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20.12.1991 - 

Öffentlicher Dienst übernimmt Vorreiterrolle

Unix ebnet den Weg zur offenen Bürokommunikation

Nur der Einsatz international anerkannter Standards gewährleistet letztlich die Realisierung verteilter Applikationen in einer heterogenen, vernetzten Rechnerlandschaft. Gerade im Bereich der Bürokommunikation haben sich daher nach Auffassung von Udo Kellerbach* in den letzten Jahren Infrastruktur- und Integrationsaufgaben herauskristallisiert, die nicht auf der Produktplattform eines Herstellers gelöst werden können. Das große Thema auch in der Bürokommunikation heißt daher, so der Autor, Unix.

Parallel mit der immer größeren Verbreitung von Unix als universellem offenen Betriebssystem ist auch der Aspekt einer integrierten Bürokommunikation wieder stärker in den Vordergrund getreten. Bereits heute sollen rund ein Viertel aller Anwendungen unter Unix dem Bereich der Bürokommunikation zuzuordnen sein. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: leistungsfähigere Hardware insbesondere die modernen 32-Bit-Rechner und Maschinen mit RISC-Architektur. Diese Hardwarekomponenten sind heute mit Leistungen bis 50 MIPS in der Lage, hochintegrierte Software mit grafischer Benutzeroberfläche Multiuser-fähig einzusetzen.

Kriterien für die Produktauswahl

Die vielfältigen Integrations-, Kommunikations- und Wachstumsmöglichkeiten der Bürofunktionen haben dabei einen technischen Stand erreicht, der die Nachteile bei der Prozeßintegration im Vergleich zum Host-basierten BK-Konzept bei weitem kompensiert und neue Entwicklungsdimensionen eröffnet (siehe Grafik). Auch die Standardisierungsbemühungen der letzten Jahre, genannt seien hier nur die Protagonisten X/Open, OSF und OSI, haben dazu geführt, daß der Anwender den Schwerpunkt bei seiner Produktauswahl auf Bürokommunikätions-Softwarelösungen legen kann. Während man jedoch bei Hardware, Betriebssystemen und Netzen auf entsprechende Standards zurückgreifen kann, stehen hier hauptsächlich Kriterien wie Funktionalität, Performance, Bedienbarkeit, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit im Vordergrund.

Mit dem zunehmenden Einsatz von PCs im Host-Umfeld und deren Vernetzung bildet sich zur Zeit vor allem eine Endgeräte- und Verkabelungsinfrastruktur für neue Bürokommunikations-Ansätze. Während in der Vergangenheit zumindest bei Großanwendern Host-basierte Konzepte wie IBMs "Disoss" verfolgt wurden, verlagert sich jetzt der Schwerpunkt immer mehr in Richtung Server- und PC-Strukturen. Unter einer einheitlichen Benutzeroberfläche werden dort zunächst im PC mit entsprechenden Software-Tools Texte bearbeitet, Grafiken und Kalkulationen erstellt, per 3270-Emulation und LU6.2 Host-Durchgriff Daten hinzugefügt sowie integrierte Gesamtdokumente neu erstellt, bearbeitet, abgelegt und versandt. Der Server steuert aus der Abteilungsdokumentenablage Dokumente bei, dient als Datenbank und übernimmt den E-Mail-Versand in und außerhalb der LANs. Der Großrechner schließlich liefert das gesamte Unternehmen betreffende Daten, Dokumentenstandards und dient als externer E-Mail-Server.

Das vielstrapazierte Schlagwort der Bürokommunikation ist zwar nach wie vor in aller Munde, doch auch nach einigen Jahren der Diskussion immer noch nicht klar definiert. Hier werden zu oft verschiedene Problemsichten miteinander vermischt. Zum einen betrifft dies die Endgeräteseite. Ob nun Bürokommunikation, Büroautomation oder Büro der Zukunft - allen Begriffen liegt eigentlich die gleiche Endgerätesicht zugrunde: Texte, Daten, Bilder und Sprache sollen unmittelbar an die jeweiligen Arbeitsplätze gebracht werden, um die Produktivität des einzelnen Mitarbeiters, aber auch die des gesamten Vorgangsdurchlaufs zu erhöhen. Die meisten Büro-Arbeitsplätze sollen schon Mitte der neunziger Jahre über ein informationstechnisches Gerät - dann aber auch nur über dieses eine - verfügen, das Informationen aufnimmt, verarbeitet, speichert und weiterleitet.

Das papierlose Büro läßt auf sich warten

Die Informationen können sich durchaus durch beliebige Daten- und Übertragungsstrukturen auszeichnen, weil bis dann eine beliebige Transformation möglich ist.

Ziel der Bürokommunikation ist die freie Kombination der Informationskomponenten Text, Daten, Bilder und Sprache in einem elektronischen Verbunddokument. Die Entwicklung dorthin vollzieht sich jedoch in einem längeren Zeitraum in mehreren Stufen. State of the Art ist hier das gemischte Text-Grafik-Dokument mit Datenverbindungen. Das schon lange propagierte papierlose Büro wird es in einem überschaubaren Zeitraum sicher nicht geben - trotzdem können elektronische Bürosysteme und Ablagemedien den Anteil der Papier-Datenträger mittelfristig verringern.

