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11.11.1988

Unix für kommerzielle Anwendungen? Grundsätzlich ja

Allen Unkenrufen zum Trotz ist Unix offensichtlich dabei, auch die kommerzielle DV-Welt zu erobern. "Die Ausrichtung als rein technisch-wissenschaftliches Betriebssystem hat Unix bereits überwunden", faßt Heribert Kaczmarek, Hauptabteilungsleiter Organisation bei der INA Wälzlager Schaeffler KG, die Meinung der befragten Anwender zusammen. Zukunftschancen räumt die Bundesanstalt für Arbeit dem Betriebssystem "auch im kommerziellen Bereich, vor allem jedoch bei den öffentlichen Verwaltungen" ein. Von einer übergeordneten Warte aus urteilt Christian Willenberg, Leiter der Abteilung Leit- und Dialogsysteme bei der Dornier System GmbH: Er stellt fest, daß "sich technische und kommerzielle Aufgaben immer mehr verzahnen", so daß die Beschränkung eines Betriebssystems auf einen bestimmten Anwendungsbereich ohnehin nicht sinnvoll erscheint. Auch Hans Niggemann, Leiter der Anwendungsentwicklung bei der Kaufhof AG, ist zu dem Schluß gekommen, "daß Unix im kommerziellen Bereich grundsätzlich einsetzbar ist" - auch wenn er derzeit noch Mängel bei der Verarbeitung großer Datenmengen beobachtet.

Christian Willenberg

Leiter der Abteilung Leit- und

Dialogsysteme bei der

Dornier System GmbH,

Friedrichshafen

Aufgrund der Aufgabenstellung unserer Abteilung setzen wir Unix im wesentlichen für technische datenbankgestützte Anwendungen ein. Doch auch wir machen dabei die Erfahrung, daß sich technische und kommerzielle Aufgaben immer mehr verzahnen. Konkret sieht das so aus, daß dem technischen Prozeß auch im Unix-Bereich zunehmend nichttechnische Aufgaben (Buchung, Einplanung, Auswertung und Verrechnung) vor- und nachgeschaltet werden.

Der "klassische Prozeßrechner" wurde - auch durch die Evolution der Unix-Maschinen - in den letzten Jahren in den Hintergrund gedrängt. Seine wirklichen Realzeitaufgaben werden in wachsendem Maße von intelligenten speicherprogrammierbaren Steuerungen übernommen. Die darüber liegenden Aufgaben erfordern aber in der Regel keine Reaktionszeiten im Millisekundenbereich mehr; sie können also gut von Unix-Maschinen ausgeführt werden, mithin von Rechnern, die zunehmend auch kommerzielle Programme abwickeln.

Was meines Erachtens unter Unix immer noch fehlt, ist eine breite Palette allgemein akzeptierter Standardprogramme, von Textverarbeitung und einfacher Tabellenkalkulation ù la PC bis hin zu preiswerten Branchenlösungen mit flexiblen User-Exits. Gerade hier besteht ein großer Bedarf, da die Verfügbarkeit solcher Software es ermöglichen würde, den Parallelbestand an Unix-Maschinen und PCs zurückzuführen.

Hans Niggemann

Leiter der

Anwendungsentwicklung,

Kaufhof AG, Köln

Den Anstoß für die Beschäftigung mit Unix in unserem Haus gab die Erwartung, Rechnerkapazitäten durch Hardware mit einem sehr günstigen Preis/Leistungs-Verhältnis abwickeln zu können. Wir haben die Unix-Welt auf der Hardware- sowie der Softwareseite mit Unterstützung externer Berater und einiger Hardwarehersteller geprüft, um die Stärken und die Schwächen des Betriebssystems zu erkennen.

Unsere Erkenntnisse lassen sich im wesentlichen in fünf Punkten zusammenfassen:

- Zunächst eignen sich Unix-Rechner nicht für die Batch-Verarbeitung von Massendaten; die I/O-Komponenten sind im Vergleich zur CPU noch unterentwickelt. Einige Hersteller haben diesen Mangel jedoch erkannt und versuchen, Abhilfe zu schaffen.

- Einschränkungen bestehen auch bei den Möglichkeiten der DFÜ-Anbindung an unseren IBM-Host sowie bei der Netzwerküberwachung. Der Komfort eines SNA-Netzes mit Netview-Kontrolle wird nicht erreicht.

- Für unsere Anwendungen kommt Unix nur dann in Frage, wenn es durch leistungsfähige Softwareprodukte ergänzt wird. Insbesondere sind ein Datenbanksystem und ein DC-Monitor erforderlich, der zumeist durch die zahlreich verfügbaren 4GL-Tools abgedeckt wird.

- Unix-Hardware ist preisgünstig. Allerdings ist ein CPU-Kostenvergleich zu IBM-Rechnern mit dem Maßstab "MIPS" nicht möglich, da die nutzbare Leistung des Rechners von den Anforderungen im I/O-Bereich mitbestimmt wird. Werden lediglich hohe CPU-Leistungen benötigt, so lassen sie sich mit Unix-Rechnern sehr günstig bereitstellen.

- Bereits jetzt ist eine schnelle Weiterentwicklung der Unix-Hardware und -Software festzustellen. Für die Zukunft erwarten wir eine Fortsetzung dieses Trends.

Aus diesen Erkenntnissen haben wir den Schluß gezogen, daß Unix im kommerziellen Bereich grundsätzlich einsetzbar ist. Allerdings sollte das Betriebssystem nicht für Anwendungen vorgesehen werden, die große Datenmengen verarbeiten - wobei sich die Grenzen in den nächsten Jahren sicherlich ständig nach oben verschieben.

