsysteme, auch in vernetzten Umgebungen) recht unterschiedlich, wie eine Betrachtung der installierten Basis per 1. Januar 1986 zeigt. Während in dem mit einem 62prozentigen Marktanteil von IBM dominierten Großrechnerbereich das von AT&T kommende Unix eher einen schleppenden Start hatte, liegt der größte Teil der installierten Unix-Basis bei kleinen Mehrplatzsystemen für bis zu 15 Arbeitsplätze. Das ist zum einen auf die technisch-wissenschaftliche Domäne von Unix zurückzuführen, zum anderen aber auch auf die Unix-Orientierung der jungen Anbieter von Minisupercomputern wie Scientific Computer, floating point Systems oder Allient.

Im PC-Markt besitzt Unix trotz Microsofts Xenix und AT&Ts Unix-PC nur eine Randbedeutung. Die PC-Unternehmen schenken Unix sogar weniger Aufmerksamkeit als die Anbieter von Großrechnern. Die Ursache hierfür liegt im Erfolg von MS-DOS, der alternative Betriebssystemüberlegungen wirtschaftlich ad absurdum führt. Technisch-wissenschaftliche Workstations etwa von Apollo oder Sun sind im folgenden unter dem Begriff PC zusammengefaßt.

Kleine Mehrplatzsysteme für Unix an erster Stelle

Der überwiegende Teil der Unix-Aktivitäten ist bislang im Bereich der kleinen Mehrplatzsysteme zu verzeichnen. Ungefähr 30 Anbieter sind mittlerweile in diesem Marktsegment mit nennenswerten Auslieferungsstückzahlen vertreten. Besonders bei den Herstellern von Supermikros konnte sich Unix ausbreiten.

Die Situation in der Klasse "Small Scale" läßt sich wie folgt umreißen:

- Der weltweite Installationsbestand lag per Ende 1985 bei rund 210 000 Unix-Small-Scale-Computern. Das entspricht zirka 10 Prozent aller kleinen Mehrplatzsysteme und über 75 Prozent aller Unix-Rechner.

- 1985 wurden rund 67 000 kleine Mehrplatzsysteme mit Unix ausgeliefert, die 20 Prozent aller Small-Scale- und 58 Prozent aller Unix-Auslieferungen stellten.

- Der Wert des 1985 abgesetzten Unix-Small-Scale-Rechner lag bei 1,35 Milliarden Dollar oder 11 Prozent aller Small-Scale- beziehungsweise 37 Prozent aller Unix-Auslieferungen.

Die 67 000 Unix-Anlagen der Klasse Small Scale, die im vergangenen Jahr einen Kunden fanden, entsprechen nur 32 Prozent der installierten Basis dieser Systeme. Dieses Verhältnis (Auslieferungen 1985 gegenüber installiertem Bestand) ist in anderen Rechnergrößenklassen deutlich höher als 32 Prozent - ein Indiz dafür, daß der in der Vergangenheit kräftig gewachsene Unix-Small-Scale-Markt nunmehr etwas nachgibt.

Jährlicher Zuwachs von 28 Prozent wahrscheinlich

Für den Zeitraum zwischen 1985 und 1990 erwartet IDC Zuwachsraten im Bereich kleiner Unix-Mehrplatzsysteme, die unter denen der Unix-Rechner anderer Hardwareklassen, aber deutlich oberhalb des Gesamtmarktes für Small-Scale-Computer liegen.

Die Entwicklung bis 1990 läßt sich quantitativ wie folgt beschreiben:

- 1990 wird der installierte Bestand von Unix-Small-Scale-Rechnern bei fast 720 000 Systemen liegen; das entspricht rund 16 Prozent der Gesamtbasis kleiner Mehrplatzsysteme. Daraus errechnet sich zwischen 1985 und 1990 eine durchschnittliche jährliche Zuwachsrate von annähernd 28 Prozent. Zum Vergleich: Der Gesamtmarkt für Small-Scale-Computer wird sich im gleichen Zeitraum nur um durchschnittlich 15 Prozent pro Jahr ausweiten.

- Das Auslieferungsvolumen kleiner Unix-Mehrplatzsysteme wird 1990 bei über 155 000 Einheiten liegen (26 Prozent des gesamten Small-Scale-Marktes). Das kommt einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 18 Prozent pro Jahr gleich (gesamter Small-Scale-Markt: 13 Prozent). Der Small-Scale-Anteil am Unix-Markt (Auslieferungen) wird von 58 Prozent in 1985 auf 23 Prozent in 1990 fallen.

