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23.11.1990 - 

Status und Trends im Unix-Softwaremarkt

Unix ist den rein technischen Anwendungen langst entwachsen

Helmut Ludwigs ist Geschäftsführer der Quantum GmbH in Dortmund.

Selbst Big Blue hat die Zeichen der Zeit erkannt. An dem Multiuser-fähigen Betriebssystem Unix führt heute kein Weg mehr vorbei. Helmut Ludwigs* zeigt, daß inzwischen auch das Argument, Unix eigne sich nicht für die kommerzielle Datenverarbeitung, nicht mehr zieht.

In den frühen Achtziger Jahren hätten nur wenige geglaubt, daß die IBM zum Ende der Dekade Unix als Betriebssystem für ihre Großrechensysteme anbieten würde. Noch viel weniger hätten wahrscheinlich geglaubt, daß IBM mit der RS/6000 eine neue, preiswerte Rechnerserie anbietet, die leistungsmäßig dem gesamten proprietären 4300er-Bereich gleichkommt.

Fast alle Hersteller bieten Unix-Systeme an

Die IBM steht hier nicht alleine. Alle wichtigen Hardwarehersteller - auch diejenigen, die in der Vergangenheit dafür bekannt waren, ihre Kunden möglichst fest an sich zu binden - bieten heute Unix-Systeme an. Eine ganze Reihe von Firmen hat komplette Hardwarelinien angekündigt, die zwar Unix als Betriebssystem unterstützen, nicht jedoch die eigenen, firmenspezifischen Betriebssysteme.

Zu diesen Herstellern gehören zum Beispiel Data General (Aviion), Digital (DEC-System), IBM (System/6000), Nixdorf (Targon) und Siemens (MX). Damit wurde Unix in die Lage versetzt, eine wichtige Rolle in der kommerziellen Datenverarbeitung zu übernehmen. Ist die kommerzielle Welt bereit für Unix? Seit Generalsekretär Gorbatschow wissen wir: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Großrechenzentren arbeiten mit Unix

In einer kürzlich von IDC in den USA durchgeführten Studie, für die 129 Großrechenzentren analysiert wurden, stellte sich heraus, daß bereits 84 Prozent dieser Institutionen auch Unix nutzen. 70 Prozent der Installationen nutzten Unix-Standardsoftware.

Trotzdem ist dieses Betriebssystem noch relativ weit von einer wirklichen Marktdurchdringung entfernt: Lediglich drei bis fünf Prozent des jährlichen DV-Budgets werden für Unix-Systeme ausgegeben. Dieser Anteil soll jedoch bis zum Jahre 1996 auf über 25 Prozent wachsen.

Obwohl Unix 1989 bereits seinen 20. Geburtstag feierte, ist dieses Betriebssystem erst seit 1983 als Produkt im Markt verfügbar. Ursprünglich plante es AT&T als ein interaktives Multitasking-Entwicklungssystem für den erfahrenen Programmierer, es ist erst relativ spät um die für die kommerzielle Welt notwendigen Funktionen ergänzt worden.

Das Erfolgsgeheimnis von Unix liegt in seiner Portabilität. Mit dem Aufkommen preiswerter Rechnersysteme auf der Basis von Standard-Mikroprozessoren wurde nach einem leistungsfähigen Betriebssystem gesucht, das von den Möglichkeiten moderner 32-Bit-Prozessoren Gebrauch machen konnte. Als preiswertes, leicht verfügbares und leicht portierbares Betriebssystem bot sich Unix an.

Gleichzeitig stellte sich heraus, daß das ursprünglich nur für die Programmentwicklung gedachte System in seiner Struktur und seinem Design so flexibel angelegt war, daß die Implementation der zusätzlichen kommerziellen Funktionen wie Datenbank- und Transaktionsunterstützung keinen großen Aufwand verursachte. Damit konnte Unix den Siegeszug antreten.

In der Anfangszeit - zwischen 1983 und 1988 - wurden von den Herstellern eine Vielzahl sehr ähnlicher, aber mit kleinen und lästigen Inkompatibilitäten versehene Unix-Betriebssysteme angeboten. Durch den Zusammenschluß der Hersteller in der X/Open-Gruppe und die Standardisierung im Rahmen der Posix-Arbeiten wurden diese Anfangsprobleme überwunden.

