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05.08.1988 - 

Beim Betriebssystem zählt in erster Linie die Integrationsfähigkeit:

Unix und OS/2 liegen im Büro nicht im Zwist Mit Stefan Sorg, Geschäftsführer beim Institut für Organisationsforschung und Technologieanwendung (IOT) sprach CW- Redakteurin Stefanie Schopenhauer

Betriebssysteme werden künftig Im Bereich Office-Automation verstärkt den Ton angeben. Dabei geht Stefan Sorg davon aus, daß Entwicklungen innerhalb verschiedener Welten wie Unix und OS/2 aufeinander zulaufen. Um aber auf längere Sicht überhaupt bestehen zu können, müsse ein Betriebssystem viele Eigenschaften und Elemente zur schnellen Realisierung von Bürokommunikations-Anwendungen besitzen.

- Der Begriff Bürokommunikation stellt sowohl Anwender als auch Hersteller vor Definitionsschwierigkeiten. Daran sind nicht zuletzt die vielen Fachtermini schuld, mit denen dieses Wort zur Zeit überfrachtet wird. Was verstehen Sie unter Office Automation ?

Es gibt ja bei uns seit langem die Philosophie, daß die Bürokommunikation als solche zunächst nichts Technisches darstellt. Wir verstehen den Bürokommunikationsbegriff in der Form, daß hier alle Informationsbearbeitungs-Tätigkeiten im Unternehmen zusammengefaßt werden die der Erbringung der Marktleistung dienen. Wir pflegen, um den Unterschied zwischen der generellen Eigenschaft der Bürokommunikation und der Technisierung deutlich zu machen, den Begriff Office Automation. Dies bedeutet nichts anderes als die gezielte Unterstützung der Bürokommunikation mit informationstechnischen Mitteln.

Ich verstehe aber nicht, warum viele Leute auf der Anwenderseite aufgrund dieser umfassenden Definition sich hinter dem Argument verschanzen, es sei alles unklar. Das ist aus meiner Sicht nicht so, sondern es hat jeder Anwender die Freiheit, sich letztlich bestimmte Teilstücke herauszuschneiden und diese zu benennen. Auf diese Art und Weise vergibt er sich nichts.

- Ist es aber nicht häufig so, daß der Begriff Bürokommunikation an einzelnen Anwendungen festgemacht wird ?

Doch, dem kann ich zustimmen. Man sollte sich jedoch hier nicht hinter einer bestimmten Art von Irrlehren verschanzen. So ist es zum Beispiel in weiten Kreisen der mittelständischen Wirtschaft sehr beliebt zu behaupten, Bürokommunkation sei gleich Textverarbeitung. Viele meinen, wenn sie ein bißchen Textverarbeitung, vielleicht noch ein bißchen "Bausteinverarbeitung" machen, dann hätten sie sozusagen den Zeitgeist der Bürokommunikation intus. Das sind, wenn man so will, nur die ersten Fingerübungen.

Es gibt auf der anderen Seite bei großen Unternehmen andere Irrlehren, die genauso gefährlich sind, zum Beispiel jene, daß Bürokommunikation Büroarbeit minus DV minus TV sei. Man weist quasi all denjenigen nicht abstreitbaren Aktivitäten, die man im Büro verrichtet, den Begriff Bürokommunikation zu, die eben nicht unter Datenverarbeitung und Textverarbeitung einzuordnen sind. Wenn man aber diese Aufteilung vornimmt, vergißt man, daß das Phänomen der Bürokommunikation als informationsverarbeitende Unterstützung eigentlich beschnitten wird. Man tut nämlich so, als stünden die drei Bereiche nebeneinander.

Zu Office Automation gehören im übrigen alle möglichen Themen: Datenbank-Abfrage, Mikro-Mainframe-Link, grafische Datenverarbeitung, Electronic Mail, Anschluß an Postnetze oder sogar Forschungsnetze. Insofern kann man sagen, Bürokommunikation steht über der Datenverarbeitung beziehungsweise schließt diese mit ein.

