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28.10.1994

Unix-Lizenzierungspolitik prohibitiv Entscheidung fuer Windows NT wurde von der SAP mitgetragen

Von Anette Klueber-Meyer*

In einem stark Hostorientierten DV-Umfeld, bestehend aus IBM- Hosts in mehreren RZs und - unter anderem - 93xx-Maschinen galt es, die Infrastruktur neu in Richtung Client-Server-Technologie auszurichten. Unterschiedliche Ueberlegungen brachten Windows-NT ins Spiel. Ein Anwenderbericht aus der Deutschen Bundespost Postdienst.

Im Jahr 1991 wurden innerhalb des fuer Informationstechnologie zustaendigen Geschaeftsbereichs der DBP Postdienst Ueberlegungen zu einer Veraenderung der IT-Infrastruktur angestellt.

Bis dahin war das DV-Umfeld stark IBM-orientiert, bestehend aus Hosts in mehreren Rechenzentren, darunter in einer tieferen Hierarchiestufe 93xx-Maschinen. Daran angeschlossen waren im wesentlichen Steuereinheiten mit Terminals beziehungsweise PCs mit Emulationskarten und Drucker (vgl. Abbildung 1 auf Seite 56).

Einstieg in die neue Technologie

Die Neuausrichtung wurde durch eine verstaerkte Nachfrage nach dem Einsatz von auf dem Markt verfuegbarer Standardsoftware durch die Fachabteilungen, durch Einsatz von Datenbanken sowie Umorientierung auf Client-Server-Strukturen notwendig. Ein weiteres wichtiges Kriterium war die Moeglichkeit, offene Systeme einzusetzen.

Nach entsprechenden Untersuchungen und Analysen der Planungen der Fachabteilungen und der daraus resultierenden Weiterentwicklung der IT-Landschaft fuehrte man eine Ausschreibung zur Ermittlung der zukuenftigen Server-Plattform durch. Sie endete mit der Entscheidung, Unix-Systeme von AT&T GIS (vormals NCR) einzusetzen. Damit wurden die AT&T-Systeme der Serie 3000 mit dem Betriebssystem Unix V.4 zur strategischen Server-Plattform, auf die man die weiteren Client-Server-Konzepte ausrichtete. Des weiteren ist dies auch die Plattform, die von den Fachabteilungen und der Anwendungsentwicklung genutzt werden soll.

Neu angeschaffte PCs sollen diskless sein

Daraufhin begann man, diese neuen Systeme in die bestehende IT- Landschaft zu integrieren beziehungsweise Veraenderungen an der IT- Struktur vorzunehmen. So wurden ein TCP/IP-Weitverkehrsnetz errichtet sowie ein auf Unix-Systeme abgestelltes Netzwerk- Management aufgebaut. Man stellte eine Administrationsoberflaeche, aehnlich der "Sysadm" auf Basis von FLMI-Programmierung fuer verschiedene Bedienerberechtigungen ferner Loesungen fuer Filetransfer, Backup, Restore etc.

Die Basis fuer die lokalen Netzwerke bildet ein Token Ring, an dem die Unix-Systeme angeschlossen sind.

Ebenfalls - ueber TR-Karte - angeschlossen sind die am Arbeitsplatz eingesetzten PCs, die IBM-93xx-Systeme sowie Steuereinheiten mit den darueber zugreifenden 3270-Terminals. Ueber den TR wird sowohl der SNA-Verkehr zur 93xx beziehungsweise ueber Router zum Host gefahren als auch Netbeui ueber TCP/IP im LAN und TCP/

IP zu den Unix-Systemen. Die Verbindung zwischen den PCs und dem Server wird ueber das AT&T-Produkt "Stargroup", ein LM/X- basierendes Tool, hergestellt. Die Clients werden unter Windows 3.1 oder Windows for Workgroups als LM/X-Clients betrieben (vgl. Abbildung 2 auf Seite 58).

Neu angeschaffte PCs sollen diskless sein und ihre gesamte Software auf dem Server finden.

Handelt es sich um schon vorhandene Geraete, die mit einer Festplatte bestueckt sind, oder Geraete, die aus einem anderen Grund eine Festplatte benoetigen, werden diese vor dem Netzanschluss mit "Safeguard" ausgestattet.

Mit dem Einsatz der Unix-Architekturen wurde auch die Frage der Datenbank neu diskutiert. Urspruenglich war der Einsatz der Datenbank Adabas auch auf den Unix-Systemen geplant. Aufgrund strategische Veraenderungen wurde davon jedoch abgegangen und Oracle eingesetzt. Auch bei den Programmiersprachen und CASE-Tools kam es zu einer kompletten Veraenderung der Entwicklungsumgebung: objektorientierte Entwicklung mit C++.

NT-Einstieg im Bereich Entwicklungsumgebung

Der Einstieg in die objektorientierte Programmierung fuehrte zu einer Ausschreibung der CASE-Tools mit dem Ziel, diese auf der AT&T-Unix-V.4-Plattform einzusetzen. Diese Ausschreibung fuehrte allerdings zu dem Ergebnis, dass die gewuenschte Entwicklungsumgebung entweder auf der Unix-Plattform eines anderen Herstellers oder auf Windows NT ablauffaehig ist. Durch die Preisgestaltung im NT-Umfeld war die Entscheidung fuer den Einsatz der CASE-Tools und anderer Werkzeuge (Versionsverwaltung, Test etc.) auf der NT-Plattform relativ schnell gegeben. Fuer die Entwicklung werden nun Server mit Windows NT und NT-Clients eingesetzt.

