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04.10.1991

Unix - die DV der 90er Jahre

Harald Speyer, Geschäftsführung der Itos Computer GmbH, Frankfurt

Zwar stellen die proprietären Betriebssysteme im Mehrplatz-Bereich auch noch auf mittlere Sicht den Großteil der Installationen. Doch das darf keinen Anbieter dazu verleiten, sich auf den dort erworbenen Lorbeeren ausruhen zu wollen. Denn Unix ist auf dem besten Wege, die DV-Welt in den 90er Jahren nachhaltig zu verändern - ähnlich wie das die sogenannte Mittlere Datentechnik in den 70er und die PCs in den 80er Jahren getan haben.

Wir erinnern uns: Anfang der 70er begannen sich Computer von den Rechenzentren in die Büros vorzuwagen. DV war nicht mehr allein den damaligen Großrechnern vorbehalten, DV fand mit den Systemen der Mittleren Datentechnik den Weg zu den Arbeitsplätzen. Anfang der 80er Jahre haben dann PCs den Markt für Arbeitsplatz-Rechner revolutioniert. Mit ihnen wurde erstmals ein Standard kreiert, der die Voraussetzung schuf für die heute ungeheure Vielfalt an Hardware, Peripherie und Software.

Das kam dem Anwender zugute. Zehn Jahre, nachdem die ersten Standard-PCs auf den Markt kamen, ist gute PC-Leistung sehr preiswert. Noch nie war es möglich, Computerleistung so preisgünstig wie heute zu erwerben.

Heute, Anfang der 90er Jahre, deutet sich der nächste Strukturwandel an. Seit Mitte der 80er Jahre gewinnt Unix als Standard-Betriebssystem zunehmend an Bedeutung. Dieses Betriebssystem wurde zunächst fast ausschließlich im technischwissenschaftlichen Bereich genutzt. Eine liberale Lizenzierung machte Unix für Wissenschaftler einfach zugänglich, und so erstellten sie auch ihre Programme darauf. Eine Generation von Hochschulabsolventen vor allem in wissenschaftlich-technischen Studiengängen wuchs quasi mit Unix auf. Da mit war die Basis gelegt, um Unix auch außerhalb der Universitäten weitgehende Akzeptanz zu sichern.

Seine eigentliche Bedeutung erfährt dieses Betriebssystem aber dadurch, daß es relativ einfach von einer Hardware auf die andere portiert werden kann. Das hat Unix zum Standard-Betriebssystem gemacht. Als Standard-Betriebssystem wiederum hat Unix das Potential die DV-Welt der 90er Jahre komplett zu verändern. Die Initiative des ACE-Konsortiums (Advanced Computing Environment) ist dafür ein Beispiel. Hier haben sich über 60 Unternehmen, Halbleiter-Hersteller, Softwarehäuser und Systemhersteller. darunter auch wir von der Itos Computer GmbH, zusammengeschlossen, um eine binärkompatible Systemplattform für Unix- und DOS Anwendungen zu schaffen.

Mit dem Unix-Standard hat jetzt auch im Bereich von Workstation- und Mehrplatz-Anwendungen eine Entwicklung begonnen, wie sie schon bei den PCs zu beobachten war. Die Zahl der Hardwareproduzenten für Unix-Standardsysteme steigt, die Preise fallen, beziehungsweise die Leistungen steigen ähnlich rasant wie jetzt schon bei den PCs. Programme für Unix finden eine viel breitere Systembasis vor. Die guten unter ihnen werden öfter installiert. Langfristig führt das dann zu sinkenden Lizenzpreisen.

Genauso wichtig ist aber, daß Unix auch die bisher im Hardwaregeschäft als "fixe Größe" angenommene Dreiteilung von PC, Mini und Großrechner durcheinanderbringt. Im PC-Bereich gab es Einzelplatz-Lösungen und Netzwerke auf Basis von MS-DOS. Auf Minis mit herstellereigenem Betriebssystem wurden vorwiegend Mehrplatz-Lösungen im Bereich bis zu 100 Arbeitsplätzen installiert. Die Großrechner waren den noch größeren Anwendungen vorbehalten.

Unix und die in seinem Umfeld entstandenen zusätzlichen Leistungen, zum Beispiel die Vernetzung, bringen diese Aufteilung ins Wanken. Ursprünglich für den Host geschriebene Programme werden auf Unix-Systeme portiert. Entsprechende Vernetzungen und die schnell wachsende Hardwareleistung ermöglichen den Ersatz von Großrechnern durch Unix-Server und -Arbeitsplätze. Nach unten hingegen nivellieren Unix-Maschinen den Unterschied zum PC. Es gibt nämlich keinen vernünftigen Grund, auch Einzelplatz-Lösungen nicht unter Unix einzusetzen. Voraussetzung dafür ist natürlich, daß Hardware und Software zu einem vernünftigen Preis verfügbar sind. Und das ist bei weiterer Unix-Verbreitung automatisch der Fall. Der Begriff PC als Unterscheidungskriterium für eine ganze Rechnerklasse hat ausgedient. Es existieren nur noch Arbeitsplatz Systeme und Server.

Für einen Hersteller bedeutet diese Prognose, daß er sich jetzt auch im Bereich der Minicomputer und Workstations auf Marktverhältnisse wie in der PC-Welt einstellen muß. Unix-Server und Workstations werden zunehmend in Fernost gebaut. Die Auswirkungen dürften denen in der PC-Welt ähnlich sein.

Für den Anwender stellt sich das Ganze einfacher dar: Workstations und Unix-Minicomputer werden für ihn zunehmend preisgünstiger. Sicher, es dauert noch etwas, bis Unix so weit ist. Und es gibt auch heute noch gute Gründe, sich für eine proprietäre Lösung zu entscheiden. Doch auf jeden Fall sollte ein Anwender sich heute nur noch dann auf ein herstellereigenes System einlassen, wenn zweifellos klargestellt ist, daß die getätigte Investition bei einem Umstieg auf Unix nicht verloren ist. Nur dann kann er auch frohen Herzens von den Vorteilen einer Standardwelt profitieren.