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05.10.1990

Unix auch für OLTP: Vorurteil beseitigt

Computer-Experten wissen, daß man mit Software letztlich alles machen kann: emulieren, simulieren und was sonst noch - nichts ist unmöglich. Im Klartext: Es ist falsch zu unterstellen, daß wir, was die DV-Anwendung betrifft, mit Systembrüchen und natürlichen Grenzen leben müssen. Und doch stützen sich einige DV-Hersteller beharrlich auf das Argument, daß für die Bewältigung bestimmter Aufgaben auch eine ganz bestimmte neue Hardware erforderlich sei - im Zweifel ihre eigene - , weil die alte von einer gleichfalls neuen Betriebssoftware nicht mehr unterstützt werde. Die IBM hat diesen Trick bis zur Perfektion entwickelt. PS/2 unter OS/2 ist ein Beispiel dafür - als ob es MS-DOS in Verbindung mit Windows nicht auch täte, wie Microsoft beweist. Mit anderen Worten: Nichts einfacher als MS-DOS und Windows aufzubohren, um jene technischen Barrieren niederzureißen, für deren Überwindung vermeintlich nur OS/2 geeignet ist. Mit Software kann man eben alles machen - wenn man nur will.

Warum nicht auch mit Unix? Abenteuerliche Dinge sind in der Vergangenheit aus einer bestimmten Ecke über Unix behauptet worden: Als karge Liegestatt für technisch-wissenschaftliche Anwendungen auf Minicomputern möge das Bell-Betriebssystem ja noch angehen, als Kuschelcouch für kommerzielle Anwendungen auf Mainframes käme es nicht in Frage, der Ärger beginne schon mit den Batchprogrammen. Und dann diese Schwäche bei der Transaktionsverarbeitung, igitt! Amdahl und andere Mainframe-Anbieter haben dieses Scheinargument längst widerlegt, doch werden die Unix-Möglichkeiten der PCM-Maschinen von /370-Anwendern noch kaum genutzt.

Insofern haben die DV-Verantwortlichen der US-Hotelkette Hyatt etwas Aufregendes mitzuteilen: "Wir sind flexibler geworden." Der Bettenvermieter setzte bis vor kurzem ein System IBM 4381 ein, um die Zimmer-Reservierungen vorzunehmen. Jetzt wurden AT&T-Systeme für diese OnLine-Transaction-Processing-Anwendung (OLTP) gebucht (Seite 1: "Hotelkette Hyatt nutzt Unix für Transaktionsverarbeitung"). Die Sensation liegt nicht in der Tatsache, daß sich ein großer DV-Anwender von IBM abwendet, sondern vielmehr darin, daß mit einem Vorurteil aufgeräumt wird. Unter Unix kann man alles machen, so die Message.

Für /370-Anwender könnte die Hyatt-Endscheidung ein Denkanstoß sein. Das falsche Bild, Unix sei nix für die kommerzielle Datenverarbeitung, sollte für alle Zeit beseitigt werden. Kritisch nachfragenden Anwendern gibt das Hyatt-Beispiel Rezepte an die Hand, neue Lösungsmöglichkeiten auszuprobieren. Bereits-Unix-Anwender - längst keine seltene Spezies mehr - können sich bestätigt fühlen. Schließlich: Die IBM wird sich auf den Unix-Trend einstellen müssen.