Die Veraenderung in der Entwicklungsumgebung fuehrte allerdings bei vielen Anwendungsplanern dazu, den Einsatz des strategischen Server-Betriebssystems Unix V.4 zu ueberdenken.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der fuer den Einsatz von NT spricht, liegt in der Userabhaengigen Lizenzierungspolitik im gesamten Unix-Umfeld. Speziell Installationen mit grossen Benutzerzahlen, die trotzdem nicht viel mehr als nur ein Filesharing auf dem Unix- Server durchfuehren, werden kostenmaessig mit dieser Lizenzpolitik relativ hoch belastet. Dazu kommen kleine Installationen, die ebenfalls einfacher und kostenguenstiger mit einem NT-Server arbeiten koennten. Die durch den allgemeinen Einsatz von Windows auf den Clients bekannte Oberflaeche von NT vereinfacht die Bedienung und

Administration der Server.

Im Fruehjahr 1994 entstand im Rahmen der Anwendung "Finanzbuchhaltung Niederlassungen" (FIBU NL) die Forderung nach dem Einsatz der Standardsoftware "R/3" von SAP. Auch hier wurde zunaechst versucht, diese Anwendung auf die strategische Server- Plattform Unix V.4 zu bringen. Doch machten Gespraeche mit SAP deutlich, dass R/3 nicht auf die AT&T-Systeme mit Unix V.4 portiert werden wuerde. Auf dieser Hardwareplattform unterstuetzt SAP R/3 nur unter dem Betriebssystem Windows NT.

Die Alternative hierzu bestand in der Beibehaltung des Betriebssystems Unix V.4 auf Basis einer anderen Hardware. Zunaechst wurde getestet, inwieweit alle erstellten Verfahren und Tools unter einem Unix V.4 eines anderen Herstellers ablauffaehig sind. Nachdem sich dies sicherstellen liess, lautete die Fragestellung: Verbleib beim derzeitigen Hardwarelieferanten und Einstieg in ein neues, zusaetzliches Betriebssystem oder Wechsel zu einem neuen Hardwarelieferanten unter Beibehaltung des derzeitigen Betriebssystems und damit auch in der Flaeche fuer die Administration und die Fernueberwachung keine Unterschiede?

Um eine endgueltige Entscheidung hierueber treffen zu koennen, wurde mit Unterstuetzung und in Abstimmung mit SAP ein auf die Belange der Anwendung abgestimmter Test auf beiden Umgebungen gefahren. Bei der einen Maschine handelte es sich um eine RM 600 mit Sinix, bei der anderen um eine AT&T 3555 mit Windows NT.

Bei beiden Geraeten verliefen Installation und Inbetriebnahme von R/3 gleichermassen erfolgreich und problemlos.

Speziell auf der NT-Maschine wurde der Anzahl von Benutzern der Module SD und FI und dem jeweiligen Antwortzeitverhalten besondere Bedeutung beigemessen. Hervorgetan hat sich an erster Stelle SAP.

Waehrend des Testverlaufs kam es zu einem Plattenausfall. Dank Raid 5 und des Stripping-Mechanismus von NT war der gesamte Datenbestand schon eine Stunde nach Einbau der neuen Platte im laufenden Betrieb fuer die Anwendung wieder verfuegbar, und dies ohne Einsatz des Systemadministrators. Insgesamt erwies sich NT als sehr stabil und aeusserst leistungsfaehig, und die SAP-Benchmarks fuehrten zu sehr guten Ergebnissen. Als Clients wurden hier auch NT-Clients eingesetzt.

Auch von fuer den Bereich Systemsoftware zustaendigen Planern wurden Untersuchungen von Windows NT begonnen. Speziell die Einbindung in ein lokales Netzwerk, die lokale und die Fernadministration, Domaenenkonzept und weiteres betrachtet man genauer. Diese Arbeiten sind derzeit noch nicht abgeschlossen.

Argumente fuer die Entscheidung

Inzwischen wurde ein Schulungsraum komplett auf NT-Server mit NT- Clients umgestellt. Ein Unix-Server befindet sich ebenfalls in diesem Netz. Auch diese NT-Installationen verliefen sehr gut.

Anfang September wurde Windows NT AS (Advanced Server) als zusaetzliches Server-Betriebssystem und Windows NT als Betriebssystem fuer Clients freigegeben.

Zunaechst soll dies im Bereich der Entwicklungsumgebung und fuer R/3-Anwendungen zum Einsatz kommen. Ausserdem kann es im Einzelfall, besonders bei kleineren Installationen, nach genauer Untersuchung der jeweiligen Applikationen laufen.

Fuer die erste Anwendung "FIBU NL" waren die folgenden Argumente fuer die Entscheidung, Windows NT als Server- und Client-Plattform einzusetzen, ausschlaggebend:

- die sehr guten Testergebnisse unter NT;

- das stabile und gute Systemverhalten

- die relativ einfache Administration von Windows-NTAS-Servern;

- die durch Windows-Clients bereits bekannte grafische Oberflaeche und

- die Systemsicherheit.

Die kuenftige Einbindung NT-basierter Systeme in das bestehende IT- Umfeld bedingt zunaechst eine genaue Untersuchung verschiedener Schwerpunkte: SNA-Services, des Tools "SMS", Druckereinbindung und Aufbau von NT-Know-how. Anschliessend sollen Testinstallationen von Servern zu Infrastrukturzwecken auf NT-Basis erfolgen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Einbindung von NT-Systemen in die DBP-Administration und das Erstellen der notwendigen Unterlagen fuer den Betrieb der Systeme.

* Anette Klueber-Meyer ist Fachgruppenleiterin Client-Server- Systeme in der Generaldirektion Postdienst in Darmstadt.