Bürokommunikation ist darüber hinaus zunächst eine Infrastrukturmaßnahme, das heißt: Verkabelung, Zunahme von Endgeräten sowie Kommunikation zwischen Servern, Anwendungsrechnern und externen Rechnern. Bürokommunikation - als Softwarelösung verstanden - muß sich außerdem an dem Anspruch messen lassen, richtigen Werkzeuge und Schnittstellen zur Verfügung zu stellen, uni den Anwender bei der Kommunikation, Arbeitsteilung und der Erledigung von Arbeitsaufgaben als Teammitglied zu unterstützen. Das bedeutet, daß die einzusetzende Software eine Vielzahl praktischer Funktionen anbieten sollte, die ineinander verzahnt sind, durchgängiges Arbeiten im Team ermöglichen und auf spezifische Anwenderbedürfnisse zugeschnitten werden können.

Erster wichtiger Schritt bei der Einführung von Bürokommunikations-Systemen ist die Oberflächenfrage: Je nach Server-PC-Anwendungsarchitektur-Konzept stellen sich die Alternativen: "MS-Windows", "Presentation Manager", X/Windows", "Open Look" oder "OSF/Motif". Neben der Durchgängigkeit der Oberfläche und der Benutzerfreundlichkeit wäre hier aber auch zwingend die Forderung nach Kooperation mit Anwendungsprogrammen zu stellen.

Aufbruchstimmung also, wohin man schaut im Bereich der Bürokommunikations-Software? Das Ziel Unix ist zwar klar umrissen, doch die Ausgangspositionen sind sehr unterschiedlich.

Aus der Großrechnerecke kommen Anbieter wie Kühn & Weyh ("M-Text") oder Software AG ("Connect"), die sich mit Unix-Implementationen zukünftig alle Optionen für den dezentralen Rechnereinsatz und das kooperative Processing mit PCs und Unix-Servern offenhalten wollen.

Aus dein PC-Markt sind bisher erfolgreiche Anbieter von Textverarbeitungssystemen dabei, ihre Softwareprodukte auch auf Unix zu implementieren. Das Konzept beispielsweise von "Wordperfect", "TEX-ASS-Windows" oder Microsofts "Word" heißt dabei: durchgängige Text-Benutzeroberfläche vom PC bis hin zum Unix-Server und Erweiterung der Textfunktionalitäten zu Dokumenten- und Vorgangsbearbeitungs-Systemen.

Unix-Standard-Softwareprodukte für Bürokommunikation und Textverarbeitung wie "Q-Office", "ALIS", oder "Uniplex" stoßen im Zuge einer zunehmenden Unix-Istallationsbasis auf größere Marktakzeptanz, sie werden in spezifischen PC-Versionen ausgeliefert, um auf diese Weise ebenfalls rechnerübergreifende Durchgängigkeit zu gewährleisten.

Neue Software-Produktlinien für die Bürokommunikation auf Unix-Basis schießen daher wie Pilze aus dem Boden und werden von den Herstellern neben ihren hauseigenen Systemen positioniert. Beispiele hierfür sind bei Siemens "Sinix/Comfoware", Nixdorf "Targon/ Office", Philips "Allround" oder Kienzle "KiOffice/UX". Gemeinsamer Trend dieser Produkte: pixelorientierte Grafik an der Oberfläche und Dokumentenbearbeitung.

Viele Ausschreibungen und Pilotinstallationen

"Alte" Softwarekonzepte auf, der Basis herstellereigener Betriebssysteme wie DECs "All-in-one", Data Generals "CEO" oder Wangs "Office/Vs" werden um Unix-Kommunikationsfunktionen und PC-Versionen erweitert, um zumindest durch verbesserte Connectivity-Fähigkeiten die Plattform zu vergrößern. Unix als standardisierte Rechner-Plattform und offenes Server-Konzept ist hier offensichtlich bei Alten Anbietern der Rechner.

Der deutliche Trend zu Unixgestützten Systemen wird noch

erheblich verstärkt und beschleunigt durch die aktuelle Einkaufspolitik der öffentlichen Hand. Nordhein-Westfalen hat Unix schon verbindlich vorgeschrieben, andere Bundesländer taktieren noch vorsichtiger und nehmen in ihre Ausschreibungen einen "gewünschten Betriebssystem-Standard" mit auf. Von Unix abweichende Beschaffungsvorschläge müssen, allerdings fundiert begründet werden - was bei den rasant wachsenden Funktionsabläufen innerhalb der Bürokommunikation jedoch im Einzelfall immer schwerer fällt.

Wohin die Reise im Zusammenhang mit der Bürokommunikation bei den Behörden geht, zeigt nicht zuletzt jedoch die Fülle der zur Zeit laufenden Ausschreibungen und Pilotinstallationen auf Unix-Basis.