Heute ist Unix in gleich hoher Qualität auf einer Vielzahl von Maschinen verfügbar. Angetrieben von der lukrativen Aussicht, die Softwarelösungen auf mehr als einem Rechnersystem anbieten zu können, portieren und implementieren immer mehr Softwarehäuser ihre Programme auf Unix. Die von IDC interviewten RZ-Leiter bejahten zu 70 Prozent die Frage "Ist Unix für Sie das Betriebssystem der Wahl für Ihre EDV-Probleme in den 90er Jahren`?" Nur 20 Prozent waren anderer Meinung (vergleiche Abbildung 1).

Viele Aufgaben für ein Multiuser-Betriebssystem

Die IDC-Umfrage ergibt meines Erachtens, daß Unix als General-Purpose-Betriebssystem gesehen wird, nicht als technisch-wissenschaftliches System, wie manche traditionell denkenden Hardwarehersteller es wünschen.

Überraschend ist der relativ hohe Anteil bei den sogenannten Mission-Critical-Applications, also jenen Anwendungen, ohne die die Funktionsbereitschaft eines Unternehmens als Ganzes gelähmt ist: 58 Prozent aller befragten Rechenzentren setzen Unix für solche Probleme ein. Angesichts der lang andauernden - wenn auch nicht immer von Fachkenntnis geprägten - Diskussion um Betriebssicherheit und Datenschutz unter Unix sollte dieser hohe Anteil überraschen.

Auch der Anteil von Standardsoftware wird immer größer. Wenden wir uns zunächst dem Bereich Finanzwesen zu. In kleineren Unternehmen mit bis zu 4000 Mitarbeitern kann der gesamte Finanzbereich heute mit Standardprodukten auf Unix-Basis abgedeckt werden, für größere Unternehmen sind die entsprechenden Produkte in naher, kalkulierbarer Zukunft verfügbar (zum Beispiel durch die Ankündigung des R/3-Systems durch die SAP). Gleiches gilt für den Bereich des Personalwesens und der Management-Informationssysteme.

Der Sektor des Finanz- und Personalwesens profitiert davon, daß durch die regelnde Hand des Gesetzgebers und der Sozialversicherungsträger ein weithin gültiger Standard definiert ist. Im Bereich der Produktion fällt das Angebot an Standardprodukten wesentlich dünner aus. Obwohl die Anzahl der Anbieter und der Produkte in der jüngsten Vergangenheit sprunghaft angestiegen ist, handelt es sich doch in der Hauptsache um junge, wenig ausgereifte Produkte, die intensive projektbezogene Nacharbeit beim Kunden notwendig machen.

Schwächen bei der Produktion

Im Falle der Mission-Critical-Anwendungen handelt es sich ausnahmslos um speziell für einen Kunden oder eine Kundengruppe programmierte Anwendungen. Gleiches gilt für den Bereich der OLTP-Anwendungen. Durch Standardprodukte relativ gut abgedeckte Marktsegmente sind Büroautomation, Projekt-Management, Vertrieb und Marketing.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Unix die klassischen Verwaltungstätigkeiten durch Standardsoftware recht gut abdeckt, den Bereich Produktion schwächer.

In den Bereichen Büroautomation, Vertrieb und Marketing ist das Angebot sogar besser als für die klassischen Rechnersysteme.

Daneben gibt es eine Reihe von Anwendungsfeldern der DV, die prinzipiell nicht durch Standardprodukte abgedeckt werden können, weil sie zu speziell auf ein Unternehmen zugeschnitten sind. In diesem Bereich kommt es hauptsächlich auf die Effizienz bei der lmplementation kundenspezifischer Lösungen an - ein Gebiet, auf dem Unix seine hohe Qualität als Programmentwicklungs-System unter Beweis stellen kann.

Heute legt jeder Hersteller großen Wert darauf, einen eigenen Unix-Produktkatalog vorweisen zu können. Der Druck, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Produkte zu benennen, führt allerdings zu teilweise höchst dubiosen Einträgen.