- Die Technikunterstützung läuft - besonders im Mittelstand - auf hausgemachte Mix-Lösungen hinaus. Die angepriesenen Rundum- Systeme der Hersteller sind für viele Unternehmen kein Thema oder Zukunftsmusik. Eine entscheidende Wende steht aber sicher mit der flächendeckenden Verfügbarkeit von ISDN ins Haus.

Meines Erachtens kann eine sinnvolle Bürokommunikationslösung jetzt im mittelständischen Bereich oder im Großunternehmen prinzipiell nur unter Einbeziehung der bestehenden Datenverarbeitungsbasis realisiert werden. Ausgehend von dieser Forderung ist klar, daß jede Art von Bürokommunikation eine sogenannte Mix-Lösung darstellt. Im übrigen gibt es die von den Herstellern ins Feld geführte Rundum-Lösung eigentlich gar nicht. Wenn man zum Beispiel auf Konzepte Bezug nimmt wie Hicom von Siemens oder CIO (CIO: Computer Integrated Office) von Nixdorf, dann sind das ja in der Regel langfristig angelegte Integrationsprogramme. Es handelt sich hier nicht um eine einzelne Systemwelt, die bereits in Gänze verfügbar ist, sondern um die ständige und systematische Erarbeitung neuer Anwendungsfelder sowie von Verbindungselementen zwischen verschiedenen Systemkomponenten.

Eine Rundum-Lösung bezüglich Bürokommunikation erinnert mich von der Begrifflichkeit her stark an sogenannte dedizierte Bürokommunikationssysteme, die sich im Markt ja nicht durchgesetzt haben und zwar aufgrund der in der Regel schlechten Verträglichkeit mit den existierenden Infrastrukturen. Man stellt sich unter diesen integrierten Systemen heute viel zu sehr bereits in Feinstruktur vorliegende Produktkonzepte vor. Ich glaube eher, daß derzeit Vermarktungskonzepte überwiegen.

- Dann tendieren Sie also eher zu der Auffassung, daß Bürokommunikations-Lösungen sich an die Datenverarbeitung anlehnen sollten ?

Die sogenannten Mix-Lösungen sind unumgänglich, und partiell gibt es auch von verschiedenen Herstellern erste Mixansätze, die sehr stark auf die DV-orientierten Welten zugeschnitten sind und die Integration von DV in andere Anwendungen, wie Textverarbeitung, Datenbankabfragen oder auch Grafikanwendungen möglich machen. Auf dieser Grundlage lassen sich anspruchsvolle Bürokommunikations- Lösungen realisieren.

Wichtig ist jedoch - und das wird sich in Zukunft noch verstärken - zu unterscheiden zwischen dem innovativen Anwendungspotential, das vor Ort in den Firmen bereits installiert ist und dem, was tatsächlich damit anwendungsbezogen gemacht wird. Da blickt man überwiegend in Abgründe, weil man heute schon sagen muß, daß viele Konfigurationen eigentlich bei weitem nicht voll ausgeschöpft werden. Dafür gibt es nachvollziehbare Gründe, beispielsweise schlechte Performance, extrem schwierige Oberflächenhandhabung, miserable Betreuung der Betroffenen, schlechte Motivation und vor allem fehlender Aufklärung über die Möglichkeiten, die im Rahmen der jeweiligen Systemlandschaft möglich wären.

- Gerade in Hinblick auf die Ausschöpfung der Systeme könnte sich doch mit dem Einzug von ISDN-Systemen einiges ändern ?

Durch die flächendeckende ISDN-Vernetzung wird - wie von Ihnen angesprochen - die Bürokommunikation sicherlich in vielen Unternehmen ihr Gesicht verändern. Gerade kleine und mittlere Firmen können dann mit Hilfe multifunktionaler Endgeräte relativ billige und einfache Lösungen realisieren. Hinzu kommt, daß mit dieser angestrebten weltweit einheitlichen Kommunikations-Infrastruktur ein Rahmen geschaffen wird, der Kompatibilität der Systeme auf der Kommunikationsebene ermöglicht.

