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06.12.1991 - 

OSF und USL zur Zusammenarbeit bereit

Unix-Konkurrenten haben das Kriegsbeil begraben

MÜNCHEN - Die Unix-Konkurrenten Open Software Foundation (OSF) und Unix Software Laboratories (USL) wollen künftig zusammenarbeiten. Dazu Roel Pieper, frischgebackener USL-Chef. "Die Anwender wollen nicht mehr in die Unix-Auseinandersetzungen der Hersteller hineingezogen werden." Doch mit einer neuen OSF/1-Version liegt bereits weiterer Zündstoff bereit.

Alain Fastré, Europachef der OSF, bestätigt, daß die beiden Open-Systems-Organisationen mittelfristig kooperieren wollen. Er stellt allerdings weniger das Anwenderinteresse als vielmehr die jüngsten Entwicklungen in den Vordergrund. Fastré: "Der Beitritt der USL zum bisher auf OSF/1 eingeschworenen ACE-Konsortium und die Übernahme unserer verteilten DV-Umgebung DCE machten eine Zusammenarbeit zwischen den Unix Laboratories und uns unvermeidlich."

Fastré stützt dies mit dem Hinweis, daß man vor allem in Bereichen kooperieren die mit ACE und DCE zusammenhängen. Zum einem sollen das OSF/1-Betriebssystem und Unix V.4 mit identischen Schnittstellen ausgestattet werden.

Auf diese Weise wird sichergestellt, daß es Käufern der von ACE empfohlenen Open-Desktop-Umgebung gleichgültig sein kann, wessen Unix oder wessen Benutzeroberfläche sie einsetzen.

Außerdem werden die Konzepte der beiden Gruppen für verteilte DV-Umgebungen aufeinander abgestimmt. So will die USL für ihr Atlas-Rahmenwerk das OSF-Produkt DCE einsetzen. "Damit wird die USL der größte Kunde der OSF", prognostiziert Pieper, der mehr DCE mit Unix V.4 verkaufen möchte als die Mitbewerber mit OSF/1.

Beim Einsatz solcher Umgebungen muß allerdings sichergestellt sein - da sind sich Pieper und Fastré einig -, daß die zugrundeliegenden Produkte reibungslos miteinander arbeiten können. Auch hier geht es also um die Erstellung gemeinsamer Schnittstellen.

Beide Manager betonen deshalb, daß es sich bei ihrer Kooperation nicht darum handele, die beiden Organisationen oder ihre Produkte zu verschmelzen, sondern darum, der DV-Industrie klarzumachen, in welchen Bereichen sich OSF und USL einig sind und wo nicht. Pieper: "Wo es keine Einigung gibt, wollen beide Unternehmen identische Schnittstellen schaffen, unter denen die verschiedenen Systeme laufen, ohne daß der Anwender oder der Entwickler dar. Über Bescheid wissen muß."

In einem Bereich gehen die Ambitionen der beiden Organisationen allerdings über das Abstecken von Claims hinaus: Sie wollen bei der Realisierung des Architecture Neutral Distribution Format (ANDF) zusammenarbeiten. Dieses OSF-Produkt, dessen Vorabversionen eben an die Mitglieder verschickt wurden, soll es ermöglichen, sogenannte Shrink-wrapped-Unix-Software zu erstellen. Das bedeutet, daß die Anwender beim Kauf - ähnlich wie bei PC-Programmen - nicht darauf achten müssen, auf welcher Hardware die Anwendungen laufen sollen.

Die Software wird dabei in einem Zwischencode ausgeliefert, der beim Installationsvorgang auf dem Zielrechner angepaßt und lauffähig gemacht wird. Genau dafür möchte die USL jetzt ihre Application Binary Interfaces (ABIs) von Unix V.4 anbieten. Sie sollen als Referenzliste für die Konfiguration der Zielumgebung dienen. Eine entsprechende Vereinbarung mit der OSF, so Pieper, gebe es bereits - wenn auch noch nicht offiziell.

Auch wenn Fastré dieses Abkommen noch nicht bestätigen mag, so geht auch er davon aus, daß OSF und USL eine über mehrere Jahre dauernde Zusammenarbeit bevorsteht. Solange benötige allein die Anpassung der DCE-Schnittstellen, danach stehe die Anpassung von Atlas an das Distributed Management Environment (DME) an - kein Wunder also, daß die beiden Open-Systems-Gruppen ihre Konkurrenzsituation herunterspielen. Sowohl Fastré als auch Pieper betonen, daß nicht sie, sondern vor allem die Hardwarehersteller miteinander im Wettberwerb stünden, die die OSF- und USL-Produkte vermarkten.

Doch der Zündstoff für künftige Konflikte liegt schon bereit: Bis 1993 will die OSF erstmals ein Unix auf den Markt bringen, das keinen USL-Code enthält und für das die Anwender keine Lizenzen mehr an die Unix Software Laboratories abführen müssen. "Erst wenn Unix nicht mehr in der Hand nur eines Anbieters ist", so OSF-Manager Fastré, "ist das Betriebssystem wirklich offen."

Die USL will nicht auf Unix-Lizenzen verzichten

Doch sobald es den Unix Software Laboratories ans Portemonnaie gehen soll, hört dort das Verständnis für die OSF-Interpretation von offenen Systemen auf. "Wenn es der OSF gelingen sollte, ein derartiges Unix auf den Markt zu bringen - was ich bezweifle -, dann wird das rechtliche Konsequenzen haben", droht USL-Chef Pieper. Fastré gibt sich jedoch gelassen. Die OSF wisse um die juristischen Probleme und werde besonders sorgfältig darauf achten, daß von niemandem Lizenzrechte mißachtet würden. Einen Anfang mache hier der Mach-Kernel von OSF/1, der bereits als Public-Domain-Software erhältlich sei.