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27.05.1988 - 

Auch Siemens, Nixdorf, Bull und Philips im OSF-Boot, aber:

Unix-Contras lassen die Anwender außen vor

KÖLN/STUTTGART/GENF (cmd/ mer) - Zu den Initiatoren der Anti-AT&T/Sun-Front in Sachen Unix (siehe CW Nr. 21 vom 20. Mal 1988, S. 1) gehören nicht nur die vier US-Anbieter IBM, DEC, HP und Apollo, sondern mit Siemens, Nixdorf, Bull und Philips auch vier europäische Unix-Protagonisten. Bisher freilich hat die "Open Software Foundation" (OSF), so der hochtrabende Name des neuen Clubs, einen gravierenden Schönheitsfehler: Anwender sind nicht präsent und wurden offenbar bisher auch gar nicht auf eine Mitgliedschaft angesprochen (siehe auch Kolumne, Seite 9).

"Das ist eine völlig überraschende Variante", charakterisiert Dieter Weber, Abteilungsdirektor Datenverarbeitung des Gerling-Versicherungskonzerns in Köln und eines der beiden deutschen Mitglieder im X/Open-Anwenderbeirat, die Situation aus Kundensicht. Über die Gründung der OSF wurde Weber erst unmittelbar vor deren öffentlichem Auftritt in Genf und New York telefonisch unterrichtet - von X/Open aus London. Für Daimler-Benz, ebenfalls mit Sitz und Stimme im Beirat vertreten, kam die OSF-Initiative offenbar sogar derart überraschend, daß sich das größte bundesdeutsche Unternehmen weder zu einer Reaktion noch zu einer ersten Stellungnahme in der Lage sah.

Dieses Vorbeipreschen am Anwender ist um so erstaunlicher, als John L. Doyle, Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrates und bei Hewlett-Packard als Vice President verantwortlich für den Bereich Systemtechnologie, die Errichtung der Stiftung ausdrücklich als "die Antwort auf das drängende Verlangen nach einer offenen, vernünftigen und ausgewogenen Vorgehensweise, um zu den Standards zu gelangen, die unsere Kunden verlangen und die ihre langfristigen Investitionen schützen", bezeichnet.

Dagegen stellt die GUUG Vereinigung Deutscher Unix-Benutzer e.V. die Frage, welche Ziele von der OSF verfolgt werden, die nicht bisher schon in ausreichendem Maße von anderen Instituten angestrebt wurden. Die User-Gruppe hält deshalb einen "neuen politischen Kürzeltrick der IBM" nicht für abwegig (siehe Stellungnahme der GUUG unten). "Es liegt nahe zu vermuten, daß die nicht übermäßig erfolgreichen SAA-Bemühungen der IBM und das nicht mehr abzuweisende Verlangen der Anwender nach offenen Standards nach einer Reaktion der IBM verlangen", kommentiert GUUG-Presse-Koordinator Ralph Treitz. "Die GUUG hätte in diesem Zusammenhang einen Eintritt der IBM in X/Open sehr begrüßt. Wie sich aber nun X/Open und OSF gegenüberstehen werden, ist nicht absehbar."

Unabhängig von den tatsächlichen und derzeit wohl schwer einschätzbaren Absichten, die die "Unix-alternativen" Anbieter mit ihrem Schritt verbinden - der Chef der Gerling-DV rechnet zunächst mit einer Verunsicherung des Marktes, "weil die Anwender erneut die Frage stellen: Was ist denn nun der Weg, den wir gehen sollen?" Die Auswirkungen. auf X/Open müsse man abwarten; zwar verstehe sich dieses Konsortium als Gruppe, die Standards schafft oder definiert, und nicht so sehr als Supplier von Software", doch wenn man andererseits sehe, wer an der Open Software Foundation teilnehme, IBM zum Beispiel, dann, so Weber wörtlich, muß man da natürlich auch ein paar Fragezeichen machen." (siehe auch Interview, Seite 48)

Die Gefahr, daß der womöglich mit erheblichen Zugeständnissen an die einzelnen Mitunterzeichner befrachtete OSF-Vertrag zu Verunsicherungen im Markt führen könnte, wird auch von der deutschen NCR gesehen. "Die Neuschöpfung eines portablen Betriebssystems", meint Wolfgang Lurg, Direktor Produkt-Marketing, könnte das Wachstum im Bereich Industriestandardsysteme eher bremsen als fördern." Helmuth Coqui, Geschäftsführer der Münchner Softlab GmbH, geht in seiner Analyse noch weiter: "Das ganze Geschwätz von der Nicht-Standardisierung von Unix ist von IBM und DEC generiert, um den Markt zu verunsichern." (siehe auch Schwerpunkt, Seite 27)

