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03.11.1989

UNIX UND WORKSTATIONS Haben die Workstations noch eine Zukunft?

Der Erfolg der Workstations erklärt sich aus einem Umstand: Sie sind am Schnittpunkt zweier Phänomene angesiedelt. Sie erfüllen zum einen die Forderung, die Leistung eines Computersystems an die Vorstellungen vom durch den Menschen geprägten Arbeitsstil anzunähern. Zudem kommen sie den daraus resultierenden Ergonomievorstellungen entgegen. Sie werden zum anderen durch den Erfolg des herstellerneutralen Betriebssystems Unix getragen. Trotzdem scheint es zunehmend so, als ob in der Diskussion Workstations contra PCs die Emporkömmlinge den herkömmlichen Arbeitsplatzrechnern den Rang ablaufen. Man muß sich fragen, ob die Workstations noch eine Zukunft besitzen und ob sie sich gegen die Konkurrenz der leistungsstarken PCs zur Wehr setzen können.

MS-DOS bot - eher zufällig dem Computerbenutzer erstmalig die Chance, sich aus den Klauen eines einzelnen Systemlieferanten zu lösen, Die Erfolge sind bekannt: Es entstand eine nahezu unermeßliche Vielfalt leistungsstarker, ausgefeilter, preisgünstiger Anwendungsprogramme, die nicht nur dem Durchschnittsanwender den Zugang zum Computer öffneten, sondern - so kann man etwas überspitzt sagen - eine völlig neue Generation von professionellen Geistesarbeitern schuf.

Unix ist sozusagen die nächste Dimension des MS-DOS. Das verstaubte, über 20 Jahre alte Betriebssystem funktioniert über beliebige Prozessorklassen und -Architekturen hinweg und besitzt nicht die Limitierungen des MS-DOS im Hinblick auf Multitasking, netzwerkweite Computerleistung, Rechenleistung und Adreßraum.

Ein weiteres Problem stellt die Anforderung an ergonomische Werkzeuge dar: Für den Computerarbeitsplatz bedeutet dies, daß grafische Benutzerelemente gefragt sind. Doch eben diese übergeordneten Layers fressen Rechenleistung. Nach einer Studie der IDC kann man Prozessoren mit weniger als 10 MIPS und Speicherkapazitäten unter 4 Megabyte eigentlich keine Zukunft attestieren.

Mit dem Intel-Prozessor 80486 wird nun die Leistung der PCs bis an 20 MIPS herangeführt. In einen Bereich also, der bislang RISC-Prozessoren vorbehalten schien. Diesen allerdings wird für die nächsten zwei Jahre der Leistungsbereich von 20 bis 100 MIPS vorbehalten bleiben.

So gesehen wird die Szene der Datenverarbeitung momentan einerseits geprägt durch herstellerneutrale Betriebssysteme (MS-DOS, Unix, OS/2?), zum anderen durch Grafikfähigkeiten und der hierfür geforderten Rechenleistung von 10 bis - konservativ geschätzt - 50 MIPS. Hinzu kommen Ansprüche und Möglichkeiten der netzwerkweiten Verarbeitung von Informationen innerhalb unterschiedlicher Betriebssysteme und die sinnvolle Nutzung netzwerkweiter Ressourcen wie Datenbanken und Kommunikationseinrichtungen. Dies alles vollzieht sich unabhängig von dem Einfluß einzelner Hard- oder Softwarehersteller. Dieser Trend wird auch nicht mehr umkehrbar sein.

Was aber versteht man heute unter einer Workstation? Kein Zweifel, die alte Definition der Workstation nach Rechenleistung und Speicherausbau hat ihre Bedeutung weitgehend verloren. Geblieben ist der Arbeitsstil, den aber auch und vor allem der Macintosh in gleicher Form zu bieten hat.

Prinzipielle, grundsätzliche Unterschiede zwischen PCs, Workstations und Apple-Rechnern sind kaum noch vorhanden. Es gibt noch kein MS-DOS beziehungsweise OS/2 für RISC-Plattformen. Noch kein Hersteller hat sich die Mühe gemacht, für PCs Grafikprozessoren zu entwickeln, die im Hinblick auf Auflösung und Geschwindigkeit denen der Workstations gleichkommen. Der wesentliche Unterschied liegt jedoch in der Art, parallel laufende Prozesse innerhalb eines Systems oder des gesamten Netzwerks ablaufen und kommunizieren zu lassen: Netzwerkweit verteilte Rechenleistung, Multitasking, Windowing oder die Client-Server-Beziehung sind integrale Bestandteile eines Workstationkonzepts. Neben Unix soll auch OS/2 in Zukunft diese Eigenschaften unterstützen. Wenn es erst einmal soweit ist, wird man sicher auch bei OS/2-Systemen von Workstations sprechen.

