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Mittelständler verlieren das Vertrauen zu Big Blue

Unix soll RPG-Anwender aus der IBM-System/36-Sackgasse holen

03.08.1990

NÜRNBERG (gfh) - Die /36-Rechner der IBM sind am Ende ihres Lifecycles angelangt, doch der vom Hersteller empfohlene Migrationspfad zur AS/400 ist den mittelständischen Unternehmern zu teuer und zu schwierig. Immer mehr finden daher den Weg von proprietären Produkten hin zur offenen Unix-Welt.

In Nürnberg trafen sich kürzlich Anwender und Software Unternehmen, die bereits auf Unix umgestiegen sind oder zumindest konkrete Schritte in diese Richtung unternommen haben. Im Zentrum dieser Versammlung stand ein Migrations-Werkzeug mit der Bezeichnung "Unibol", das bereits Mitte der achtziger Jahre von AT&T bei der irischen Software Ireland Ltd. in Auftrag gegeben wurde, um den /36-Markt abzulösen. Unibol verwandelt RPG-Anwendungen in Unix-Programme, wobei allerdings die vertraute /36-Umgebung erhalten bleibt.

Die 25 geladenen Teilnehmer zeigten großes Interesse an der Unix-Portierung, wollten dazu jedoch nicht namentlich genannt werden. Der Grund: Knapp die Hälfte waren IBM-Vertragshändler, die" um Gottes willen" nicht mit einer Veranstaltung in Verbindung gebracht werden wollten, auf der der Ausstieg aus der proprietären IBM- in die weit offenere Unix-Welt thematisiert wird. Eine Reihe von ihnen räumte denn auch ein, die formale Gründung einer Unix-Tochter zu planen, um sich nicht den Zorn ihres Lieferanten zuzuziehen.

Tatsächlich positionierte Barry Hagan, Vice-President von Software Ireland, sein Produkt eindeutig gegen IBM: "Unibol richtet sich gegen die AS/400 und eignet sich für alle Softwarehäuser und Anwender, die auf RPG-Sourcen zugreifen können." IBM-Programme wie Sort und Maint lassen sich also nicht portieren, da die Armonker ihren Quellcode nicht preisgeben - eine unwesentliche Einschränkung, da die Software anderer Hersteller weit mehr verbreitet ist.

Mit konkreten Erfahrungen konnte Hans Reiff, EDV-Leiter der in Nürnberg ansässigen Sanitär-Großhandels-GmbH Richter + Frenzel aufwarten. Er berichtete, daß sein Unternehmen das System/36 heute nur noch für die Datenkommunikation mit den Außenstellen nutzt.

Unix-Vorteile hoben klares Übergewicht

Aber auch diese neun Unternehmen sollen jetzt sukzessive mit Unix-Systemen ausgestattet werden. Bei den anderen Teilnehmern der Nürnberger Veranstaltung sind zumindest Probe-Installationen vorgenommen worden.

Reiff betonte, daß die Entscheidung für die Migration zwar nicht leicht gewesen sei, sich jedoch gelohnt habe: "Die Vorteile von Unix gegenüber der AS/400 hatten ein klares Übergewicht. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist wesentlich günstiger und das Anwortzeit-Verhalten bestechend." Probleme habe es lediglich mit dem Druckerspooler gegeben, der anfangs nicht mit dem von den /36-Rechnern gewohnten Standard vergleichbar gewesen sei.

Einig waren sich Anwender wie Anbieter, daß RPG unter Unix keine Insel bleiben dürfe. Deshalb verspricht Larry Hagan für die nächsten Jahre eine SQL-Schnittstelle für die Einbindung von Unix-Datenban ken.

Außerdem sollen die Anwender unter Unix weiter Programme entwickeln können. Dafür kündigte Hagan noch für dieses Jahr einen Cobol-Compiler auf Basis des Micro-Produkts an. Bis dahin soll Unibol auch die Portierung von /36-Cobol nach Micro-Focus-Cobol beherrschen.

Die Umstellung bei Richter + Frenzel wurde mit Hilfe von "Sipra" vorgenommen, der von Siemens vertriebenen Version der Migrationssoftware. Neben AT&T bieten auch Unternehmen wie ICL und Bull Portierungen auf Basis dieses Produkts an. Eine aktive Vermarktung unter der Produktbezeichnung"Sipra" leistet sich hierzulande allerdings nur die Siemens AG.