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05.06.1992

Unix: Unterhalb der Gürtellinie

Auf dem Unix-Forum Ende Mai, in Berlin fiel Ader Satz, daß Windows NT in wenigen Jahren Unix überholen werde, wenn die Hersteller den müßigen Streit um das "richtige" Unix nicht schleunigst beilegten. Wem soll damit gedroht werden? Die Anbieter mögen sich noch soviel Mühe geben, die Lauterkeit ihrer Unix-Absichten herauszustellen, man kann - ohne ihnen Unrecht zu tun - davon ausgehen, daß sie die Unruhe vor der Unix-Flaute genießen. Unix aussitzen, das wollen sie doch. Insofern kommt es ihnen gelegen, daß neuerdings spekuliert wird über die Aussichten von Windows NT, einem System, das es noch gar nicht gibt. Zurück zur Eingangsfrage: Wem also soll mit einem Unix-Ultimatum gedroht werden? Die etablierten Hardwarehersteller fühlen sich nicht angesprochen.

Bleiben die Anwender: Aber gilt für sie nicht dasselbe, daß sie sich eben keineswegs hauen für Unix? Wir beabsichtigen nicht, die Diskussion um die hinlänglich bekannten Vorurteile "Unix = alles anders als bei jedem anderen Unix" versus "Alle Unix-Systeme sind gleich" neu zu entfachen. Diesen Disput mögen die Marketiers der Hersteller unter sich ausmachen. Jeder weiß doch, daß Unix für die Anwender kein Selbstzweck sein kann. Betriebssysteme liegen, was die Ziele jedweder DV-Organisation betrifft, nicht im roten Bereich, gleichsam unterhalb der Was-man-wissen-will-Gürtellinie. Es geht vielmehr um Kompatibilität der Hardware, um Portabilität der Anwendungen und um einen reibungslosen Netzverkehr, kurz: um offene Systeme. Wenn Unix als Synonym, als Etikett für offene Systeme verwendet wird: kein Einwand - wie es auch richtig ist, Unix als Produkt zu bezeichnen. Falsch und in hohem Maße unfair dagegen ist es, Unix mit Lock-in-Betriebssystemen wie MVS, VMS oder BS2000 auf eine Stufe zu stellen.

Wie aber, sollen Anwender, die aus guten Gründen von proprietären Mainframe-Erbhöfen und PC-Einzelzellen wegwollen, PC-LAN- und Client-Server-Angebote einordnen? Wenn sie diese als echte Alternativen verstehen, dann müssen sie fragen: "Wie können wir bei der Planung und Implementierung vorgehen, ohne uns zu verfranzen? An welchem Standard sollen wir uns orientieren?

Diese Fragen wurden auf dem Unix-Forum gestellt - die Antworten der Hersteller konnten nicht befriedigen. Für die Anwender kein Grund zur Resignation: In einem Käufermarkt bestimmen sie mit ihren Einkaufsentscheidungen, wo es langgeht. Und gottlob gibt es bereits Normen und Standards, an die man sich halten kann. Die Posix- und X/Open-Spezifikationen seien hier genannt. Man muß sich allerdings abschminken, daß der Standardisierungsprozeß einmal zum Stillstand kommt, weil er abgeschlossen ist. Nur eines ist klar: Stillstand haben wir - in der Mainframe-Welt.