Jedem EDV-Anwender sind die grünen Bücher des ISIS-Software-Reports bekannt. Sie fassen halbjährlich das aktuelle Softwareangebot für die herstellerspezifischen Betriebssysteme zusammen. Seit 1989 wird parallel dazu ein ISIS-Unix-Report herausgegeben, in dem nur Unix-Produkte dargestellt werden. Die Kataloge sind gewöhnlich gut recherchiert und als zuverlässiges Nachschlagewerk zu empfehlen.

Fit für den Einsatz in Großunternehmen

In der ersten Ausgabe des ISIS-Software-Reports von diesem Jahr sind 3945 Standardprogramme angeboten, im ISIS-Unix-Report 2115 Anwendungen. Wenn man die höhere Zahl im Software-Report vor dem Hintergrund betrachtet, daß die dort aufgeführten Programme im Regelfall nur auf einem Betriebssystem eines ganz speziellen Herstellers ablauffähig sind und daß eine Anwendung auf IBM MVS einem Siemens-BS2000-Anwender wenig nützt, dann erscheint die Anzahl der heute schon für Unix verfügbaren Standardprogramme überraschend hoch.

Wir haben einmal den in diesen Katalogen dokumentierten Zuwachs an Unix-Produkten zwischen 1989 und 1990 zusammengestellt (vergleiche Abbildung 2). Bei einem Durchschnittswachstum von 42 Prozent zeigen sich hier überraschende Abweichungen für die Bereiche Betriebssystem-Erweiterungen (64 Prozent) und Netzwerke/TP-Software (65 Prozent). Die meisten der neu hinzugekommenen Standardprodukte unterstützen den Einsatz von Unix in einer kommerziellen, transaktionsorientierten und verteilten dezentralisierten Umgebung. Mit diesen Standardprodukten wird Unix fit gemacht für den Einsatz in Großunternehmen.

Öffentliche Hand besteht auf Unix

Weniger überraschend ist der hohe Zuwachs in den Bereichen Grafiksoftware (plus 133 Prozent) und Kommunalwesen/öffentliche Verwaltung (64 Prozent). Zum einen hat der Siegeszug von Unix im technisch-wissenschaftlichen Bereich begonnen, zum anderen hat gerade die öffentliche Hand in den letzten drei Jahren die Forderung nach Unix als Betriebssystem zum festen Bestandteil ihrer Ausschreibungen gemacht.

Auch der Vergleich der Unix-Softwareprodukte in den einzelnen Angebotssegmenten für herstellerabhängige Betriebssysteme spricht für sich. Während

sich Anfang 1989 noch deutliche Diskrepanzen zwischen dem Unix-Angebot und dem Angebot im Gesamt-DV-Markt zeigten, haben sich diese Unterschiede Anfang 1990 stark angeglichen. Auch von seiner Angebotsstruktur her wird der Unix-Markt sehr schnell interessanter.

Im Finanz- und Rechnungswesen werden sehr viele aus anderen Betriebssystem-Welten portierte Anwendungen angeboten. Diese Programme eignen sich hauptsächlich zum Einsatz in kleinen und mittleren Betrieben, die in der Vergangenheit von den MDT-Herstellern bedient wurden. Darüber hinaus gibt es auch einige attraktive Lösungen, die mit Modernen Werkzeugen wie der Unix-spezifischen Programmiersprache C oder 4GL-Sprachen erstellt wurden. Solche modernen Unix-spezifischen Lösungen machen in der Regel auch von relationalen Datenbanksystemen Gebrauch.

Die als Standard angebotenen Anwendungen sind für kleine bis mittlere Unternehmen gut einsatzfähig, die Funktionsvielfalt ist teilweise überraschend hoch. So gelten Features wie Fremdwährungsrechnung, Wechselverkehr, elektronischer Datenträgeraustausch und Zentralregulierung als obligatorisch.

Für den Bereich des Personalwesens ist ähnliches zu beobachten. Wegen der hohen Anforderung im Bereich Datenschutz werden gerade Personalabrechnungs- und informationssysteme sehr gern auf getrennte, kleinere Rechnersysteme unter Unix gebracht.

Ein preiswertes Unix-System für die mittlere Leistungsklasse kann durchaus die Personalabrechnung eines Betriebes mit bis zu 8000 Mitarbeitern bewältigen. Die entsprechende Standardsoftware ist verfügbar.

