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CDI-Kongreß über ein Betriebssystem mit Zukunft:


25.03.1983 - 

Unix-Vorteile wiegen Schwachstellen auf

FRANKFURT - Das Betriebssystem Unix und seine Anwendungen unterliegen immer noch einer sich rasch wandelnden Entwicklung. Dieser Prozeß dürfte sich in absehbarer Zeit stabilisieren, wenn auch exakte Prognosen heute noch nicht möglich sind. So lautete eine der Aussagen auf dem Kongreß Unix '83, den das Frankfurter Control Data Institut in Zusammenarbeit mit der Danet GmbH, Darmstadt, kürzlich durchführte. Rund 120 Teilnehmer informierten sich anhand von sieben Vorträgen über Unix und Unix-Lookalikes. Neben Referaten von allgemeinem Interesse über die im folgenden berichtet wird, präsentierten die Vortragenden auch praktische Anwendungen.

Einen Überlick über Entwicklungsgeschichte und Zukunft dieses Betriebssystems gab Dr. Ted Dolotta von der Interactive Systems Corporation aus Santa Monica. Die Gretchenfrage, ob der Erfolg dieses Produktes auf die Verwendung der Programmiersprache "C" oder die Architektur des Betriebssystems zurückzuführen sei, beantwortete Dr. Dolotta eindeutig: "Unix kam vor C ".

Erst nachdem Unix von den Bell Laboratories geschrieben und mit einer vorausschauenden Architektur versehen worden sei, habe man sich entschlossen, die neuentwickelte Programmiersprache "C" für Unix zu verwenden.

Das System besitzt mittlerweile eine sehr hohe Portabilität, eine hohe Verfügbarkeit und Einsatzbreite. Verschiedene Sprachen könnten unter Unix laufen, wobei C mit zu den am häufigsten eingesetzten gehört. Die Befehlssprache sei auf einer Anwenderbasis wählbar, erläuterte Dolotta. Das Betriebssystem biete einheitlichen File, Device und Inter-Prozeß-I/O und besitze die Möglichkeit, asynchrone Prozesse zu initiieren.

Diese Vorzüge haben dazu geführt, daß seit Anfang der siebziger Jahre bis heute mehr als 10 000 Systeme installiert worden seien. Voraussagen sprechen von 500 000 Installationen im Jahr 1986.

Bald auch auf 64 Bit

Das Betriebssystem läuft unter 16-, 32- und 36-Bit-Maschinen und bald wohl auch auf 64-Bit-Rechnern, meint Dr. Dolotta. Es eignet sich für Hardware nahezu aller großen Hersteller auf den verschiedensten wissenschaftlichen und kommerziellen Rechnern. Auch diese Zahl steigt ebenso wie die der Unix-Anwendergruppen ständig, so daß der Vortragende Unix als das Betriebssystem der 80er Jahre, wenn nicht sogar der 90er ansieht.

Werden für dieses System so gute Chancen für die Zukunft vorhergesagt, so stellt sich die Frage nach dem Aussehen eines Arbeitsplatzes auf Unix-Basis. Frank Raudszus von der Danet GmbH aus Darmstadt bot dazu hardwareseitig drei Alternativlösungen an, die unter dem Aspekt eines distributiven Konzeptes immer mehr Intelligenz an den Arbeitsplatz bringen.

Die unterste Ebene stellt der Einsatz eines mikroprozessorgesteuerten Dialogterminals mit lokalen Editier- und Formatiermöglichkeiten dar. Hier liegt die Intelligenz in den PROMs, so daß jegliche Diskettenverwaltung entfällt.

Als zweite Variante schlug Raudszus am Arbeitsplatz einen Acht-Bit-Rechner mit 64 KB und 0,5 MB Diskettenspeicher vor. Der Bildschirm sollte eine einfache Segmentgrafik bieten. Die Arbeitsplatzprogramme werden in diesem Fall direkt von den Kassetten geladen.

Weit in Richtung auf eine eigenständige Arbeitsplatzstation bewegt man sich bei Einsatz eines 16-Bit-Rechners mit 128 bis 256 KB Hauptspeicher und fünf Megabyte Winchester .

Die Frage der Auswahl der richtigen Betriebssysteme ist für Raudszus eigentlich nur für die zwei letztgenannten Fälle relevant.

