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31.01.1992 - 

Uniforum '92 - Messe der Perspektiven

Unix nicht mehr unbestritten der Inbegriff offener Systeme

SAN FRANZISKO - "Es muß ja nicht immer Unix sein." Mit dieser Bemerkung kratzten Besucher, Referenten und Aussteller auf der Uniforum 592, der weltgrößten Open-Systems-Veranstaltung, am Image des Multiuser-Betriebssystems. Im Brennpunkt standen Themen wie Mikrokernel-Betriebssysteme, objektorientierte Techniken und immer wieder offene Netz-Standards.

Anlaß für das Überdenken der Rolle von Unix als Vorreiter auf dem Weg zu offenen Systemen bot vor allem die Präsentation des Mikrokernel-Betriebssystems der Open Software Foundation. Diese Technik erlaube es, so war auf einer Diskussionsveranstaltung zu dem Thema zu hören, einen Betriebssystem-neutralen Kernel mit Systemdiensten wie File-, Stream- und Device-Services zu umgeben. Auf diese Weise löse sich die herkömmliche Vorstellung von einem einheitlichen Betriebssystem zugunsten einer beliebig konfigurierbaren Funktionsvielfalt auf.

Nach Ansicht von Daniel Julien, Entwickler an der Carnegie Mellon Universität, müsse es das Ziel sein, eine Komponenten-Industrie zu entwickeln die Services und Server-Software für den Kernel anbietet. Dadurch entstände jedoch eine Vielfalt an Konfigurationsmöglichkeiten, die nur durch ein allgemeines Rahmenwerk für die Systemintegration in den Griff zu bekommen sei. Dies sei einer Aufgabe für Standardisierungsgremien. Unix erwähnt Julien lediglich als eine unter vielen Betriebssystemvarianten, die der Kernel emulieren könne.

Michel Gien von Chorus Systemes hielt dagegen noch an Unix-Betriebssystemen fest. Ihre Bedeutung reduziere sich jedoch darauf, dein Anwender eine ihm vertraute Umgebung zu bieten. Außerdem könnten so die bisherigen Applikationen wiederverwandt werden. Ziel sei es jedoch, verteilte Umgebungen mit verteilten Betriebssystemen und verteilten Anwendungen zu realisieren. Chorus bietet ein in C++ geschriebenes Mikrokernel-Produkt auf der Basis von Unix V.4 an.

Die herausragende Rolle des Unix-Betriebssystems werde jedoch nicht nur im Zusammenhang mit Mikrokernel-Techniken in Frage gestellt, sondern auch aus dem Blickwinkel des Downsizing-Trends.

Mark Teflian, President von Covia Technologies, vertrat den Standpunkt, daß bei extrem hohen Transaktionsraten, wie sie bei Reservierungssystemen von Luftfahrtgesellschaften die Regel sind, selbst ein multiprozessorfähiges Unix versagen würde.

Wie auch die anderen Referenten zu diesem Thema forderte er daher statt Downsizing ein sogenanntes, "Mixed Sizing". Darunter versteht er ein Konzept der kooperativen Datenverarbeitung mit hochspezialisierten Rechnern und Betriebssystemen. Die Offenheit einer solchen Umgebung müsse dann über standardisierte Schnittstellen hergestellt werden.

Bei aller Zukunftsorientierung verschafften sich aber auch die Verteidiger von Unix Gehör. Sun-Boss Scott McNealy pries in der Eröffnungsrede Unix als das offenste und innovativste aller Betriebssysteme. Vor allem aber sei es auf jeder beliebigen Plattform zu haben. Er erinnerte daran, daß die Bedienereigenschaften durch grafische Oberflächen revolutioniert wurden, die Standardisierungsbemühungen die vielen Unix-Dialekte auf wenige eng verwandte Implementierungen reduziert hätten und kommerzielle Anwendungen inzwischen zuhauf existierten.

Außerdem verwahrte er sich gegen den Vorwurf, Unix sei eine Mode der 80er Jahre und habe den Zenit bereits überschritten. Als im Ansatz gelöste Aufgaben dieses Jahrzehnts nannte er die weltweite Vernetzung (so betreibe Sun ein Unix-Netz mit 17 000 Knoten), die inzwischen realisierte Verbreitung des Betriebssystems vom Laptop bis zum Supercomputer und die Fähigkeit, zukunftsträchtige Technologien wie Objektorientiertheit oder Multiprocessing zu unterstützen. Die Multimedia-Eigenschaften von Unix demonstrierte er an einem Message-System bei dem das Portrait-Foto des Anrufers auf dem Bildschirm erscheint und gleichzeitig dessen Nachricht ertönt.

Dabei räumte McNealy unter Anspielung auf die Mikrokernel-Architekturen Chorus und Mach ein, daß Unix nicht das einzige offene Betriebssystem ist. Sein Argument: Unix ist auf jeder Plattform und in jeder Technologie zu Hause. Dies sei eine Erfolgsgarantie bis in das 21. Jahrhundert.

_AU:Hermann Gfaller