Während die meisten Schnittstellenfestlegungen die Kompatibilität nur auf den untersten Ebenen gewährleisten, reichen die Festlegungen bei einigen Postdiensten bereits bis in die Anwendungsebene hinein. Dadurch wird der Verbund von Systemen mit unterschiedlichen Leistungsklassen möglich.

- In Ihrer IOT-Studie -88 gehen Sie neben ISDN auch auf andere Fragen und Probleme ein, die die Office-Automation-Szenerie in den nächsten Jahren maßgeblich beeinflussen wird. Drei Schlag- respektive Stichworte in diesem Zusammenhang sind SAA, Unix und OS/2.

Hier ergeben sich Fragen, die sich heute jeder stellt, weil sie ständig in der Diskussion sind, aber keine klare Richtung erkennen lassen. Hierzu gehören sowohl Unix als auch OS/2. Während viele diese Welten als "Entweder-Oder-Entscheidung" sehen, gehen wir davon aus, daß hier eine gewisse Art von Aufeinander-zu-Entwicklung durchaus denkbar ist; das heißt die Portierbarkeit zwischen den Systemen wird zunehmen. So ist zum Beispiel im Rahmen der SAA-Konzeption beziehungsweise OS/2- Betriebssystemwelt die Programmiersprache C ebenso wie bei Unix festgeschrieben. Die Programme können also von einer Betriebssystemwelt auf die andere relativ schnell umgesetzt werden.

Außerdem ist das relativ ausgeprägte Bekenntnis von IBM zu Unix auf der diesjährigen CeBIT hervorzuheben. Das deutet aus unserer Sicht gewissermaßen auf eine Koexistenz beider Welten hin und auch darauf daß längerfristig die Entwicklungen bei OS/2 und Unix eher aufeinander zulaufen.

- Das eigene Unix-Betriebssystem AIX und die Mitgliedschaft von IBM in der neuen Open Software Foundation (OSF) ist ja nun mehr als nur ein Unix-Bekenntnis.

Die ganze OSF-Geschichte hat ja ein mehrfach gespaltenes Interesse in der Presse hervorgerufen. Es gibt Stimmen in der DV- Branche, die aus der Gründung der Open Software Foundation ableiten, daß jetzt gewissermaßen Keile in die Unix-Landschaft hineingetrieben werden, um das Voranschreiten der Standardentwicklung bei Unix zu verhindern oder zumindest zu bremsen. Andere Marktbeobachter hinwiederum sehen in diesem Ereignis eben gerade einen entscheidenden Durchbruch weil Big Blue mit im Boot sitzt. Denn was hieße schon Integration, wenn IBM nicht dabei wäre.

Es ist bestimmt so, daß das taktische Verhalten der IBM in Zukunft eine Rolle spielen kann. Man hat sich hier einfach gesagt: Wenn man schon etwas nicht verhindern kann, dann soll man es fördern, aber im eigenen Sinne. In Unix sind ja schon viele Milliarden hineingesteckt worden, und auch das Verlangen nach diesem Betriebssystem ist sehr groß Unix wird weiterhin standardfördernd sein; das ist nicht mehr aufzuhalten. Aber mit OSF fallen aus unserer Sicht eben bestimmte Besinnungsphasen länger aus und diese kommen natürlich der IBM entgegen.

- Der Erfolg von Betriebssystemen wird sicherlich stark davon beeinflußt werden, inwieweit sie Bürokommunikations-Anwendungen komfortabler machen und ob es der IBM hier eben gelingt, ihr Schäfchen ins trockene zu bringen.

Wie sagte doch unlängst ein Experte: Auf der einen Seite steht ein anerkannter Standard - auf der anderen Seite ein großer Name mit drei Buchstaben. Sie sehen also, es gibt genug Gründe, warum wir in unserer Studie das Verhältnis zwischen SAA und OS/2 zu Unix genauer unter die Lupe genommen haben, zumal dem Anwender hier die Trennung zwischen Dichtung und Wahrheit sowie die Einschätzung handlungsrelevanter Folgerungen schwerfällt.

