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USL beschleunigt die Realisierung der Roadmap-Forderungen


05.10.1990 - 

Unix System V: Multiprocessing und Sicherheit vorerst getrennt

MÜNCHEN (qua) - Früher als erwartet soll Unix System V den Anwenderforderungen nach symmetrischem Multiprocessing und verbesserten Sicherheitsfunktionen entsprechen: Noch vor Mitte nächsten Jahres will die AT&T-Tochter Unix Systems Laboratories (USL) zwei neue Versionen des Betriebssystems auf dem Markt bringen.

Wenn die USL ihre Ankündigung in die Tat umsetzen kann, dann werden, so wirft sich der europäische Managing Director Bob Mitze in die Brust, die von Unix International in der sogenannten Roadmap formulierten Anforderungen etwa ein Jahr vor dem vereinbarten Termin realisiert. Diese Beschleunigung resultiert vor allem daraus, daß USL eine Reihe von "strategischen Entwicklungs-Partnerschaften" eingegangen ist.

So wird die multiprozessorfähige Unix-Ausführung ("SVR4 MP") gemeinsam mit Intel, Motorola, NCR, Olivetti, Oki und Unisys entwickelt. In Zusammenarbeit mit Amdahl und Motorola entsteht das Release ES (für "Extended Security"), das die im "Orange Book" des National Computer Security Center (NCSC) mit B2 klassifizierten Anforderungen erfüllen soll.

Laut Mitze werden im übernächsten Jahre die vorerst getrennten System-V-Ausführungen SVR4 MP und SVR4 ES zu einem einheitlichen Release mit der Bezeichnung ESMP verschmolzen. Über die bereits in der MP-Version realisierte Multiprozessor-Fähigkeit hinaus soll die ESMP-Ausführung auch die logische Aufteilung von Einzelprozessoren in parallele Tasks unterstützen.

Bis dahin haben die Anwender allerdings die Qual der Wahl: Sie müssen sich - je nach Anwendung - zwischen verbesserter Sicherheit und Multiprozessor-Unterstützung entscheiden. Nach Mitzes Einschätzung wird das Multiprocessing-System allerdings weitaus "populärer" sein als das ES-Release, das seiner Ansicht nach nur Kunden mit extremen Sicherheitsanforderungen benötigen.

Während sich Betriebssystemimmanente Funktionen wie Sicherheit und Multiprozessor-Fähigkeit nur in Form neuer System-V-Versionen verwirklichen lassen, will USL den schnellen Datenzugriff sowie die OSI-Unterstützung als separate Produkte zur Verfügung stellen. Dazu versicherte sich die "Unix-Werkstatt" der Unterstützung zweier kalifornischer Softwareschmieden, nämlich Veritas und Retix.

Veritas stellt die Basis für ein Datenspeicherungssystem mit schnellem Zugriff zur Verfügung. Dieses System, so hofft USL, soll Unix System V attraktiver für kritische kommerzielle Anwendungen machen. Laut Mitze greift das Produkt auf die Standardschnittstelle des "Virtual File System" zu; außerdem nutze es die standardisierten System-Calls. OSI-Anwendungen wie X.400 Mail, X.500 Directory Service, File Transfer und Virtual Terminal Services bringt Retix in die Partnerschaft ein.

Die beiden Software-Unternehmen haben USL nicht-exclusive Vertriebsrechte eingeräumt - gegen eine Beteiligung am Umsatz. Dazu Mitze: "Schließlich wollen unsere Partner auch ein Geschäft machen." Mit der Freigabe der Produkte ist in der

ersten Hälfte des kommenden Jahres zu rechnen.

USL im Zugzwang

Was immer die Open Software Foundation sein mag oder nicht - es läßt sich nicht leugnen, daß sie in absehbarer Zeit als Mitbewerber gegen die Unix Software Laboratories antreten wird. AT&T-nahe Kreise pflegten Anspielungen auf die drohende Konkurrenz bislang mit überlegenem Lächeln zu quittieren. "Let's wait and see." Schließlich sei OSF/1 noch nicht auf dem Markt.

Mittlerweile hat es jedoch den Anschein, als würde das OSF-Betriebssystem noch in diesem Jahr ausgeliefert. Vorausgesetzt, das erste Release weist bereits die in Aussicht gestellte Funktionalität auf, so läge System V nach dem an der sogenannten Roadmap festgelegten Zeitplan ein bis zwei Jahre hinter dem Konkurrenzprodukt zurück.

Offenbar hat sich USL jetzt entschlossen, den potentiellen Mitbewerber doch ernst zu nehmen. Jedenfalls reagierte die AT&T-Tochter prompt. Dabei griff sie zu demselben Mittel wie ehedem die OSF; sie setzt auf der Technologie einer Reihe von Drittanbietern auf und hofft, so den Vorsprung der Konkurrenz aufzuholen.

Leider hat die jüngste USL-Ankündigung einen Schönheitsfehler: Multiprozessor-Unterstützung und B2-Sicherheit werden vorerst nur in Form zweier unterschiedlicher Produkte zu haben sein. Eine Unix-System-V-Version, die beides verbindet, kommt voraussichtlich nicht vor 1992 auf den Markt. Die für das kommende Jahr avisierten SVR4-Ausführungen sind also von vornherein als Übergangslösungen konzipiert.

Nun ist eine schnelle Reaktion auf die Forderungen des Marktes grundsätzlich positiv zu bewerten. Doch muß der Hersteller sich hüten, überstürzt zu handeln, weil er damit unweigerlich dem Mitbewerb in die Hände spielen würde.

Wie die Kundschaft die USL-Strategie akzeptiert, ist noch weitgehend ungewiß. Zumindest eine Anwendergruppe dürfte aber mit Sicherheit verstimmt sein. Gemeint sind diejenigen, die Multiprozessor-Systeme einsetzen und hohe Anforderungen an deren Sicherheit stellen. qua