Für den Bereich Marketing und Vertrieb gilt das gleiche. Weil viele Anwender diese Funktionen als erste dezentralisieren, ist der Verbreitungsgrad von Unix dort relativ hoch und das Angebot an Standardsoftware damit überdurchschnittlich reichhaltig.

Bei Materialwirtschaft, Lagerwirtschaft und Fertigungsorganisation läßt sich ein gewisser Rückstand beobachten. Hier reichen die heute angebotenen Produkte von der Funktionsvielfalt und der Qualität noch nicht an das Angebot unter anderen Betriebssystemen heran. Die Situation ändert sich jedoch rasch; insbesondere haben viele Anbieter von PPS-Systemen die Verfügbarkeit ihrer Produkte unter Unix angekündigt, und eine ganze Reihe von Pilotprojekten im Fertigungsbereich stellen die notwendige Basis für die Entwicklung von Standardprodukten zur Verfügung.

DTP ist eine Domäne von Unix

Der Bereich Büroautomation, insbesondere Desktop-Publishing, stellt eine Domäne von Unix dar. Wer einmal die Funktionsvielfalt von Q-Office oder Uniplex und die Qualität von Desktop-Publishing-Systemen wie Frame Maker oder Interleaf kennengelernt hat, wird nicht mehr wechseln wollen. Viele der klassischen Betriebssysteme bieten gar nicht die Basis zur Implementation hochwertiger Standardprodukte in den genannten Bereichen.

Uneinheitlich und lückenhaft ist das Angebot von Standardprogrammen für einzelne branchenspezifische Aufgaben. Hier können keine generellen Aussagen getroffen werden. Jeder einzelne Fall muß getrennt untersucht werden. Auch im Bereich Kommunalwesen und öffentliche Hand bilden Produkte für Standardaufgaben wie zum Beispiel das Haushaltswesen nach wie vor die Ausnahme - und das, obwohl die öffentliche Hand ansonsten eine Unix-Domäne ist. Hier steht zu hoffen, daß die nächsten Jahre eine deutliche Verbesserung des Angebotes bringen.

Portieren oder Neuimplementation

Wann immer eine Standardlösung für Unix verfügbar gemacht werden soll, stellt sich die Frage: Portieren oder Neuimplementation? Bei den meisten der heute verfügbaren Standardprodukten unter Unix handelt es sich um portierte Lösungen, die vorher bereits für andere Rechnersysteme zur Verfügung standen.

Solche Produkte müssen oft als vorübergehende Lösungen angesehen werden, weil sie in vielen Fällen die strukturellen Probleme anderer Betriebssystem-Welten in sich tragen. Bei einigen handelt es sich zum Beispiel um versteckte Batch-Anwendungen.

Die Implementationssprache portierter Lösungen ist häufig Basic oder Cobol. Für originäre Unix-Lösungen wird dagegen meist die Programmiersprache C eingesetzt. In vielen Fällen bietet sich auch eine Sprache der vierten Generation an.

Einer der Zukunftstrends beim Einsatz von Unix ist die Programmiersprache C + +, die, auf C aufbauend, fortschrittliche Sprachelemente, die zum Beispiel ADA entlehnt wurden, und objektorientierte Programmierung unterstützt.

Zur Zeit bieten nur wenige Hersteller C + + -Compiler an. Diese Situation wird sich jedoch im Laufe der kommenden zwölf Monate drastisch ändern. Fast alle Hersteller planen die Verfügbarkeit eines solchen Compilers auf der Basis des AT&T-Standard-Compilers der Version 2.

Die Standardisierung der Sprache wird zur Zeit ebenfalls auf der Basis von AT&T Version diskutiert. Zukunftsorientiert denkende Softwarehäuser werden Standardprodukte auf der Basis C + + in den nächsten ein bis zwei Jahren anbieten.

C ist die lmplementierungssprache des Unix-Betriebssystems selbst und das sprichwörtliche "Arbeitspferd" für die Unix-Welt. Als Hochsprache bietet sich C aber auch für die Programmierung kommerzieller Software geradezu an. Wirklich moderne Unix-Produkte bauen auf einem relationalen Datenbanksystem auf, dabei ist eine Konzentration auf zwei oder drei Standard-Datenbanksysteme wie Informix, Ingres oder Oracle zu beobachten. Eine kommerzielle Lösung unter Unix ohne relationale Struktur fußt heute nicht mehr auf dem Stand der Technik.

