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07.10.1988 - 

AT&T, OSF und XOpen am GUUG-Diskussionstisch:

Unix-Strategie mit Sollbruchstellen ?

HANNOVER - Weltpremiere mit Wermutstropfen: Zwar traf sich das Unix-Poker-Dreigespann erstmals - dank GUUG - öffentlich an einem Tisch, doch blieb das As um Markt und Macht im Ärmel. Von AT&T ein Statement und sonst Schweigen. Das erwartete politische Feuerwerk verlief als reines Marketing-Geplänkel.

Von erwartungsfroher Lust bis zu einem eher gelangweiltem "Aha" zog sich die Emotionskurve der Zuhörer während der Podiumsdiskussion der drei Normierungsgiganten auf der GUUG-Jahrestagung.

Gleich zu Beginn präsentierte Ralph Treitz, Pressebeauftragter der German Unix User Group dem Auditorium den offenbar unvermeidlichen Wermutstropfen. Der Vertreter von AT&T war lediglich bevollmächtigt, ein Statement seiner Company zu verlesen (siehe untenstehenden Kasten), und zu "sonst gar nichts".

Dennoch - "die Welt ist ja noch ganz heil, wahrscheinlich haben wir das bloß noch nicht erkannt", so die Beschwichtigung des OSF-Europadirektors Henning Oldenburg. Ziel der OSF sei doch, auf der Basis von Posix- und X/Open-Spezifikationen sowie Industriestandards eine portable Systemumgebung zu schaffen. Dies solle mit verfügbaren Technologien erreicht werden. An der Wahl von IBMs AIX als Betriebssystemgrundlage aber habe sich nichts geändert, erläuterte der Europadirektor den Stand der Dinge. Von wem die technischen Grundlagen für die aufzubauenden OSF-Produkte schließlich kämen, sei unerheblich -"wenn diese Technologie von AT&T kommt, dann ist uns das um so lieber".

Für den Anwender kam John Totman, Director European Programs der X/Open, zur Sache: "Die Orientierung auf einen Standard erst gibt die Freiheit, zwischen verschiedenen Herstellern zu wählen", aber, so eine Übereinstimmung mit Henning Oldenburg, Normierungen seien nur dann sinnvoll, wenn sie auch implementiert seien.

Eine Antwort auf die Frage, auf welchen Standard man sich denn nun zum heutigen Datum einstellen solle, wurde von einer zum größten Teil verwirrten Zuhörerschaft auf die lange Bank geschoben.

Es sei durchaus möglich, daß die OSF in ihrer produktorientierten Ausrichtung der Festschreibung eines Standards vorauseile, räumte Oldenburg schließlich ein - in einem solchen Fall werde das Produkt jedoch entsprechend der späteren Verabschiedung modifiziert, so sein Versprechen. Hier hofft die Foundation offensichtlich, daß die Normierungen möglichst nahe in die Gegend der OSF-Produkte gelenkt werden können.

Grundsätzlich aber sei es oberstes ziel sowohl von X/Open als auch die OSF, den Anforderungen der Anwender möglichst nahe zu kommen, und, wo möglich, mit Produkt und Standard gleichzeitig auf dem Markt zu erscheinen, um die Vision des "Enterprise Computing" langfristig in Realität umzugießen.

Um dem Anwender die Option auf diese Zukunft offen zu halten, sei es notwendig, ihm heute schon Richtungen und Entscheidungshilfen aufzuzeigen.

Henning Oldenburg verwies in diesem Zusammenhang auf die Portabilität von Unix V.3, mit der die vorgesehene, spätere Version von AIX kompatibel sei - auch AT&T's Aktionen basierten auf V.3. Da die OSF zur Zeit noch keine Produkte auf dem Markt habe, hieße die Entscheidung des Anwenders heute: System V.3 oder kompatible. Selbst bei einem (eventuellen) Auseinanderdriften von OSF und AT&T sei diese Entscheidung richtig, um Optionen offenzuhalten - auch unter dem Aspekt, daß Ende 1989 System V.4 von AT&T komme, und die OSF-Unix-Welt erst im Frühjahr 1990 folge, so der OSF-Stratege.

Verdeckte Spannungen in der anscheinend so ungetrübten jungen Liebe zwischen OSF und X/Open drückte ein Statement von John Totham aus: "Bauen Sie auf X/Open bei Ihrer strategischen Entscheidung." Seit wenigen Wochen laufe das X/Open- Warenzeichenprogramm. Produkte mit dem "X/Open-Stempel" könnten demnach nicht falsch sein. Die Strategiefrage ist aus seiner Sicht eindeutig in Richtung X/Open zu beantworten.

Als unstrittiges Ergebnis der Diskussion sei zum Schluß noch erwähnt, daß Binärkompatibilität zwar als wünschenswert, in absehbarer Zeit aber als unerreichbar gilt.

Horst Joachim Hoffmann ist freier Mitarbeiter der COMPUTERWOCHE.