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German Unix User Group wurde Mitglied bei Herstellerverein

Unix: Krach um Standards soll endlich beendet werden

06.10.1989

WIESBADEN (qua) - Ihren Beobachterposten am Rande der Unix-Schlacht hat die German Unix User Group (GUUG) aufgegeben: Neuerdings bemüht sich der Anwenderverein um wechselseitige Mitgliedschaften in den Herstellerorganisationen Unix International Inc. (UII), Open Software Foundation (OSF) und X/Open Ltd.

Bislang wurden diese Bemühungen erst in einem Fall von Erfolg gekrönt: Die deutsche "User Group" schrieb sich in das Mitgliederverzeichnis der UII ein; umgekehrt gehört die internationale Herstellervereinigung seit kurzem der GUUG an. Wie deren Pressesprecher, der hauptamtliche SAP-Mitarbeiter Ralph Treitz, bekannt gab, besitzt mittlerweile auch die OSF den Status eines GUUG-Mitglieds. Die Verhandlungen mit X/Open hingegen stagnierten derzeit.

Die diesjährige GUUG-Konferenz in Wiesbaden stand, so Treitz, unter dem Motto "Konsolidierung". Nach Ansicht von

Branchenbeobachtern waren in Querelen, die in den vergangenen anderthalb Jahren den Unix-Markt beherrscht hatten, schlecht fürs Geschäft. Der GUUG-Sprecher: "Es ist das natürliche Interesse jedes Anbieters zu verkaufen; und es läßt sich schlecht verkaufen, wenn der Anwender verunsichert ist."

Deshalb bekundete die GUUG jetzt ihre Absicht, an der Einigung der Unix-Welt mitzuwirken. Die Forderung nach Einheitlichkeit darf laut Treitz keineswegs mit dem Wunsch nach "Grabesruhe" gleichgesetzt werden. Doch müsse verhindert werden, daß die Unix-Entwicklung "auseinanderlaufe".

Mit ihrer angekündigten Bündnispolitik hofft die GUUG, von innen her auf die bisherigen Kontrahenten UII und OSF einwirken zu können, ohne ihre Neutralität aufgeben zu müssen. Treitz: "Wir wollen deren Ziele und Aktivitäten direkt miterleben, aber nicht an Produktentwicklungen mitwirken." In bebestreitet Treitz keineswegs: "Es wäre sicher einfacher für uns gewesen, das Ganze in sich ruhen zu lassen und nur von außen zu wirken." Wer etwas bewegen wolle, brauche jedoch

Informationen aus erster Hand. Beispielsweise sei es von Vorteil, bei der Formulierung eines Request for Technology selbst anwesend zu sein.

Die Tatsache, daß die GUUG-Mitgliedschaft in der OSF noch aussteht, will Treitz nicht als Stellungnahme zugunsten der UII gewertet wissen: "Das bedeutet nicht, daß wir Unix V 4.0 für das einzig wahre Unix halten." Vielmehr habe sich die GUUG auch mit der OSF inhaltlich geeinigt; einer Mitgliedschaft stünden lediglich formale Hindernisse im Wege.

Mittelfristig beabsichtigt die GUUG allerdings, zur Meinungsbildung in der Unix-Welt beizutragen - nicht durch einsame Entscheidungen von Vorstandsmitgliedern, sondern vielmehr in der Funktion eines Katalysators. Eines der aktuellen Anliegen sei zudem die Verstärkung des Unix-Gewichts im kommerziellen Markt. Treitz schließt nicht aus, daß sich an diesen Prozessen künftig auch hauptamtliche GUUG-Mitarbeiter beteiligen werden.

Im kommenden Jahr wird die GUUG-Konferenz voraussichtlich wieder in Wiesbaden stattfinden. Anwender wie Hersteller sind aufgerufen, dort ihre Anwendungslösungen auf Unix-Basis vorzustellen. Als Trends für die nächsten ein bis zwei Jahre hat der GUUG-Vorstand ausgemacht: Unix auf 386-Systemen sowie Telekommunikationsnetze auf Unix-Basis.

In diesem Monat feiert die GUUG ihr fünfjähriges Bestehen als eingetragener Verein. Die weit über 800 Mitglieder setzen sich aus etwa 350 Unternehmen und 450 Personen - darunter ungefähr 100 Studenten -zusammen. Anwender im klassischen Sinne sind in der Minderzahl (vergleiche in dieser Ausgabe Seite 13: "User ist ein Gummi-Begriff"). Nach Auskunft ihres Pressesprechers bemüht sich die GUUG derzeit um den Nachweis der Gemeinnützigkeit.