Softwarewerkzeuge erleichtern die Implementation, stellen, jedoch auch in vielen Fällen echte Portabilitätshindernisse dar - insbesondere, wenn diese Werkzeuge von Rechnerherstellern angeboten werden. Dies gilt ganz besonders für Werkzeuge zur Bildschirmprogrammierung oder Formular-Management-Systeme. Diese Tools stehen häufig nur für die Maschinen eines Herstellers, unter Umständen sogar nur für einen ganz bestimmten Bildschirmtyp, zur Verfügung.

Einige Anbieter von Standardsoftware haben in der Vergangenheit den Fehler gemacht, auf solcher Basis ihre Entwicklung voranzutreiben. Bei der Auswahl von Standardsoftware sollte der Kunde deshalb in jedem Fall sicherstellen, daß nicht nur die verwendeten Programmiersprachen und Datenbanksysteme im Unix-Sinne offen und portabel sind, sondern auch die für die Programmierung selbst verwendeten Werkzeuge. Die größte Umwälzung, die dem Unix-Markt in Kürze bevorsteht, erzwingen die neuen Benutzeroberflächen.

Produkte wie OSF/Motif und Open Look sowie Benutzeroberflächen mit Macintosh-Qualität stehen preiswert zur Verfügung und werden sowohl die Programmierung als auch den Gebrauch von Unix-Systemen revolutionieren,

Um von einer fensterorientierten Oberfläche wirklich optimalen Gebrauch zu machen, ist eine neue, objektorientierte Programmiermethode erforderlich, die von den klassischen Sprachen praktisch nicht mehr unterstützt werden kann. Gleichzeitig ergeben sich völlig neue Möglichkeiten in bezug auf Benutzerführung und Interaktion mit dem System. Diese Entwicklung wird nicht nur Workstations betreffen, sondern, seitdem preiswerte X-Terminals am Markt erhältlich sind, auch terminalorientierte Multiuser-Systeme.

Heute sind die am Markt verfügbaren Unix-Systeme auf Quellcode-Ebene zueinander kompatibel. Das heißt, ein auf einem System ablauffähiges Quellprogramm kann praktisch ohne Aufwand auf einem anderen System kompiliert werden. Trotzdem haben beide Rechnersysteme unter Umständen völlig verschiedene Objektformate. Deshalb muß ein Softwarehaus, das diese beiden Systeme unterstützen will, beide Rechnerfamilien im Hause haben, und der Wiederverkäufer ist gezwungen, beide Varianten des Objektcodes zu führen.

ANDF soll noch in diesem Jahr kommen

Diese Inkompatibilitäten auf Objektcode-Ebene sind ein deutliches Hindernis für die Ausbreitung des Unix-Marktes. Um dieses Problem zu beseitigen, arbeitet die Open Software Foundation an einem architekturneutralen Distributionsformat (ANDF). Noch im Jahre 1990 soll ANDF als Technologie verfügbar sein.

Schon heute kann gesagt werden, daß die Qualität des Software-Angebotes für das Betriebssystem Unix dem der herstellerspezifischen Betriebssysteme in nichts nachsieht. Wenn in einigen Bereichen, wie zum Beispiel dem der Produktion, noch ein gewisser Nachholbedarf besteht, so wird diese Lükke in relativ kurzer Zeit gefüllt werden.

Unix ändert das Spannungsverhältnis

Die heute verfügbaren Unix-Lösungen sind zum großen Teil aus anderen Betriebssystem-Welten portiert, der rasche Technologiewechsel im Unix-Bereich wird hier Neuimplementationen erfordern. Neue Innovationen wie ANDF werden Unix zur bevorzugten Plattform für Software-Anbieter machen.

Unix ändert das Spannungsverhältnis zwischen Hersteller, Softwarehaus und Endkunde. Während früher die Kaufentscheidung des Kunden in erster Linie von der Auswahl eines Hardwarelieferanten geprägt wurde, der dann für die notwendige Software zu sorgen hatte, steht heute das gleiche Unix-Softwareprodukt auf verschiedenen Herstellersystemen zur Verfügung. Der Endkunde entscheidet sich primär für die Software, dann erst für ein Hardwaresystem.