Die Fragezeichen kreisen denn auch vor allem - neben der Tatsache, daß sich in der OSF Unternehmen zusammengetan haben, die meist als Erzrivalen am Markt agieren - um die Rolle, die die Foundation als Ganzes sowie die IBM im besonderen künftig im Rahmen der Unix-Standardisierung und -Produktentwicklung zu spielen gedenken. Die sieben Stiftungsmitglieder selbst, zu denen noch während der Parallel-Pressekonferenz in Genf und New York die holländische Philips als Nummer Acht stieß, betonten ausdrücklich, daß die Mitgliedschaft allen Hard- und Software-Herstellern, Bildungsinstitutionen, Regierungsbehörden und Organisationen in der ganzen Welt offenstehe. Ihre Zielsetzung definieren sie so: "Die OSF ist eine nicht-kommerzielle Forschungs- und Entwicklungsorganisation, die von der Industrie getragen wird. Sie wird Spezifikationen definieren, ein Hochleistungsbetriebssystem entwickeln und eine offene, portierbare Anwendungsumgebung fördern." Dazu der Kommentar von IBM-Konzernchef John Akers: "Dies wird aber keinesfalls unser eigenes Engagement beeinträchtigen."

Ausgangspunkt für die Application Environment Specification, Level Zero- (siehe Übersicht, sind dabei zunächst Posix- und X/Open-Spezifikationen, die "um verteilte Datenverarbeitung, Graphik und Benutzerschnittstellen ausgebaut werden. Auch über, die weitere Marschrichtung in Sachen neues Betriebssystem, für das dann internationale Lizenzen vergeben werden, ist sich die Stiftung bereits einig. Dieses wird "die wesentlichen Technologie-Elemente einer künftigen Version des IBM AIX als Entwicklungsbasis verwenden", aber auch Einrichtungen enthalten, "die Unix-Anwendungen auf der Basis von System V und Berkeley unterstützen."

Wann dieses neue Betriebssystem freilich als Produkt auf dem Markt sein wird, steht noch in den Sternen, da derzeit völlige Unklarheit über die wichtigste Voraussetzung, das zukünftige AIX, herrscht. Nach Auskunft eines Sprechers der IBM Deutschland ist jedenfalls nichts über die Verfügbarkeit dieser neuen Version bekannt.

Die Anwender reagieren auf solche Nonannouncements mit Skepsis. "System V und Berkeley 4.3 sind heute Standard und fließen eindeutig auch immer mehr zusammen", konstatiert Horst Eggert, Abteilungsleiter Zuverlässige Software am Institut für Datenverarbeitung in der Technik (IDT) des Kernforschungszentrums Karlsruhe. "Wenn man sich zudem vor Augen hält, wie das Unix-Betriebssystem entstanden ist und daß sich die Akzeptanz bei den Benutzern auch ohne große Marktstrategien seitens der Anbieter eingestellt hat, betrachte ich Gegen-Aktivitäten cool und gelassen."

Application Environment Specification Level Zero

Operating System

- Posix Standards-, ANSl, ISO, FIPS

- X/Open XPG3, base level

Languages

- C: ANSI X3J11

- Fortran: ANSI X3.9-1978, ISO 1539-1980(E), FIPS 069-1

- Pascal: ANSI X3J9, ISO 7185-1983, FIPS 068-1

- Basic:

Minimal Basic: ANSI X3.60-1978, FIPS 068-1

Full Basic: ANSI X3.113-1987, FIPS 068-2

- Cobol: ANSI X3.23-1985 High Level, FIPS 021-2

- LISP: Comon LISP, ANSI X3J13

User Interface/Distributed Window Manager

- X Windows System Version 11, ANSI X3H3

- Libraries: X language bindings, ANSI X3H3

Graphics Libraries

- GKS, ANSI X3.124-1985, FIPS 120

- PHIGS, ANSI X3H3.1

Networking Services

- Selected ARPA/BSD Services

- TCP (MIL-STD-1778), IP (MIL-STD-1777), SMTP (MIL-STD-1781), TELNET (MIL-STD-1782), FTP (MIL-STD-1780)

- Selected OSI protocols

Database Management

- SQL: ANSI X3.135-1986 (with 10/87 addendum), levels 1 & 2, FIPS 127 b: