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02.10.1992 - 

Bei Auslandsgesellschaften der Krupp Stahl AG:

Unix-Systeme und Standardsoftware als eine sichere Basis

Mit einer neuen Hard- und Softwarebasis reorganisiert die Krupp Stahl AG die DV bei ihren lagerführenden Auslandsgesellachaften. Etappenweise ersetzen Unix-Systeme (MX300) der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI) die vorhandenen Systeme verschiedener Hersteller.

Als einheitliche Anwender-Software wählten die Verantwortlichen die Unix-Version von Comet, eine international einsetzbare betriebswirtschaftliche Standardsoftware ebenfalls von SNI. Die Krupp Edelstahl GmbH in Wien, eine österreichische Tochtergesellschaft der Krupp Stahl AG Bochum, erhielt als erste Gesellschaft ein Unix-System mit vier Bildschirmarbeitsplätzen.

Die Unternehmensgruppe Krupp Stahl praktiziert ein Mehrebenen-Rechnereinsatzkonzept. Das zentrale Rechenzentrum befindet sich am Hauptsitz der Krupp Stahl AG in Bochum. Es ist mit BS2000-Rechnern ausgestattet.

Den Vertriebstöchtern war es bisher selbst überlassen, mit welcher DV-Ausstattung sie arbeiten wollte. Das führte zu einer heterogenen Rechnerlandschaft. Auch bei den Anwendersystemen gab es keine einheitlichen Lösungen.

Die derzeit eingesetzten Systeme sind veraltet und störanfällig. Das allein war jedoch nicht ausschlaggebend für die Entscheidung, sie schrittweise abzulösen. Die Auslandsgesellschaften benötigen mehr und transparenter aufbereitete Daten für die Überwachung des laufenden Geschäfts. Notwendig ist auch ein verbesserter Informationsfluß zwischen der Zentrale in Bochum und den einzelnen Ländern.

Konzernvorstand spricht sich für Unix-Lösung aus

Die Grundsatzentscheidung für die DV-Reorganisation der lagerführenden Auslandsgesellschaften datiert auf das Frühjahr 1991. Sie fiel zugunsten einer auf Unix basierenden Lösung aus. Krupp Stahl folgte damit der Unix-Empfehlung des Vorstandsauschusses Informationswirtschaft der Friedrich Krupp GmbH. Am Standort Bochum arbeitet das Unternehmen bereits mit einer Reihe von Unix-Systemen für CAD- Aufgaben ebenso wie für die Prozeßrechner-Datenverarbeitung.

Die Krupp Edelstahl GmbH hat ihren Sitz in Wien. Sie handelt mit rostfreien Blechen und Profilen. Vom Lager aus beliefert sie zirka 1300 Kunden.

Der Lagerbestand (etwa 1000 Artikelspezifikationen) liegt bei durchschnittlich 850 Tonnen. Da die Anforderungen der österreichischen Verkaufstochter repräsentativ für alle lagerführenden Auslandsgesellschaften sind, dient sie als Basis für den einheitlichen Rechnereinsatz. Unterschiede ergeben sich im Geschäftsumfang und in landesrechtlichen Besonderheiten.

Die Krupp Edelstahl GmbH setzte auf ihrem seitherigen Rechner Standardsoftware für die Bereiche Lager, Fakturierung, Buchhaltung und Statistik ein.

Die Anlage erfaßte die Daten im Dialog mit anwendungsspezifischen Masken und verarbeitet sie im Stapel. Da die Dateien erst nach zeitaufwendigen Batchläufen zu aktualisieren waren, hatten die Informationen nur eine bedingte Aussagekraft. Ferner war ein paralleles Arbeiten von verschiedenen Bildschirmen aus nur eingeschränkt möglich.

Im Vorfeld der Entscheidung für eine Reorganisation der DV für ausländische Tochtergesellschaften von Krupp Stahl legte man in einem Pflichtenheft die Rahmenbedingungen fest. Sie sollten weitgehend mit Standardsoftware erfüllt werden, die länderspezifische Anforderungen berücksichtigt und somit international einsetzbar ist. Der in der DV-Abteilung für kaufmännische Unix-Systeme zuständige Gruppenleiter Herbert G. Schmitz nennt die wesentlichen systemtechnischen Bedingungen: "An erster Stelle stand die Forderung nach zukunftsicheren und längerfristig einheitlichen Systemen. Bei unterschiedlich großen Anwendern und einer teilweise geringen Zahl von Geschäftsvorfällen war eine kostengünstige Lösung der DV- Aufgaben zu suchen, bei der keine DV- Spezialisten vor Ort benötigt werden.

Anwender sind Lageristen, Buchhalter und Verkäufer. Deshalb müssen die Systeme leicht bedienbar sein. Bei der weitgehenden Abbildung des Betriebsgeschehens im Rechner sind außerdem eine hohe Verfügbarkeit und eine gesicherte Systemwartung erforderlich."

Die fachlichen Anforderungen des Pflichtenheftes erstreckten sich lokal auf die Bereiche Auftragsabwicklung, Material wirtschaft, Buchhaltung sowie auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen und sonstige Statistiken. Die Programme sollten weitgehend ohne Modifikation einsetzbar sein.

Krupp Stahl entschied sich für einen Lösungsansatz mit Unix-Rechnern und Standardsoftware. Die Wahl fiel auf die Comet-Unix-Version. Herbert G. Schmitz: "Die betriebswirtschaftliche Lösung deckt die DV-Anforderungen in den lagerführenden Auslandsvertriebsgesellschaften weitgehend ab, ist international verbreitet und bereits bei anderen Unternehmen des Krupp-Konzerns (vorwiegend in der Quattro-Version) eingesetzt".

Im Frühjahr 1991 trat eine Projektgruppe aus Mitarbeitern der DV- Abteilung von Krupp Stahl in Bochum, der Wiener Gesellschaft sowie von SNI ins Leben, die ein auf den Anwender Krupp zugeschnittenes Einsatzprofil erarbeitete. Für das Einrichten der Applikationen ließ Krupp Stahl in Bochum ein MX300-Testsystem installieren. Es wird dort verbleiben und primär der Fernbetreung dienen, wenn die anderen Auslandstöchter auf die Comet-Anwendungen umgestellt sind.

Im ersten Schritt wurden mit Hilfe eines Checklistengenerators (Chico) die gewünschten Funktionen aus den Comet-Modulen Lagerwirtschaft, Fakturierung, Buchhaltung und Statistik ausgewählt. Die Dateien sind in der Datensatzlänge und im Volumen

so ausgelegt, daß das Wiener Programmsystem sich auch bei allen anderen Gesellschaften ohne weitere grundsätzliche Modifikation übernehmen läßt.

Das gilt auch für die Mengeneinheiten. Bei Krupp Stahl registriert die Lagerverwaltung als branchenspezifische Besonderheit den Lagerbestand sowohl in Kilogramm als auch in Stück. Im Standardablauf ist nur eine Mengeneinheit vorgesehen. Die Bestandsführung in einer zweiten Mengeneinheit hätte sowohl eine Erweiterung der Datenbasis als auch die Modifizierung der Standardprogramme erfordert.

Anstelle dieses aufwendigen Verfahrens kam ein Formelprogramm zum Einsatz. Da im Artikelstamm das spezifische Gewicht gespeichert ist, läßt sich die Stückzahl errechnen. Fakturiert wird in Kilogramm.

