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02.10.1987 - 

Objektiver Vergleichmaßstab für die Systemauswahl fehlt noch, aber:

Unix könnte DV-Beschaffung revolutionieren

CHICAGO (CWN) - Künftig sollen sich die Anwender bei der Auswahl ihrer DV-Lösung für ein Betriebssystem entscheiden, eine Anwendung starten und dann einfach ihre Stoppuhr laufen lassen. Setzt sich dieser in den USA erprobte Ansatz auf breiter Basis durch, steht vielleicht eine Revolution des Entscheidungsprozesses bei der Produktselektion bevor.

In den USA haben bereits einige Anwenderbetriebe erste Schritte in Richtung dieser Wunschvorstellung realisiert. Ein konkretes Beispiel hierfür ist die amerikanische Baxter Health Care Corp., ehemals Baxter Travenol. Das Unternehmen holte Angebote für einen Abteilungsrechner ein, der in 53 US-Geschäftsstellen zum Einsatz kommen sollte. Eine bestimmte FiBu-Anwendung, die bereits existierte und unter Unix lauffähig war, mußte laut Ausschreibungsbedingung auf dem neuen System einsetzbar sein.

Normalerweise vergibt Baxter seine DV-Aufträge nur an IBM oder Digital Equipment. In diesem speziellen Fall jedoch machte das Unternehmen aus Deerfield/Illinois eine Ausnahme: Die Wettbewerbs-Arena war für alle Interessenten freigegeben und es ging lediglich darum, auf welcher Maschine die Applikation am besten ablaufen würde.

"Das Resultat", so Wayne Tracy, Director of Information Services bei Baxter, "war ein wahres Pferderennen mit IBM, DEC, NCR, Hewlett-Packard, Unisys und Texas Instruments in den Startboxen." Um den Platz auf dem Siegerpodest kämpften unter anderem die 9370 von IBM, die VAX 8250 aus dem Hause DEC, die "Spectrum" von Hewlett-Packard und das "System 1575" von Texas Instruments. Basis für den Vergleich war der von Neal Nelson & Associates, Chicago, erstellte Unix-Benchmarktest. Am besten schnitt in diesem Parforce-Lauf das TI-Produkt ab, das zum Preis von 120 000 Dollar erhältlich ist.

Tracy zufolge war dieses Testergebnis letztlich ausschlaggebend dafür, daß der Auftrag wider Erwarten nicht an IBM vergeben wurde. Big Blue sei dabei freiwillig ins Rennen gegangen; DEC hingegen habe sich erst nach einigem Zögern der Konkurrenz gestellt.

Für den DV-Profi des US-Unternehmens war dieser Testlauf eigener Aussage zufolge eine Premiere in seiner 18jährigen beruflichen Laufbahn: "Zum ersten Mal gab es einen adäquaten Vergleichsmaßstab, an dem sich alle Produkte messen mußten", beschreibt Tracy seine Erfahrung. "Alle Anbieter versuchten natürlich, subjective Kriterien in die Bewertung einzubringen. Aber unser größter Investitionsposten ist die Software; deshalb kam für uns nur die Maschine in Frage, auf der unsere Anwendung am besten laufen würde."

Einen ähnlichen Versuch mit dem Nelson-Benchmark führte auch die McDonald's Corp. durch. Evaluiert wurden mehr als 20 Unix-Rechner. Die Entscheidung fiel schließlich für die 80386-Workstation von AT&T. Die Rechner sollen in diversen US-Geschäftsstellen des Unternehmens zum Einsatz kommen.

Nach Meinung amerikanischer Analysten ist die Situation bei den beiden traditionellen IBM-Großanwendern Baxter und McDonald's symptomatisch für einen neuen Trend in der DV-Beschaffungspolitik der Anwender: Unix als SW-technische Basis, so heißt es, sei dafür prädestiniert, den Usern einen objektiven Vergleichsmaßstab für die Systementscheidung zu bieten.

Open Systems Interconnect (OSI), Manufacturing Protocol (MAP) und Technical and Office Protocol sind weitere Beispiele für den Versuch, zu einer Vereinheitlichung in der Computerszene beizutragen. DV-Manager könnten damit ein Hilfsmittel an die Hand bekommen, verschiedene Systeme besser miteinander vergleichen zu können. Dann soll auch die Ära der MIPS- und Whetstone-Raten der Vergangenheit angehören.