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Unix besser als gar nix

06.09.1991

Nur wenige Persönlichkeiten der DV-Branche sehen die Dinge so unprätentiös und gelassen wie Peter Norton. Der bekannte amerikanische PC-Software-Entwickler, als MS-DOS-Spezialist dem Microsoft-Gründer Bill Gates kongenial verbunden, hat wie dieser nichts übrig für Unix, nennt das Viel-Plattformen-Betriebssystem jedoch ein "notwendiges Übel", und fügt mit einer Anspielung auf das seiner Meinung nach utopische Kompatibilitäts- und Portabilitätsziel hinzu: "... besser als gar nichts." Diese Aussage (siehe auch Seite 1) trifft den Kern des Unix-Problems.

Alles hatte damit angefangen, daß es ein großer Anwender leid war, seine Software ständig an neue Hardwaresysteme anzupassen. Leider handelte es sich um eine semi-wissenschaftliche Institution, nämlich die Bell Laboratories, und bei den Entwicklern um Amateure: Das hat Unix den Ruf eingebracht, ein nutzloses, wenn auch anspruchsvolles Spielzeug für Freaks aus dem technisch-wissenschaftlichen Bereich zu sein nichts für normale Anwender jedenfalls, schon gar kein Thema in der kommerziellen IBM-Welt.

Diese Tatsache wird meist falsch interpretiert. So sagen Kritiker, daß es nicht gelungen sei, die Funktionalität von Unix, was etwa die Datensicherheit betrifft, in ausreichendem Maße zu erhöhen. Indes verbirgt sich hinter der Mißachtung, die Unix in der kommerziellen Datenverarbeitung immer noch erfährt, eine fast revolutionäre Wandlung. Sie besteht darin, daß sich die Anwender als Einkäufer von DV-Equipment - ihrer Abhängigkeit bewußt werden. An der Ausgangssituation (siehe Bell Labs) hat sich ja nichts geändert. Man versucht also, aus der proprietären Ecke herauszukommen. Tendenziell, das haben viele DV-Manager erkannt, ist Unix noch die beste unter allen mehr oder weniger unzulänglichen Möglichkeiten, DV-Freizügigkeit auf Systemebene herzustellen eben "besser als gar nichts".

Wir können das Problem auch andersherum stellen: Wenn sich die traditionellen DV-Anbieter am Markt halten wollen, müssen sie Unix in Kauf nehmen. Sich hinter technischen Argumenten zu verschanzen, ist die bei weitem dümmste Reaktion. Durchsichtig auch die Klage, Unix sei nicht offen, wie von IBM-nahen Beratern immer wieder behauptet wird (siehe auch CW Nr. 34, Seite 8: "Ein Plädoyer gegen Unix"). Nur soviel: Wo bleibt das Geschrei, wenn es um die IBM-Systeme DOS/VSE, MVS, OS/400 oder OS/2 geht?

Über die Motive des Mainframe-Marktführers muß man nicht reden. Welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um Markt in der DV herzustellen - und darauf kommt es an -, bestimmen zunehmend die Anwender. Noch sitzen nur wenige in den Normungsgremien, aber der Einfluß wächst über die Köpfe der Unix-Spötter hinweg.