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23.11.1984

Unix: letzte Chance der Nicht-IBM-Anbieter

23.11.1984

"Da meldete sich jetzt die deutsche Sperry GmbH (vormals Sperry Univac) mit einer klaren Absage an einen sklavischen IBM-Kompatibilitätsgehorsam zu Wort, der, laut Marketing-Direktor Blasberg, "auf lange Sicht selbstmörderisch " wäre. Andererseits, so die Aussage des Sperry-Marketiers, gewinne IBM-Kompatibilität immer mehr an Boden, werde die IBM-Welt immer größer. Man interpretiert Blasberg sicherlich falsch, wenn man Resignation zu spüren glaubt, nach der Fatalisten-Regel: Mit IBM tot - ohne IBM tot! Einen Ausweg kennt der Sperry-Prophet indes nicht ..."

Aus der COMPUTERWOCHE Nr.28 vom 8. Juli 1983, Kolumne.

Blasberg hat Sperry mittlerweile verlassen. Seine Aussagen haben nichts an Aktualität eingebüßt. Im Gegenteil: Die IBM-Welt wächst und wächst. Sperry wird, keine Frage, der Boden sehr heiß unter den Füßen, dieweil IBM im Mainframe-Geschäft nichts anbrennen läßt. Nach dem Flop mit dem Amdahl-Engagement (CW Nr. 34 vom 17. August 1984, Seite 1:" Trilogy gibt auch Wafer-Scale-Forschung auf") verfügt Sperry derzeit über keine langfristige Alternative zu IBM im Großrechnerbereich.

Eine neue Marketingstrategie, "Sperry und Unix", sowie OEM-Abkommen mit NCR (" NCR und Unix"), Computer Consoles und Arete Systems Corp. (Seite 1): Ist das wirklich die rettende Vitaminspritze für einen Computerveteranen, der die IBM einst das Fürchten lehrte?

IBMs Altrivalen machen jedenfalls mobil: Nach NCR, Honeywell und Burroughs hat sich nun auch Sperry vorsorglich einen Unix-Maschinenpark zugelegt. Die Kampfansage richtet sich freilich nicht gegen den Mainframe-Giganten - dazu fehlen ganz einfach die Mittel und die Suizid-Gelüste. Sie ist offenbar für Mini-Anbieter wie Digital-Equipment, Data General, Prime, Gould oder Perkin-Elmer bestimmt, lauter Unix-Anhänger, die genug mit sich selbst zu tun haben, als daß sie auf direkte Kofrontation mit der IBM ankommen lassen können.

Zutage liegen die Erwartungen der "BUNCH" - Burroughs, (Sperry)Univac, NCR etc. - an ein Betriebssystem, für das sich auch AT&T stark macht. Der amerikanische Telefonriese ist bisher freilich den Beweies schuldig geblieben, Computer erfolgreich vermarkten zu können .

Ob sich die Unix-Anstregung für AT&T einmal auszahlen, ob es dem IBM-Herausforderer letztlich so ergehen wird wie Xerox mit Ethernet (außer De-facto-Standards nichts gewesen), soll hier nicht das Thema sein, so interessant es sicherlich wäre. Es geht um Sperry - stellvertrend für alle Nicht-IBM-Anbieter.

Zwingende Gründe gibt es für Sperry, den Unix-Weg zu wählen: Zum einen wird der offene Kampf gegen die IBM immer aussichtsloser. Zum anderen stößt um die Expansion im Windschatten der IBM, mit dem Marktführer, auf marktpolitische Grenzen, wie jüngste Beispiele aus den Lagern der PCs (StorageTek , Control Data) und der PC-Kompatiblen (Eagle, Otrona) zeigen. Die Konsequenz heißt deshalb: Der IBM ausweichen, dem Trend zu Unix kräftig Schützenhilfe leisten.

"Einen Ausweg kennt der Sperry Prophet indes nicht" hatten wir das Zitat abrupt enden lassen (siehe oben). Hier die Fortsetzung und der Schluß: "...den Schiedsspruch überläßt er (Blasberg) den Anwendern. Die könnten sich ja für die richtigen drei Buchstaben entscheiden, nämlich "OSI": Open Systems Interconnection. In dem Portabilitätskonzept von Unix, daran besteht kein Zweifel, ist etwas von der Idee des "offenen" Systems verwirklicht.