- Der Wert der 1990 ausgelieferten kleinen Unix-Mehrplatzsysteme wird über 2,8 Milliarden Dollar betragen. Das entspricht einem Anteil von 13 Prozent am gesamten Small-Scale-Markt beziehungsweise 29 Prozent des Unix-Marktes.

Die Spitzenreiter im Markt der kleinen Unix-Systeme sind Tandy (die in den USA über 14 000 Multiuser-Anlagen auf Xenix-Basis über ihre Läden in den Markt schleuste), Altos (mit dem Schwerpunkt Supermikros) und NCR (die mit der Tower-Serie zum Champion im 32-Bit-Sektor wurde).

Der mit 8,3 Prozent geringe Anteil der "Unix-Mutter" AT&T ist bezeichnend für die generelle Schwäche des US-Telefonriesen im Computergeschäft. Allein in diesem Jahr beläuft sich der Betriebsverlust AT&Ts vor Steuern im DV-Bereich auf 700 bis 800 Millionen Dollar. Konsequenterweise will sich das Unternehmen zukünftig wieder verstärkt als Kommunikationsanbieter präsentieren.

Inwieweit eine Umorientierung AT&Ts Auswirkungen auf die allgemeine Unix-Entwicklung haben wird, bleibt abzuwarten. Schließlich profitieren heute viele Unternehmen wesentlich stärker von der Unix-Schiene als AT&T selbst.

Die Durchdringung von Unix im Bereich mittlerer Systeme (Computer mit typischerweise 16 bis 128 Arbeitsplätze in kommerziellen Umgebungen) läßt sich folgendermaßen beschreiben:

- Mit einem weltweiten installierten Bestand von 6930 Unix-Systemen der Klasse Medium Scale weist dieses Segment einen Anteil von 2,5 Prozent am gesamten Unix-Markt auf. Die Tatsache, daß der Anteil am Auslieferungsvolumen 1985 mit 3,5 Prozent einen Prozentpunkt über dem Bestandsanteil liegt, läßt auf eine Kräftigung des mittleren Unix-Marktes schließen.

- Das Wachstum im Medium-Scale-Unix-Bereich wird von höheren Zuwachsraten im Markt für Unix-PCs (stückzahlmäßig) und Großrechnern unter Unix (wertmäßig) überflügelt, so daß der Anteil mittlerer Unix-Rechner bis 1990 sowohl am installierten Bestand als auch am Auslieferungsvolumen des Unix-Marktes abnehmen wird. Hierin teilen die Bereiche Small und Medium Scale das gleiche Schicksal.

Die Hauptursache für die wertmäßige Abnahme des Medium-Scale-Anteils am Unix-Auslieferungsvolumen zwischen 1985 und 1990 ist in der stärkeren Verbreitung von Unix im Großrechnerbereich zu sehen.

Die längste Unix-Tradition im Mainframe-Bereich weist Amdahl auf, die 1981 ihr Unix-Derivat UTS (Universal Timesharing System) als Gastbetriebssystem unter VM vorstellte und im Januar dieses Jahres mit UTS/580 die erste Native-Portierung von Unix für die /370-Architektur auf den Markt brachte.

SW-Kompatibilität bei IBM-Produktlinie verbessert

Die IBM bietet nach einigem Zögern mit IX/370 nun auch eine Unix-Implementierung für ihre Großrechner an. Im August stellte das Unternehmen zudem einen C-Compiler für die /370 Architektur vor, so daß eine gewisse Softwarekompatibilität in das Produktspektrum kommt (vom PC bis zum Mainframe).

Andere Anbieter von Großrechnern wie Fujitsu, Sperry oder seit kurzem auch Hitachi offerieren ebenfalls Unix als Gastbetriebssystem. IBMs Klage gegen Fujitsu wegen Verletzung der Urheberrechte bei MVS/ XA (die Fujitsu voraussichtlich 100 Millionen bis 1,2 Milliarden Dollar kosten dürfte), wird die Unix-Orientierung der Mainframer weiter forcieren. Native-Unix wird allerdings auf absehbare Zeit eine Seltenheit bleiben.