Nachdem die Anwendersysteme generiert waren, bildete Krupp Stahl einen kompletten Monatsabschluß der Wiener Gesellschaft nach. Erfaßt wurden alle relevanten Daten aus Verkauf, Lager und Rechnungswesen. Das Ergebnis entsprach dem Ist-Monatsabschluß. Obwohl nur eine Mannschaft von drei Mitarbeitern an der Umstellung auf die MX300/Comet-Lösung arbeitete, konnte die Maßnahme in rekordverdächtig kurzer Zeit abgeschlossen werden. Ende 1991 ließ dann die Krupp Stahl AG bei ihrer österreichischen Tochter einen Unix-Rechner MX300-50 (mit 486er Prozessoren) mit acht MB Hauptspeicher und 170 MB Festplattenkapazität installieren. Eine Mitarbeiterin der Gesellschaft betreut das System vor Ort. Sie wurde in Bochum in die In- und Outputfunktionen, den Spoolbetrieb und die Sicherungsmechanismen eingewiesen.

Nach einer Grundschulung der künftigen Anwender begann im Januar dieses Jahres der Echteinsatz. Um die User beim Übergang von der Batch zur Dialogverarbeitung nicht zu überfordern, blieben die Artikelnummern zunächst unverändert. Inzwischen hat aber die Umstellung auf ein einheitliches Artikelnummernsystem für alle lagerführenden Auslandsgesellschaften begonnen.

Neue Anwender finden sich in Wien in der Regel schnell mit dem System zurecht. Sie lernen in einem Training on the Job und durch vertiefende Kurse, die SNI offeriert, die sich bietenden DV-Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Krupp Stahl hat ein eigenes kleines Bedienerhandbuch erarbeitet, in dem jeweils auf die Comet-Dokumentation verwiesen wird.

Im Januar und Februar war das alte System noch in Betrieb, um einen Parallellauf durchführen zu können. Die Krupp Edelstahl GmbH ist mit den neuen DV- Möglichkeiten zufrieden. Da die Dialogverarbeitung nun alle Daten erfaßt, verfügt die Firma über eine besondere Informationsbasis.

Die gezielt genutzten Leistungsmerkmale eines Listgenerators (Liga) machen das Betriebsgeschehen transparenter. Die Wiener können dadurch das laufende Geschäft effektiver überwachen.

Monatsabschlüsse nach aktuellem Landesrecht

Die Krupp Edelstahl GmbH kann durch den Einsatz der MX300/Comet-Lösung nun monatlich eine Abrechnung beziehungsweise Bilanz nach Landesrecht erstellen. Der zugrundeliegende Buchhaltungsabschluß erfolgt nach einem firmeneinheitlichen Raster.

Der Systemverbund mit der Zentrale in Bochum erstreckt sich auf dort in den BS2000-Systemen gespeicherte Informationen (Zentrallagerbestände, Fertigungsstand der Aufträge sowie versandbereite Mengen beim Werk) und die Übertragung von eigenen Daten an die Zentrale (Abschlußzahlen und betriebswirtschaftliche Kennzahlen).

Die Anbindung an die BS2000-Systeme in Bochum ist mit Transdata-Protokollen realisiert. Über eine 9750-Bildschirmemulation können die MX300-Anwender in Wien auch BS2000-Anwendungen aufrufen, beispielsweise für Reservierungen oder Abfragen von Zentrallagerbeständen. Kommunikationstechnisch

ist in beide Richtungen sowohl ein Remote-Dialog als auch ein Filetransfer möglich.

Mit der Implementierug von MS-Word auf dem MX300-System sollen die Anwender eine leistungsfähige Textverarbeitung erhalten. Erforderlich ist hierfür ein Softwareprodukt für den Ablauf von MS-DOS- Applikationen unter Sinix, dem Unix-Betriebssystem der SNI. Im zweiten Halbjahr wird die Aciers Krupp Staal B.V.B.A. in Zaventem ebenfalls einen Unix-Rechner bekommen. Da die Belgier zu den großen Vertriebsfirmen gehören, sind dort rund 30 Bildschirmarbeitsplätze geplant. Die verbleibenden Auslandsgesellschaften folgen dann nach und nach mit dem Unix-Übergang.