Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

17.09.2004 - 

Microsoft-Opposition will Aufsplitterung in Varianten verhindern

Unix-Schicksal soll Linux erspart bleiben

MÜNCHEN (CW) - Mit einem klaren Bekenntnis zu den aktuellen Referenzspezifikationen der "Linux Standard Base" (LSB) haben sich zahlreiche Hersteller und Distributoren für eine einheitliche Version des quelloffenen Betriebssystems ausgesprochen. Sie wollen verhindern, dass Linux ähnlich wie zuvor das Unix-Betriebssystem in verschiedene Varianten zerfällt.

Linux-Distributoren und Hersteller wie IBM, Hewlett-Packard, Dell und Intel haben angekündigt, die neue Version 2.0 von LSB unterstützen zu wollen. Diese von ihnen im Rahmen der Free Standards Group entwickelten Kriterien zielen darauf ab, eine weitestgehende Kompatibilität zwischen verschiedenen Linux-Distributionen sicherzustellen. Anwendungen, die auf einer LSB-zertifizierten Plattform entwickelt wurden, sollen sich auf allen anderen konformen Distributionen einsetzen lassen. Mit den aktuellen Spezifikationen wird diese gemeinsame Basis weiter ausgedehnt. Sie umfasst nun 64-Bit-Prozessorarchitekturen von IBM, AMD und Intel und macht es erstmals möglich, auch C++-Anwendungen für LSB zu zertifizieren (siehe Kasten "Neuerungen", Seite 4).

Jim Zemlin, Executive Director der Free Stan- dards Group, bezeichnete die Übereinkunft als "essentiell für Linux im Kampf gegen Microsoft". Ohne Kontrolle könnten sich Betriebssystem und Anwendungen so verändern, dass sie teilweise inkompatibel würden.

Linux-Befürworter warnen seit Jahren davor, die quelloffene Software könne sich durch "Forking" in verschiedene nicht mehr zueinander kompatible Zweige entwickeln, so wie dies historisch schon mit Unix geschehen war. Wenig förderlich für das Image von Linux war zudem, dass die Verhandlungen innerhalb der Free Standards Group manchen Mitgliedern viel zu lange dauerten. Als Reaktion darauf entstand Ende 2002 mit "United Linux" eine eigene Standardisierungsinitiative der Linux-Distributoren Suse, Caldera, Turbolinux und Conectiva. Die Aktivitäten sind allerdings mittlerweile weitgehend eingestellt worden.

Um den Vormarsch von Linux zu verhindern, hatte außerdem Microsoft diverse Initiativen gestartet. In Europa wurden beispielsweise Anzeigen geschaltet, die Linux-Pinguine mit allerlei "Auswüchsen" wie Elefantenrüsseln oder Froschfüßen darstellen. Damit wollte die Gates-Company deutlich machen, dass die Aufsplitterung des Systems in diverse inkompatible Varianten auf Dauer unausweichlich sei.

Mehr Service statt Features

Die Ankündigung bezüglich der Unterstützung der LSB 2.0 könnte Microsoft indes den Wind aus den Segeln nehmen. Von den Distributoren, zu denen auch die Gründer von United Linux zählen, haben unter anderem Red Hat, Suse Linux, MandrakeSoft, Micracle Linux (Japan), Sun Wah Linux (China) und Conectiva (Brasilien) ihren Support für die gemeinsame technische Basis bekundet. Zudem zeigt sich ein Sinneswandel: "Wir wollen uns durch Support-Angebote und einen höheren Grad an Zuverlässigkeit vom Wettbewerb unterscheiden und nicht durch das Hinzufügen inkompatibler Features", erklärte Jeff Hawkins, Novells Vice President für das Linux-Geschäft. Es sei möglich, die Leistung von Linux zu steigern und das System auf größeren Rechnern zum Laufen zu bringen, ohne die Kompatibilität mit den Standards zu gefährden.

Jeffrey Wade, ein Linux-Verantwortlicher bei HP, erhofft sich von LSB 2.0 unter anderem Einsparungen bei den Kompatibilitätstests für Anwendungssoftware und Hardware, "weil wir gegen einen Standard testen können anstatt gegen jede einzelne Distribution". Für Dan Fry, Vice President von IBMs Linux Technology Center, ist es "wichtig, einen Standard zu haben, auf den Kunden und Softwareanbieter schauen können". Er halte allerdings die Bedenken hinsichtlich einer Zersplitterung von Linux für übertrieben. Änderungen am System selbst würden von Linus Torvalds überwacht, der die erste Version der Software entwickelte und auch die Trademark Linux besitzt. (tc/as)

Die Neuerungen

- Version 2.0 von LSB lässt sich durch "Module" erweitern, um beispielsweise Standards für vertikale Märkte hinzufügen zu können.

- Das lang erwartete C++ Application Binary Interface (ABI) ist verfügbar.

- 64-Bit-Hardware-Support für IBM "Power PC 64", S/390, S390/X, AMD 64-Bit "Opteron" sowie Intels 32- und 64-Bit-CPUs.

- Unterstützung der "Single Unix Specification 3.0".

- Aktualisierte Tool-Sammlung, die Testsuites, eine Entwicklungsumgebung und Dokumentation sowie eine Referenz-Implementierung umfasst.