Lassen Sie mich einen weiteren Aspekt in diesem Themenfeld ansprechen: Der Bericht weist auch darauf hin, daß Unix als Standardbetriebssystem viele Elemente und Eigenschaften besitzt, die zur schnellen Realisierung von Bürokommunikationsanwendungen genutzt werden können. Erwähnt seien in diesem Zusammenhang etwa Shell- Kommandos wie "ed" oder "mm". Sicherlich wird sich auch OS/2 in Richtung Bürokommunikation profilieren. Ohne dieses Profil wäre es zum Scheitern verurteilt, da Personal Computing ohne Bürokommunikation nicht denkbar ist. Große Probleme bei den Betriebssystemen zeichnen sich derzeit an den Stellen ab, wo es gilt, Bürokommunikationsprogramme mit Standardcharakter in bestehende DV-Anwendungsumgebungen zu integrieren. Probleme auch dort, wo es um die Realisierung deutscher beziehungsweise europäischer Anforderungen im Bereich der Telekommunikation geht, also zum Beispiel Implementierungen von Teletex, Videotex und solchen Dingen.

An dieser Stelle sind vor allem die europäischen Softwarehäuser gefordert. Ansätze kann man beispielsweise bei mbp erkennen, die die Lizenz des Programmes Alis von Applix übernommen haben und sich darum bemühen, Electronic-Mail-Komponenten und Textformate an Telex, Teletex und Bildschirmtext anzupassen. Die weitere Zukunft von Office-Automation-Programmen um Unix beziehungsweise OS/2 wird davon abhängen, inwieweit sie sich stark modifizieren und integrieren lassen. Hier liegt der Schlüssel zum Erfolg für Anwender und Hersteller.

- Wie schätzen Sie den Sinn und die Brauchbarkeit der auf dem Markt angebotenen Planungs- und Einführungsmethoden für Bürokommunikation ein ?

Es ist aus IOT-Sicht ein ebenfalls wichtiger Punkt, daß die Bürokommunikations-Planungsdebatte und ihre systematische Unterstützung versachlicht wird. Es ist mittlerweile schick geworden, Bürokommunikations-Planungsverfahren etwa unter dem Stichwort Computerunterstützung zu kategorisieren.

Wenn man sich anschaut, was durch diese Unterstützungsleistungen tatsächlich bewerkstelligt wird, kann man leicht erkennen, daß man in derartige Tools oft viel zu viel Geld steckt. Wir haben zum Beispiel versucht, in diesem Report eine sehr einfache Kriteriensystematik zu entwickeln, mit der eigentlich jeder Anwender ziemlich klar beschreiben kann, welche Kriterien für sein Unternehmen entscheidend sind, wenn er ein Planungsverfahren auswählt.

Viele Anwender unterschätzen nämlich den Aufwand, den sie leisten müssen, um sich einer souveränen Überblick zu verschaffen. Diejenigen, die sich Scheuklappen aufsetzen, schrecken in der Regel vor dem Org./Investment zurück. Hier fehlen noch Konzepte, Auswertungshilfen und Analyseverfahren, die sehr kompakt anwendbar sind. Die heutigen Methoden fangen überwiegend auf der grünen Wiese oder bei Adam und Eva an und haben dadurch den Nachteil, daß sie oft nicht mehr bezahlbar sind. Was wir hingegen benötigen, ist eine modulare Orgware, die auf letzte Präzision verzichtet. Vor allem für den mittelständischen Bereich gilt in Hinblick auf die Orgware-Unterstützung: Zügiges Umsetzen, schnelle Folgerungen und innerhalb einer Irrtumswahrscheinlichkeit positive Resultate.

- An der Frage beispielweise, ob der SNA-Stern im Sinken begriffen ist oder nicht, scheiden sich die Geister. Eine Expertise der amerikanischen Marktforschungsgesellschaft Coopers & Lybrand beispielsweise sieht auf diesem Gebiet eine Stagnation und keinen Wunsch nach Neubeschaffungen. Auf der anderen Seite ist OSI noch nicht ausgegoren und auf die bereits vorhandenen Protokolle wie X.400 und FTAM reagieren die Anwender derzeit noch mit Zurückhaltung.