Er plädiert für einen Unix-Einsatz auf dem 16-Bit-System, da dieses System die Brücke zwischen einer großen Zentralanlage und der abgesetzten Arbeitsplatzstation darstellt. Keine andere Betriebssoftware könne sowohl auf den Mehrplatzsystemen der 32-Bit-Klasse als auch auf 16-Bit-Einzelplatzrechnern eine Verbindung schaffen, die es erlaubt, unter C geschriebene Applikationen sowohl auf dem Zentralrechner als auch mit geringem Aufwand autonom am Arbeitsplatz ablaufen zu lassen.

Dennoch: Diese Konfigurationsgestaltung wird teuer, so daß das Hauptaugenmerk auf die Kosten-Nutzen-Seite und die Funktionsschnitte zwischen Host und Arbeitsplatz gelegt werden muß.

Der derzeitige Stand der Entwicklung erlaubt es nach Raudszus' Worten nicht, einen exkaten Überblick über vorhandene Features für Unix am Arbeitsplatz zu geben. Vieles sei bereits vorhanden, wie zum Beispiel Textformatter oder Fenster-Bildschirme, bei Testhilfen beispielsweise sehe die Sache anders aus.

Der Darmstädter empfiehlt, sich mit einer User-Group oder einem Anbieter in Verbindung zu setzen, um neueste Informationen zu erhalten.

Nixdorf und Unix

Daß die Anwendung von Unix gut durchdacht sein will, bewies der Vortrag von Dr. Manfred Sedello von der Nixdorf Computer AG.

Das Paderborner Unternehmen führte im Jahre 1980 die Softwareproduktion mit Unix-Werkzeugen ein, da man durch Fachkonferenzen in den USA auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht worden war. Verschiedene Gründe spielten bei dieser Entscheidung eine Rolle, so die Tatsache, daß sich dieses Multiusersystem bereits in den Vereinigten Staaten bewährt hatte, und die wachsende Verbreitung eine Verfügbarkeit extern entwickelter Werkzeuge vermuten ließ.

Aber auch Unix selbst zeigte Vorteile. Hierzu zählen die Paderborner die Systemarchitektur, die Vielfalt der mächtigen Hilfsmittel (Shell, Edi_, C, Make, SCCS, nroff) und das RJE-Paket, das diese Betriebssoftware als Front-End-System einsetzbar macht.

Diese Positiva überwogen die Schwachpunkte, die beispielsweise in mangelnder Standardisierung, vergleichsweise schlechter Dokumentation, unschönem Benutzer-Interface und schwer einschätzbaren Supportbedingungen erkannt wurden, erinnert sich Sedello.

Unix wird nun im Entwicklungszentrum in Paderborn zur Entwicklung von Systemsoftware für Nixdorf-Rechner eingesetzt.

Enduser und Spezialisten

Es kristallisierten sich zwei Benutzergruppen heraus, die für eine Bewertung im praktischen Einsatz wichtig sind: die "Unix-Enduser" und die "Unix-Spezialisten". Dabei bauen die Enduser in ihrer Arbeit auf Werkzeugen auf, die ihnen von der Gruppe der Spezialisten zur Verfügung gestellt werden. Aufgaben des Systemmanagements, die Gewährleistung des Produktionsbetriebes sowie die Betreuung liegen bei dieser Gruppe, die eine umfassende Ausbildung benötigt.

Hieraus leitete Sedello Forderungen ab, die für die künftige Entwicklung des Betriebssystems von Bedeutung sind.

So bieten sich für den erfahrenen Anwender ideale Möglichkeiten, die Funktionalität des Systems auszunutzen. Der Gelegenheitsbenutzer wird allerdings durch die Kommandovielfalt oft verwirrt. Auch Fehlermeldungen bleiben für ihn häufig unverständlich.

Eine aufgabenorientierte Strukturierung der Funktionsabläufe sieht Sedello als sinnvoll an.

Auch die Dokumentation von Unix, das ursprünglich für den wissenschaftlichen Bereich entwickelt wurde, müsse Gegenstand der Verbesserungen sein.

Der Paderborner riet den Teilnehmern des Kongresses und allen potentiellen Anwendern, die mit Unix ein Production Environment aufbauen wollen, vor der Entscheidung einen detaillierten Fragenkatalog zu beantworten, der sich nicht nur mit der Planung der Anwendungen unter Unix, sondern auch der Einbettung dieses Systems in die vorhandene oder aufzubauende Konfiguration sowie der Ausbildungs- und Integrationsmöglichkeiten befaßt.