Im Großrechnerbereich kann Unix keine Alternative darstellen. Für uns folgt aus einer Entscheidung für Unix für den Bereich unterhalb der Mainframe-Ebene, daß zwei sehr unterschiedliche Softwarewelten koexistieren müssen. Der damit verbundene zusätzliche Aufwand muß gegen Kostenvorteile auf der Hardwareseite abgewogen werden - im Vergleich zu anderen Lösungen, die in der Regel auch nicht gratis zu haben sind.

Eine sichere Entscheidungsbasis für dieses Problem wollen wir mit Pilotprojekten finden. Ein solches wird zur Zeit bei einer unserer Tochtergesellschaften realisiert.

Heribert Kaczmarek

Hauptabteilungsleiter

Organisation, INA Wälzlager

Schaeffler KG,

Herzogenaurach

In unserem Hause haben wir für den administrativen Bereich eine IBM-Infrastruktur - mit einer IBM 3090/400 unter MVS, mehreren hundert PCs unter MS-DOS sowie /36-Systemen in unseren Auslandsgesellschaften. Zirka 90 Prozent unserer lokalen PCs sind über 3270-Emulationen an den Großrechner angeschlossen.

So ganz "IBM-blauäugig" sind wir jedoch nicht: In zunehmendem Maße setzen wir sowohl im technischen als auch im kaufmännischen Bereich auf Unix. Mit unseren Apollo-Workstations arbeiten wir in

diversen Projekten unter Unix heute schon so, wie wir es unter OS/2 eventuell erst in zwei bis drei Jahren tun können.

Wir beobachten die Entwicklung von OS/2 sehr genau, meinen jedoch, daß die Funktionalität dieses Betriebssystems der von Unix zumindest in den nächsten Jahren noch hinterherhinken wird.

Im übrigen werden die wesentlichen Tools, die wir heute unter MS-DOS einsetzen, sicherlich nicht nur unter OS/2, sondern auch unter Unix einsatzfähig sein. Das jüngste Engagement der DV-Branchenführer IBM und DEC in Sachen Unix sowie auch die zunehmende Anwendung und Ausschreibung von Unix-Systemen werden dieses Betriebssystem als Standard weiter etablieren.

Die Ausrichtung als rein technisch-wissenschaftliches Betriebssystem hat Unix bereits überwunden. Neben Produkten der individuellen Informationsverarbeitung wie Desktop-Publishing, Bürokommunikation, Projektmanagement und Grafiktools gibt es schon eine ganze Reihe von klassischen Anwendungen aus dem administrativen Bereich unter Unix. Diese Produkte verfügen über eine komfortable Bedienerführung, Window-Technik, Multitasking und Processing, Netzwerkfähigkeit sowie Anbindung an relationale Datenbanken. Das sind Funktionen, die unter OS/2 erst geschaffen und integriert werden müssen.

Zwar ist es notwendig, die OS/2-Entwicklung sowie auch die SAA-Konzeptionen in ihren jeweiligen Reifestadien zu beobachten. Doch können und wollen wir auf die Chancen und Rationalisierungspotentiale, die uns die Unix-Workstations heute bieten, nicht verzichten. Ankündigungen der DV-Industrie über neue Produkte oftmals Jahre vor den ersten Praxiseinsätzen. Wer Wein machen kann, sollte keinen Essig machen. Deshalb nutzen wir schon heute den Komfort und die enorme Leistungsfähigkeit von Unix. Die Offenheit und die relativ gute Portierbarkeit von Unix-Applikationen führen zu Herstellerunabhängigkeit und schützen somit unsere Investitionen, zumal der Trend hin zu mehr Kompatibilität und Portabilität eventuell auch eine Übertragbarkeit zwischen Unix - beziehungsweise AIX - und OS/2 mit sich bringen wird.

Offizielle Stellungnahme

der Bundesanstalt für Arbeit,

Nürnberg

Die Entscheidung, Unix generell im Arbeitsplatzbereich und möglichst auch im Serverbereich einzusetzen, wurde hier vor fast vier Jahren getroffen. Unix sollte bisher unverträgliche Herstellerwelten harmonisieren und die Chance eröffnen, in Verbindung mit anderen Standards ("C", ISO/OSI, SQL) portable und somit herstellerunabhängige Software zu erstellen.

Zur Zeit sind zirka 3000 Terminals für Unix-Dialoganwendungen und mehr als 500 Unix-PCs mit einer entsprechenden Anzahl von Unix-Servern für Textbe- und -verarbeitung sowie Bürokommunikation im Einsatz. Erste Portierungen von DV-Anwendungen auf unterschiedliche Zielsysteme haben bereits stattgefunden. Unix-PCs beziehungsweise -Workstations werden die Basis für eine integrierte Informationsverarbeitung bilden.

Unsere Dialoganwendungen sind durchaus vergleichbar mit anderen kommerziellen Datenbankanwendungen; an einem Unix-System werden bis zu 200 Terminals betrieben. Daß Unix nur für technisch wissenschaftliche Anwendungen geeignet sei, ist die Meinung von gestern.

Unix wird sich auch im kommerziellen Bereich stärker als bisher durchsetzen, vor allem jedoch bei den öffentlichen Verwaltungen. Während OS/2 an Intel-Prozessoren gebunden ist, kann Unix auf unterschiedlichsten Prozessortypen laufen. Damit wird Unix wohl die größeren Chancen haben.