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11.10.1985 - 

Paderborner wollen mit Targon 35 rechtzeitig Wachstumsfelder belegen:

Unix-Modell soll Nixdorf die Fabriktore öffnen

WIEN - Das Top-Modell ihrer Unix-Systemfamilie stellte Nixdorf jetzt in Wien mit dem Supermini "Targon /35" vor. Neben dem schon bekannten fehlertoleranten System 8832, das letzt Targon /32 heißt, soll die Serie in den nächsten Monaten um Workstation und Supermikros erweitert werden.

Mit der Targon-Serie will sich die Nixdorf Computer AG zusätzliche Optionen auf Wachstumsfeldern schaffen. Indem man solche Felder rechtzeitig belegt, kann man auch künftiges Wachstum sichern. Diese Ansicht vertrat der stellvertretende Nixdorf-Vorstandsvorsitzende Klaus Luft anläßlich der Präsentation vor der internationalen Fachpresse in der Wiener Hofburg. Der Name "Targon", dem man die Bedeutung "Target on" unterlegen kann, soll die neuen Produkte schneller zum Mar- kenbegriff werden lassen als die früher übliche Nummernbezeichnung.

Die Grundausstattung des Modells /35, das ab sofort zum Vertrieb freigegeben ist, kostet 650 000 Mark und umfaßt die CPU mit Cache-Speicher, einen Arbeitsspeicher von 4 MB, einen Terminal- und einen Service-Prozessor, ein Plattenlaufwerk mit 415 MB, ein Streaming-Magnetband, einen Konsol-Bildschirm sowie das Betriebssystem Unix.

Für den Vertrieb der Targon-Serie wurden bisher Vertriebsgruppen in München, Stuttgart, Hamburg und Düsseldorf eingerichtet. Ihre Mitarbeiter kämen überwiegend von der Anwendungsseite, beispielsweise aus der Fertigungsautomatisierung. Außer in Deutschland wird Targon von Nixdorf auch in den USA und in den Niederlanden vermarktet, ab 1986 auch in England. Das erste System Targon /35 sei bereits bei einem deutschen Automobilhersteller installiert. Fünf weitere Aufträge von Instituten und Hochschulen lagen Anfang Oktober vor; sie sollen noch in diesem Jahr ausgeliefert werden.

Strategisch wichtige Aspekte für die Entwicklung der Targon-Familie waren unter anderem die Verwendung des Betriebssystems Unix System V als hardwareunabhängigem Industriestandard, die Sicherung von Wachstumsmöglichkeiten von der Workstation bis zum für maximal 120 interaktive Benutzer ausgelegten Supermini sowie die Kompatibilität nicht nur beim Betriebssystem, sondern beispielsweise auch bei Datenbanksystemen, Tools und Sprachen. Hervorgehoben wird die Offenheit der Systeme für das Softwareangebot Dritter sowie die Verwendung von innovativer Technologie wie der Risc-Architektur beim Targon /35 oder von Software der vierten Generation.

Universelle Einsatzmöglichkeiten im kommerziellen und technischwissenschaftlichen Bereich war eine weitere Zielvorgabe. Targon soll Nixdorf die Fabriktore öffnen und beispielsweise in den Bereichen CAD/CAM oder in der Betriebsdatenerfassung eingesetzt werden. An die Direktsteuerung von Maschinen sei allerdings nicht gedacht. Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind weitere Zielmärkte. Auch der Schritt in die Bürowelt, wo Targon /35 wegen seiner hohen Leistung als Server Verwendung finden könnte, ist mittelfristig geplant.

Der neue Supermini Targon /35 läßt sich mit 3,2 Mips im Markt der Superminis einordnen, dessen Bandbreite etwa zwischen 1 Mips und 4 Mips liegt und der derzeit von Herstellern wie DEC, Prime, Harris oder IBM besetzt ist. Targon /35 ist das Ergebnis eines Abkommens zwischen dem US-Hersteller Pyramid Technology Corporation und Nixdorf, das Technologieaustausch und gemeinsame Produktentwicklung vorsieht. Ein auf fünf Jahre befristeter OEM-Vertrag soll die Lieferung von Komponenten an Nixdorf sichern. Pyramid habe bis heute rund 300 Systeme mit Risc-Architektur installiert.

Die Risc-Architektur (Risc steht für "Reduced Instruction Set Computer") trägt wesentlich zur internen Leistung des Modells /35 bei. Diese auf Forschungen an den Universitäten Berkeley und Standford basierende Architektur verwendet einen relativ kleinen Befehlsvorrat mit elementaren Befehlen kurzer Wortlänge, die meist in nur einem Maschinenzyklus abgearbeitet werden können. Risc-CPUs erfordern deshalb gegenüber herkömmlichen komplexen Architekturen einen wesentlich geringeren Aufwand in der Befehlsdecodierung und führen damit zu hardwaremäßig einfacheren, das heißt preisgünstigeren, und schnelleren Rechenwerken.

So hatte eine Berkeley-Studie ergeben, daß 80 Prozent eines Programms von nur 20 Prozent der Befehle eines üblichen Instruktionssatzes erledigt werden. Für diese 80 Prozent bringt die Risc- Architektur kürzere Ausführungszeiten. Bei den restlichen 20 Prozent nimmt man entweder eine etwas langsamere Verarbeitung in Kauf oder ergänzt die Zentraleinheit für technisch-wissenschaftliche Anwendungen mit speziellen Gleitkommaprozessoren.

Einen Schwerpunkt seiner UnixAktivitäten sieht Nixdorf in der Entwicklung von Softwarekomponenten, mit denen der Leistungsumfang von Unix ergänzt und noch bestehende Schwächen dieses Betriebssystems gemildert werden sollen. So wird unter anderem eine eigene relationale Datenbank RDS mit der IBMkompatiblen Abfragesprache SQL angeboten, weiterhin Software-Tools und Kommunikationskomponenten. RDS/Dialog und RDS/Easy sind eigene, Endbenutzer-orientierte Sprachen.

Diese von Nixdorf oder im Auftrag von Nixdorf entwickelte Software könne durch das Angebot Dritter ergänzt werden, beispielsweise durch die relationale Datenbank Oracle oder mit Tools für die Programmentwicklung von Delta Systems. BM in Ulm bietet für Targon /35 das CAD/ CAM-System Cadlan an, Tedas in Marburg die Simulationsprogramme Adams und Dram von Mechanical Dynamics. Übergeordnetes Ziel beim Software-Angebot für die Unix-Serie ist die Benutzernähe und das Bereitstellen von Anwendungen, um die neuen Technologien der Systeme auch effektiv nutzen zu können.

*Kristin Mierzowski ist freie DV-Fachjournalistin