Per Ende 1985 war nur auf zirka einem Prozent der weltweit installierten Großrechner ein Unix-Derivat verfügbar. Dennoch muß man Unix für 1985 einen Erfolg bei Mainframes bescheinigen:

- Über 75 Prozent des per Ende 1985 installierten Bestandes an Unix-Großrechnern wurde im Laufe des letzten Jahres ausgeliefert (125 Anlagen). Das entspricht knapp vier Prozent aller Mainframeauslieferungen (im Vergleich zu einem Prozent am Bestand).

- Der Wert der 1985 beim Kunden installierten Unix-Großrechner beläuft sich auf 400 Millionen Dollar oder rund zwei Prozent aller Großrechnerauslieferungen (Gesamtwert 17 Milliarden Dollar). Die Diskrepanz (vier Prozent nach Stückzahlen und zwei Prozent nach Wertvolumen) zeigt, daß Unix-Rechner im Schnitt kleiner konfiguriert sind als andere Mainframes.

Die Hauptursache für die wertmäßige Abnahme des Medium-Scale-Anteils am Unix-Auslieferungsvolumen zwischen 1985 und 1990 ist in der stärkeren Verbreitung von Unix im Großrechnerbereich zu sehen.

Bis 1990 wird sich Unix auf Mainframes weiter ausbreiten. 1990 werden weltweit rund 1400 oder fünf Prozent der installierten Großrechner mit Unix ausgerüstet sein. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Zuwachsrate der Unix-Mainframes von über 55 Prozent zwischen 1985 und 1990. Zum Vergleich: Der weltweite Großrechnermarkt wird insgesamt nur auf eine Zuwachsrate von knapp 9 Prozent kommen. Der Anteil der Unix-Mainframes im installierten Unix-Rechnerbestand wird erwartungsgemäß auch 1990 mit 0,1 Prozent verschwindend gering sein.

Nach IDC-Schätzungen werden 1990 zirka 520 Großrechner mit Unix ausgeliefert; das kommt zwölf Prozent aller Mainframe-Auslieferungen gleich. Die durchschnittliche Wachstumsrate errechnet sich zu 33 Prozent (Großrechner insgesamt: knapp sechs Prozent). Der Anteil der Unix-Großrechner gemessen an allen Unix-Rechnerauslieferungen wird 1990 bei 0,1 Prozent liegen.

Eine wertmäßige Betrachtung des Unix-Marktes 1990 verdeutlicht das Vorpreschen der Mainframes. Von 1985 bis 1990 können sie ihren Anteil am Unix-Rechnerumsatz von elf Prozent auf 27 Prozent ausbauen. Dies entspricht einer durchschnittlichen Wachstumsrate von beachtlichen 47 Prozent im Jahr, während das gesamte Mainframevolumen im gleichen Zeitraum wahrscheinlich nur Zwischenraten von sieben Prozent aufweisen wird.

Drei Viertel aller Unix-Mikros unter Xenix

Im PC-Bereich konnte sich Unix bislang insbesondere in Form von Microsofts Xenix durchsetzen. Rund 75 Prozent der per Ende 1985 installierten Unix-PCs sind mit Xenix ausgerüstet. Die weltweite Entwicklung von Unix im PC-Markt ist durch folgende Eckdaten gekennzeichnet.

- Fast 22 Prozent der per Ende 1985 installierten Unix-Rechner sind Personal Computer (einschließlich T/W-Workstations). Bis 1990 wird sich der PC-Anteil auf 65 Prozent erhöhen. Das entspricht einem installierten Bestand von annähernd 1,41 Millionen Unix-PCs zu Beginn des nächsten Jahrzehnts.

- 1985 stellten Unix-PCs fast (...) Prozent aller Unix-Rechnerauslieferungen. 1990 wird dieser Anteil auf über 75 Prozent gestiegen sein. IDC erwartet, daß 1990 weltweit über eine halbe Million PCs mit Unix als Betriebssystem ausgeliefert werden.

- Der Anteil der Unix-PCs am Wertvolumen aller Unix-Rechnerauslieferungen wird von 1985 bis 1990 von 14,7 Prozent auf 16,3 Prozent steigen. Dennoch wird der PC-Bereich im gleichen Zeitraum von allen anderen Rechnersegmenten anteilsmäßig überflügelt, so daß er 1990 vom Auslieferungswert her am unbedeutendsten ist.

Dabei ist zu bedenken, daß PCs, die unter Unix laufen, überwiegend in vernetzten Umgebungen eingesetzt werden. Stand-alone-Geräte dienen bestenfalls als Entwicklungssysteme.