Zunächst sollten wir eine Vergleichsbasis definieren: SNA versus OSI und DIA/DCA versus X.400 beziehungsweise ODA gegenüber ODIF. Hier fällt eine eindeutige Antwort schwer. Es wird realistischerweise davon auszugehen sein, daß auch hier beide Kommunikationswelten existieren; auf der einen Seite die IBM- dominierten Systemanwendungen und auf der anderen Seite eine starke Verbreitung neutraler Standards. Die Bemühungen sind derzeit wohl so weit gediehen, daß man Konfigurationen bei namhaften Herstellern durchaus findet, aber markante Implementierungen bei Anwendern in dieser Richtung kaum feststellbar sind.

Einem Anwender wäre natürlich mehr damit gedient, wenn es nur einen Standard gäbe. Das ist jedoch als Utopie zu bezeichnen. Insofern bleibt manchem Benutzer wohl langfristig nichts anderes übrig, beide Standards (OSI und SNA) zum Zuge kommen zu lassen, daß heißt etwa firmenintern eher IBM und im öffentlichen Bereich mehr öffentliche Standards beziehungsweise durch Gateways für Anpassung zu sorgen ODA/ODIF-Festlegungen werden zwar langfristig die Position verbessern; sie sind jedoch für die Mehrzahl der heutigen Systeme nicht implementierbar.

Noch ein Wort zu SNA: Nach meiner Auffassung ist der SNA- Stern nicht am Sinken, zumal die System Network Architecture einen Kernbestandteil des SAA-Konzepts abgibt. Auch hier ist ein binäres Umschwenken auf OSI eine Utopie, wenn man die riesigen Summen und Werte betrachtet, die in SNA-Umgebungen gesteckt wurden.

Andererseits erschließt sich durch OSI für herstellerneutrale oder neue Anwender die Welt des Kommunikationsverbundes, die heute für viele gar nicht offen steht.

- Wunde Punkte im Rahmen einer umfassenden Bürokommunikation stellen die Schaffung einer einheitlichen Benutzeroberfläche und das Netzwerk-Management dar. Hier sind auch die Hersteller noch nicht sehr weit gediehen.

Sie treffen sicherlich mit Ihrer Feststellung den Kern des Problems. Diese aus Anwendersicht verständlichen Forderungen sind mittlerweile auch von den Herstellern anerkannt worden - denn schließlich trägt ihre Berücksichtigung zur Marktöffnung gerade auch für Bürokommunikationssysteme bei.

Ansätze wie die Icon-Technik, Produkte wie MS-Windows oder natürlich auch das SAA-Common-User-Interface (CUI) auf Seiten der Benutzeroberfläche sowie etwa Netbios zur flexibleren Vernetzung von PCs und Workstations sind geeignet, Verbesserungen auf diesem Problemfeld zu erzielen.

Der große Hemmschuh liegt allerdings in dem Faktum, daß es in fast allen Einsatzfällen alte Systeme und Anwendungen mit neuen zu verbinden gilt. Bestehende Restriktionen schließen Innovationen oft aus. Wir müssen uns also mit Fortschritten vorantasten wie sie zum Beispiel durch die Standardisierung von SQL/EasySQL ermöglicht werden. Hier lassen sich "alt" und "neu" oder besser gesagt "Bestehendes" und "Neues" zum Vorteile des Benutzers vereinigen.

- Ob sich die Schar von Herstellern, die auf dem Office-Automation- Markt agiert, halten kann, ist fraglich. Große Bedeutung kommt sicher der Wendigkeit und einer klaren Konzeptionierung von seiten der Anbieter zu. Welche Entwicklungstendenzen sieht das IOT in diesem Marktsegment ?

