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CSE-Seminar beleuchtet Standard für Mehrplatzsysteme:


16.06.1989 - 

Unix-Anwender zeigen sich optimistisch

MÜNCHEN (CW) - Vertrauen In Unix: So lautete der Konsens von Vorreitern aus Anwenderunternehmen auf dem "IDG-CSE-Unix-Anwender-Forum '89" in München trotz mancher Enttäuschung. Hakt es bei der Implementierung, lassen Hersteller die Anwender nämlich bislang nicht selten im Regen stehen: Gute Unix-Spezialisten fehlen rundum.

"Erwartungen, die die Landesverwaltung Nordrhein-Westfalen an Unix knüpfte, haben sich meistens erfüllt", blickt Alex Schumacher auf das vergangene Jahr zurück. Seit 1988 ist Unix, "gemäß X/Open", verbindlich als Betriebssystemstandard für Mehrplatzsysteme vorgeschrieben. Der Oberregierungsrat aus dem Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft nannte vor Anwenderkollegen und Unix-Entwicklern als Bilanz 2700 Unix-Arbeitsplätze und einen Unix-Anteil von 66 Prozent bei allen dezentralen Mehrplatzsystemen.

Der "verläßliche, gut dokumentierte Standard" machte den DV-Einsatz in der Landesverwaltung wirtschaftlicher. So ließen sich zentrale DV-Ressourcen wirkungsvoller nutzen. Die DVer in Düsseldorf könnten nun herstellerunabhängig planen und entwickeln, Anwendungssoftware sei portierbar und gemeinsame Entwicklungen von speziellen Applikationen für den öffentlichen Bereich seien möglich.

Auch die Personalkosten für DV-Leistungen gingen herunter. Schumacher sparte besonders bei der Aus- und Weiterbildung von Anwendern sowie Programmierern ein.

Als weiterer Großanwender setzt die Daimler-Benz-AG in Stuttgart mit einem DV-Gesamtbudget von 1,15 Milliarden Mark vor allem im technisch orientierten, produktionsnahen Sektor auf Unix. Im kommerziellen Anwendungsbereich sei der Durchbruch bislang indes nicht gelungen, so Werner Ruisinger.

Daimler gibt konzernweit anwendbaren Standardlösungen gegenüber innovativen Insellösungen den Vorzug. Dabei befinde sich der Automobilbauer im Spannungsfeld zwischen öffentlichen Standards, die der Technikentwicklung nicht selten hinterherhinken, und dem Industriestandard. Der Leiter der Abteilung Software- und Bürotechnologie charakterisiert als Informationstechnikstrategie des Automobilkonzerns den Industriestandard SAA und sieht Unix als Ergänzung an.

Für Hostrechner sei Unix als Betriebssystem nicht geeignet. Sowohl der Büro- als auch der Betriebsrechnerbereich stellen indes mögliche Einsatzgebiete für Unix-Systeme dar. Ruisinger erwartet, daß sich neben SAA auch Unix als herstellerneutraler Standard zunehmend durchsetzt.

Voraussetzungen dafür seien im Bereich Betriebsrechner beispielsweise volle Kommunikationsfähigkeit, bei Bürorechnern Portabilität der Anwendungssoftware zu SAA-Systemen, Einbindung in SNA-Netzwerke und Token-Ring-LANs sowie die Unterstützung der Office-Standards DIA/DCA als auch TOP.

Im CIM-Umfeld soll Unix bei den Stuttgartern die Systemvielfalt herabschrauben und Herstellerabhängigkeiten verringern helfen: "Vorliegende Erfahrungen sind positiv", so Ruisinger.

Dennoch: Einige Wermutstropfen haben Schumacher und Ruisinger, zusammen mit anderen Unix-Anwendern, bislang noch zu schlucken. So fehlten technische Konzeptionen

etwa für eine komfortable, wirkungsvolle Integration von MS-DOS- und Unix-Rechnern, und auch für, eine Vernetzung bleibe noch Entwicklungsarbeit zu leisten.

Datenschutz unter Unix sei bislang noch ein Stiefkind. Gerade für den kommerziellen Einsatz müsse der Zugriffsschutz verfeinert werden, fordert der Daimler-Experte: "Zur Zeit kann die Sicherheit nur ein sehr erfahrener Systemverwalter gewährleisten."

Weiterhin enttäuschen in Düsseldorf und Stuttgart die Qualität und Stabilität der Anwendersoftware. Wobei die von PC-Standards verwöhnten Nutzer vor allem die derzeit noch spartanischen Benutzeroberflächen bemängelten.

Besonders in der Anfangsphase ist die Geduld des Anwenders gefordert, mußte darüber hinaus der Ministerialbeamte Schumacher erfahren. Häufig könnten auch renommierte Hersteller bei der systemtechnischen Betreuung nicht befriedigen: "Die wirklich guten Unix-Spezialisten fehlen einfach."

Unklarheit herrsche noch darüber, so Software- und Bürotechnologie-Fachmann Ruisinger, bis zu welchen Teilnehmerzahlen sich Unix mit Blick -auf Performance für transaktionsorientierte Verarbeitung eigne.

Unisono monierten die Referenten aus Verwaltung und Automobilbau schließlich, daß auch langjährige X/Open-Mitglieder immer noch lediglich Lippenbekenntnisse statt Konformität pflegten.

Trotz des Beitritts von OSF und Unix International zur X/Open-Gruppe bereitet den Anwendern die Spaltung des Unix-Lagers immer noch Sorge. In Bereichen, in denen noch keine X/Open-Standards definiert wurden, könnten durch unterschiedliche Entwicklungen beide Lager ihre Konsensfähigkeit verlieren.

Schließlich könnten Anwender bislang in den Standardisierungsgremien nur auf Sparflamme mitarbeiten: Mehr Partizipation sowie Stimmrecht gerade bei "politischen" Fragen sei gewünscht.

Seminardokumentation und Information: IDSG-CSE, Conferences, Seminars, Education, IDG Communications Verlag AG, Rheinstraße 28, 8000 München 40, Telefon 089/ 360 86-166 oder - 169.