Unix mit den oben geschilderten Eigenschaften ist Herz und Lebensnerv der Workstation. Es ermöglicht jene Teambeziehung und Client-Server-Relation, die nicht nur den modernen Arbeitsstil, sondern vor allem auch der Organisationsstruktur zeitgemäßer Unternehmen entspricht. Der Einwand, Unix sei das unzulängliche Implementierungssystem für Computer-Insider, wurde durch grafische Oberflächen wie Motif oder Open Look mittlerweile widerlegt. OS/2 soll einmal die wesentlichen Eigenschaften von Unix aufweisen. Bis es soweit ist, werden die professionellen Software-Entwickler jedoch weltweit Unix dem OS/2.Betriebssystem vorziehen. Nach IDC soll OS/2 ab 1995 einen signifikanten Aufschwung erleben. Derzeit wird OS/2 allerdings von weniger als zehn Prozent, der Software-Entwickler eingesetzt. Doch läßt die bis dahin vielzählig unter Unix zur Verfügung stehende Anwendungssoftware es als unwahrscheinlich erscheinen, daß OS/2 in der Bedeutung jemals mit Unix gleichziehen kann. Derzeit wird unter keinem anderen System soviel Software entwickelt wie unter Unix.

Moderne Software kennzeichnet, daß sie auf Basis einer relationalen Datenbank und mit Hilfe objektorientierter Entwicklungswerkzeuge der 4.Generation geschaffen werden. Die Benutzeroberfläche ist grafisch unter X/Windows implementiert. Sie entspricht einem der Standards für grafische Oberflächen. Diese Vorgehensweise ist der einzige effiziente Weg, brauchbare Individualsoftware guter Qualität in realistischer Zeit zu schaffen. Es ist auch der einzige Weg, den Bedarf an fortschrittlichen Lösungen innerhalb eines Unternehmens termingerecht zu erfüllen. Nur die Workstation und das Server-Client-Konzept erfüllen alle Bedingungen, die durch eine solche Arbeitsmethodik gestellt werden.

Daraus resultiert, daß das Software-Engineering (CASE) den dominanten Einsatzbereich für Workstations darstellt. Weder durch PCs noch durch Großrechner droht hier in irgend einer Form Konkurrenz. C, die Implementierungssprache des Unix-Systems, hat sich hierbei als Quellsprache für beliebige Computerarchitekturen herauskristallisiert. So werden nicht nur PC-Systeme wie Lotus 1-2-3 oder OS/2 auf Workstations unter C entwickelt. Auch der größte Teil der Mainframe-Anwendungen entsteht hier.

Eine Prognose sei erlaubt: Bis 1992 wird der einzelne Computerarbeitsplatz eine Rechenleistung von 100 MIPS bieten. Hinzu kommen weitere 20 MIPS pro Arbeitsplatz, die in einem Server für allgemeine Aufgaben zur Verfügung stehen. Der Anwender arbeitet über eine einheitliche grafische Oberfläche mit mehreren, überwiegend herstellerneutralen Betriebssystemen, wobei Unix die Integration der einzelenen Softwarearchitekturen übernimmt.

Anwender wollen Qualität-Leistung und Standards

Solch einen Arbeitsplatz wird man sicher nicht mehr PC nennen. Aber ist die Bezeichnung Workstation richtiger? Hersteller, die sich heute mit dem einen oder anderen Begriff identifizieren - Apple, Compaq, Sun wären als Beispiele zu nennen -, werden vom Software-Hersteller und -Anwender gemessen an den Kriterien Qualität, Leistung, Ergonomie, Einhaltung von Standards und dem Innovationsgrad. Einen technischen Kompromiß oder gar Rückschritt bei der Ausstattung der Systeme und der Software wird es nicht geben. Programmierer, die heute noch antiquierten Verfahren, urzeitlichen Sprachen und Organisationsstrukturen nachgehen, werden zu diesem Zeitpunkt in Pension sein und können die Evolution dieser Systemkonzepte nicht mehr behindern.

Kein Engpaß bei Vernetzung durch neue Technologien

Eine Bemerkung zum Engpaß bei Vernetzungen: Ethernet mit seiner Übertragungsrate von lediglich zehn Megabit pro Sekunde wird eine Leistungssteigerung durch die FDDI-Glasfasernetze erleben. 100 Mb/s Taktrate werden dann technischen Standard darstellen. Magnetooptische Speichermedien im Kapazitätsbereich von mehreren Gigabyte, die sehr robust in der Handhabung sind, ergänzen die Winchesterplatten. Wegen der ständig steigenden Speicherkapazitäten und Rechenleistungen wird es sinnvoll sein, Sprach- und Videoinformation in Rechnersysteme zu integrieren und zu nutzen.

Vielleicht wird die Workstation bis dahin einen neuen Namen haben. Der Macintosh und die Workstation sind die Elemente, die Methodik und Stil im Umgang mit der Computerleistung derzeit am nachhaltigsten beeinflussen.