Es gibt dort mit Sicherheit aus mehreren Gründen Turbulenzen. Das heißt, es stehen erhebliche Verschiebungen der Marktpositionen bevor. Zum einen läßt sich feststellen, daß die sogenannten Allround- Anbieter in Zukunft besser dastehen werden, als die Anbieter von dedizierten Systemen. Für Hersteller, die auf Teilmärkten agieren, ist es oft schwierig, die Zeichen der Zeit bei Bürokommunikation zu erkennen und darauf zu reagieren. Das bedeutet beispielsweise, daß für PC-Hersteller die Frage ganz entscheidend sein wird, wie siesich bezüglich der Netzwerke im Markt behaupten können und wie sie sich bezüglich der Anschlußmöglichkeiten an ISDN aus der Affäre ziehen.

Es empfiehlt sich aus meiner Sicht für die Anbieter, den Marketing-Effekt der ISDN-Ankündigungen durch die Bundespost mit auszunutzen. Der Anwender zeigt sich in der Regel den Prognosen und Ankündigungen der Post gegenüber offener als denen der Hersteller. Wenn man so will, ist die Post weniger gezeichnet durch Rücknahmen von Announcements. Hinsichtlich ISDN nennt sie realistische Daten und ist auch bereit, Korrekturen öffentlich zu diskutieren.

Als weiterer Trend zeichnet sich ab, daß sich wohl überwiegend diejenigen Hersteller durchsetzen werden, denen es gelingt, integrierte Lösungen über alle Informationsbereiche hinweg - zum Beispiel bis hin zur Sprachverarbeitung - anzubieten. Vor allem haben wohl diejenigen gute Karten, die sowohl in der Technik digitaler Nebenstellenanlagen "zu Hause sind", als auch eine starke Präsenz in der klassischen Daten- und Textverarbeitung zeigen.

Der Zwang zur Implementierung und Pflege integrierter Lösungen unter Beachtung individueller Anwendergegebenheiten einerseits und Standards andererseits sowie die Realisierung von Informations-Verarbeitungskonzepten, die DV, Textverarbeitung, Grafik, Bild und Sprache gleichermaßen beinhalten, wird die Spreu vom Weizen trennen und läßt wenig Raum für Exoten und Newcomer.

Multi-Client-Report Bürokommunikation '88

Anläßlich der CeBIT'88 hat das Institut für organisationsforschung und Technologieanwendung (IOT), München, wie im vergangenen Jahr wieder eine Bürokommunikationsstudie herausgegeben. Während sich der Report '87 eine breite Bestandsaufnahme der Funktionsbereiche von Office-Automation- Systemen (zum Beispiel Dokumentenverarbeitung, Desktop Publishing, Electronic Mail sowie -Datenbanken) und Benutzerbedürfnissen zum Ziel gesetzt hatte, stehen diesmal trendsetzende Themen wie Unix, SAA, ISDN oder Kommunikationsplanung im Mittelpunkt. Neu ist auch ein "Nachschlagewerk" mit Adressen und Telefonnummern von Anbietern, Benutzergruppen etc.

Man sollte sich nicht hinter einer bestimmten Art von Irrlehren verschanzen. So ist es zum Beispiel in weiten Kreisen der mittelständischen Wirtschaft sehr beliebt zu behaupten, Bürokommunikation sei gleich Textverarbeitung.

Man muß sagen, daß heute viele Konfigurationen bei weitem nicht ausgeschöpft werden. Dafür gibt es nachvollziehbare Gründe, wie beispielsweise schlechte Performance und extrem schwierige Oberflächenhandhabung.

Die heutigen Methoden langen überwiegend auf der grünen Wiese an. Was wir hingegen benötigen, ist eine modulare Orgware, die auf letzte Präzision verzichtet. Es empfiehlt sich aus meiner Sicht für die Anbieter, den Marketing-Effekt der ISDN-Ankündigungen durch die Bundespost mit auszunutzen. Der Anwender zeigt sich in der Regel den - Prognosen der Post gegenüber offener als denen der Hersteller.

Es gibt Stimmen in der DV-Branche, die aus der Gründung der Open Software Foundation ableiten, daß jetzt gewissermaßen Keile in die Unix-Landschaft hineingetrieben werden, um das Voranschreiten der Standardentwicklung bei Unix zu verhindern oder zumindest zu bremsen.