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12.03.1993 - 

Santa Cruz Operation macht sich bei grossen Unix-Anwendungen unentbehrlich

Unix-Anbieter SCO schluckt englisches Softwarehaus Ixi Ltd.

Der bereits seit August vergangenen Jahres geplante Merger von SCO und Ixi wurde jetzt durch einen Aktienaustausch vollzogen. Ueber den Wert des Deals schwiegen sich sowohl Ixi-Chef Ray Anderson als auch Geoff Sebrook, Vice-President Strategic Planning von SCO, aus. Als Anderson im Gespraech mit der COMPUTERWOCHE den Betrag als "sehr hoch" bezeichnete, berichtigte ihn der SCO- Topmanager mit der Klassizifierung "angemessen".

Klar scheint, dass Ixi zumindest keine finanziellen Gruende hatte, sich einen Seniorpartner zu suchen. Fuer das Geschaeftsjahr 1992, das im August endete, bezifferte Anderson den Umsatz mit 3,5 Millionen Pfund (derzeit etwa 8,2 Millionen Mark) und den Gewinn auf 350 000 Pfund (820 000 Mark). Darueber hinaus verfuegte Ixi damals ueber Bankreserven von 2 Millionen Pfund oder rund 4,7 Millionen Mark. Ausserdem gilt das Unternehmen mit rund 50 Prozent Marktanteil als die Nummer eins fuer Desktop-Management-Software unter Unix.

Die Ziele von SCO bei diesem Merger sind offensichtlich. Ixi oeffnet dem Intel-Spezialisten die Tuer zum gesamten Unix-Markt auf RISC-Basis.

Konkurrenzdruck im PC-Bereich

Die grafische Management-Software "X.Desktop" von Ixi laeuft auf allen Systemen, die die weit verbreitete Benutzeroberflaechen-Technik Motif von der Open Software Foundation einsetzen. Unix-Anbieter wie Bull, Digital Equipment, IBM, ICL, NEC, NCR und Unisys liefern bereits jetzt ihre Betriebssyteme mit dem Ixi-Produkt aus.

SCO-Vice-President Sebrook streitet allerdings ab, dass die mit Ixi-Hilfe moeglich gewordene Ausweitung des Geschaeftes auf den RISC-Markt mit dem verschaerften Konkurrenzdruck im PC-Bereich zu tun hat. Noch behaupten SCOs Unix-Betriebssysteme dort einen Marktanteil von rund 70 Prozent. Inzwischen ist jedoch die Novell- Tocher Univel mit dem Netware-faehigen Low-end-Unix "Unixware" zu einem ernsthaften Konkurrenten geworden. Ebenfalls als potenter Mitbewerber duerfte sich das Sun-Tochterunternehmen Sunsoft entpuppen, das schon jetzt mit Interactive-Unix am Markt ist und wird in Kuerze mit Solaris 2 fuer Intel ein zweites Produkt anbieten.

Auch die Vermutung, SCO wolle angesichts dieser Wettbewerbssituation das Schwergewicht der Aktivitaeten vom Betriebssystem-Verkauf auf das Geschaeft mit grafischen Systemumgebungen verlegen, weist Sebrook weit von sich: "Unser Kerngeschaeft aendert sich in keiner Weise. Das gilt auch fuer unser Bekenntnis zur Intel-Plattform."

Gleichzeitig betont Sebrook, dass sein Unternehmen mit aller Kraft in das Cross-Plattform-Geschaeft draenge. Fuer eine strategische Neuorientierung spricht auch, dass Ixi einen Teil der Entwicklung der Systemumgebung Open-Desktop (ODT) uebernehmen soll.

Auf diese Weise, so spekulieren Branchenkenner, liesse sich ODT mittelfristig von SCOs Betriebssytemprodukte abkoppeln und als eigenes Produkt auf beliebigen Unix-Plattformen vermarkten.

Dieser Deutung widerspricht Ixi-Gruender und kuenftiger SCO-Vice- President Anderson. Nach seiner Aussage erwarten sich die beiden Unternehmen einen Marktvorteil durch die getrennte Vermarktung zweier Produktlinien, die sich nur in einem Punkt treffen: der X.Desktop-Oberflaeche von SCOs Systemumgebung Open Destop (ODT).

Nach diesem Konzept soll sich SCO auf den Betriebssystem-Markt auf Intel-Basis konzentrieren, waehrend Ixi plattformuebergreifend seine Desktop-Manager-Produkte an den Kunden bringt. Um sich bei der Vermarktung nicht ins Gehege zu kommen, wird Ixi weiterhin unter Andersons Leitung als eigenstaendiges Tochterunternehmen agieren und die SCO-Mutter wie andere Kunden mit X.Desktop beliefern. Fuer die Anwender habe diese Vorgehensweise zudem den Vorteil, dass sie auf jedem Unix-System eine einheitliche Benutzeroberflaeche vorfinden.

Bleibt die Frage, ob die Verfolgung dieser Strategie nicht auch im Rahmen der bereits bestehenden Partnerschaft moeglich gewesen waere. Anderson beantwortet sie mit dem Hinweis, dass es angesichts der sich haeufenden Kaufangebote immer schwieriger geworden sei, die Selbstaendigkeit zu bewahren. Ein unabhaengiger Kurs sei gegenueber den Investoren kaum noch zu vertreten gewesen.

Fuer Ixi ging es nach Angaben des Firmengruenders nur noch darum, den richtigen Partner zu finden. Dabei seien die Hardware-Anbieter ausgeschieden. "Die Festlegung auf einen Hersteller haette uns bei der Vermarktung von X.Desktop auf den anderen Plattformen geschadet", erklaerte Anderson.

Aehnliche Firmenkultur

Unter den Softwarefirmen hat dann schliesslich SCO das Rennen gemacht. Neben der Hoehe des Angebots war nach Ixi-Auskunft entscheidend, dass beide Unternehmen als reine Open-Systems- Companies eine aehnliche Firmenkultur entwickelt und sich die Produkte in der oben beschriebenen Form ergaenzt haetten. Ausserdem erschien die 160-Millionen-Dollar-Company SCO den Anlegern als vielversprechend.